Unterhaltung

Fachfrau fürs BöseBette Davis wäre 100

06.04.2008, 13:27 Uhr

"Sie konnte den Zuschauer rot als schwarz oder weiß sehen lassen." Hollywoods Furie Bette Davis wäre 100 Jahre alt geworden.

Sie gilt als eine der größten Schauspielerinnen Hollywoods - und war doch keine typische Diva. Bette Davis, die am 5. April 100 Jahre alt geworden wäre, scheute vor bösen, gemeinen Rollen nie zurück. Sie spielte Zicken und Hexen, eiskalte Verführerinnen und grausame Furien - und das mit einer solch unwiderstehlichen Intensität, dass manchmal ihre Figuren mit ihr selbst gleichgesetzt wurden. Zu ihrer Überzeugungskraft schrieb ein Kritiker der "New York Times" einmal: "Bette Davis konnte den Zuschauer rot als schwarz oder weiß sehen lassen".

In ihrer fast 60 Jahre langen Karriere bis zum Krebstod 1989 hat "Die Davis" mehr als 100 Filme gedreht. Zehn Mal wurde sie für einen Oscar nominiert, zwei Mal hat sie die begehrte Trophäe erhalten - 1935 für ihre Rolle als alkoholkranke, skrupellose Schauspielerin in "Dangerous" und 1938 für die Darstellung der boshaften Lady in William Wylers Südstaatendrama "Jezebel". Die ARD zeigt aus Anlass des 100. Geburtstags eine große Werkschau mit zwölf Filmen. In den USA wird eine Sonderbriefmarke zu ihren Ehren aufgelegt.

Auf Schönheit gepfiffen

Bette Davis entsprach nicht gerade dem Schönheitsideal, das im damaligen Hollywood herrschte. Alles an ihrem Gesicht war ein bisschen zu groß - die Nase, der Mund, aber vor allem die faszinierenden Augen. Sie selbst erzählte gern die Geschichte, wie sie nach dem Besuch der Schauspielschule in New York mit 21 Jahren in der Traumfabrik ankam: Der zum Bahnhof geschickte Vertreter des Filmstudios kehrte unverrichteter Dinge wieder um, weil er niemanden entdecken konnte, der auch nur entfernt wie ein Filmstar in spe wirkte. "Mir war es immer egal, wie ich aussah, solange ich nur wie meine Figur aussah", sagte Davis einmal.

Mit ungeheuerem Ehrgeiz und viel Ellenbogen kämpfte sich die aus einer geschiedenen Anwaltsfamilie stammende Schauspielern rasch nach oben. 1941 war sie die erste Frau an der Spitze der Oscar-Akademie. 1942 die bestbezahlte Frau Amerikas. Legendär ist die Hassliebe zu ihrem langjährigen Filmstudio Warner Brothers. Mehrfach zettelte sie einen Rechtsstreit an, weil sie (meist zu Recht) die ihr angebotenen Rollen nicht angemessen fand für ihr Talent. "Solange Du in unserem Metier nicht als Monster wahrgenommen wirst, bist Du noch kein Star."

Spätestens mit "Jezebel" änderte sich die Lage. Das Südstaaten-Melodram war eigens als Trostpflaster für Davis konzipiert, weil sie die begehrte Rolle der Scarlett O'Hara in "Vom Winde verweht" nicht bekommen hatte. Es folgten wunderbare Auftritte etwa in "Dark Victory" (1939), "The Little Foxes" (1941), "All About Eve" (1950) - und nach einem Karriereknick vor allem wieder in "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" (1962). Gerade in ihren Altersrollen brachte sie Sarkasmus, Selbstironie und Wahnsinn ungeheuer dicht zum Ausdruck.

Dramatisch auf der Leinwand und im Privatleben

Sich selbst und anderen hat Davis dabei nichts geschenkt. "She did it the hard way" - "Sie nahm den harten Weg", steht auf ihrem Grabstein. Vor allem die spektakuläre Dauerfehde mit Schauspielkollegin Joan Crawford ging in die Filmgeschichte ein. "Joan hat mit jedem männlichen Metro-Goldwyn-Mayer-Star geschlafen - außer mit Lassie", ätzte sie einmal. Und nach der legendären Zusammenarbeit in "Baby Jane" erzählte sie gern, der Regisseur habe für den Film "alte Schachteln" gesucht.

Privat verlief das Leben der Leinwandgöttin so dramatisch wie viele ihrer Filmgeschichten. Sie war vier Mal verheiratet. Ein Mann starb, von den anderen ließ sie sich scheiden - "keiner war Manns genug, Herr Bette Davis zu werden", befand sie. Der einzige, dem sie das zutraute, ihre große Liebe William Wyler, weigerte sich, für sie seine Frau zu verlassen. Schmerzhaft war für Davis auch, dass ihre Tochter Barbara Hyman, die Älteste unter ihren drei Kindern, ein Buch über sie veröffentlichte, in dem sie als Rabenmutter dargestellt wird. "Wenn Dich deine Kinder nie gehasst haben, bist Du nie eine gute Mutter gewesen", verteidigte sie sich.

Das eigene Altern hat Davis als "Massaker" empfunden. Mit 75 erlitt sie einen Herzinfarkt, später erkrankte sie an Brustkrebs, wenige Tage nach der Operation traf sie ein Schlaganfall. Ihren letzten großen Auftritt hatte sie 1986 in Lindsay Andersons "Whales of August". Als sie im Oktober 1989 noch einmal beim San Sebastian Film Festival einen Preis annahm, war sie schon so schwach, dass sie nicht mehr heimreisen konnte. Sie starb am 6. Oktober 1989 mit 81 Jahren in Paris. Ihre Autobiografie trägt den bezeichnenden Titel "The Lonely Life" - "Ein einsames Leben".

Von Nada Weigelt, dpa