Unterhaltung

"Goldfinger" und Pussy Galore Der glänzende Auftritt von James Bond

imago61592504h.jpg

Kleines Schäferstündchen gefällig? Sean Connery als Bond und Shirley Eaton als Jill Masterson.

(Foto: imago/United Archives)

Mitsprechen kann man diesen Film, Szene für Szene. Er gilt als der beste Bond aller Zeiten. "Goldfinger", der vor 50 Jahren in die deutschen Kinos kam, ist eine Legende. Warum eigentlich?

Kein Gegenspieler war fieser, kaum ein Song bohrte sich tiefer ins Gedächtnis, kein Bondgirl hatte einen besseren Namen und nie war eine Leiche glänzender als in "Goldfinger". Das dritte Kinoabenteuer von James Bond startete vor genau 50 Jahren in den westdeutschen Kinos - und gilt vielen Fans des britischen Agenten, hier zum dritten Mal dargestellt von Sean Connery, bis heute als das beste Abenteuer.

imago60158224h.jpg

Gert Fröbe als Goldfinger und Harold Sakata als dessen Assistent Oddjob.

(Foto: imago stock&people)

Das beginnt schon beim Titelsong. Wenn Shirley Bassey anhebt und "Goldfinger, he's the man, the man with the midas touch" singt, dann vibriert die Leinwand oder zumindest die Boxen des Fernsehers. Eine glänzende Hand zeigt sich im Vorspann, dann goldene Arme und Beine - eine Anspielung auf die später in Gold gehüllte Leiche von Jill Masterson (Shirley Eaton). Sie ist ein Opfer von Auric Goldfinger. Der Schurke wird glänzend verkörpert von Gert Fröbe, dessen Stimme aber im englischen Original synchronisiert wurde.

"Ich erwarte von Ihnen, dass Sie sterben"

Gold fasziniert den Milliardär. "Mein ganzes Leben lang habe ich seine Farbe geliebt, seinen Glanz, seine göttliche Schwere", sagt Goldfinger. Und: "Mir ist jedes Unternehmen willkommen, das meinen Vorrat vergrößert." So verwundert es nicht, dass der Supergangster die US-amerikanischen Goldreserven von Fort Knox radioaktiv verseuchen will, um den Wert der eigenen Bestände zu erhöhen.

*Datenschutz

Doch nicht seine Gier nach Reichtum macht Goldfinger so faszinierend. Es ist seine kühle, skrupellose und zynische Art. Die Szene, in der 007 auf eine Platte gefesselt ist und durch einen Laserstrahl getötet werden soll, gehört zu den besten der gesamten Filmreihe. "Erwarten Sie von mir, dass ich rede?", fragt der Agent, während sich der Laserstrahl immer weiter seiner Körpermitte nähert. "Nein, Mister Bond. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie sterben", lautet die legendäre Antwort Goldfingers.

In dem reichen Gangster hat Bond einen ebenbürtigen Gegner gefunden. Er ist klüger als viele Schurken, denen 007 noch begegnen wird. In diesem Film hängt Bonds Leben tatsächlich am seidenen Faden, er ist seinem Gegenspieler völlig ausgeliefert. Das liegt auch an dessen Mann fürs Grobe: Oddjob (Harold Sakata, der 1948 eine olympische Silbermedaille im Gewichtheben gewann). Der massige Bodyguard lässt seine Fäuste sprechen - oder wirft seine scharfkantige Melone durch die Gegend.

imago61592505h.jpg

Eine Szene für die Ewigkeit: Bond und Goldfinger tauschen Nicklichkeiten aus.

(Foto: imago/United Archives)

Dass 007 doch noch entkommt, verdankt er dann natürlich einer Frau. Als sich die Chefpilotin des Gangsters als Pussy Galore (Honor Blackman) vorstellt, hat Bond nur eine Antwort: "Ich träume wohl." Wobei im Drehbuch noch die Antwort stand: "Ich weiß, aber wie ist Ihr Name?" Doch selbst die in vielerlei Hinsicht schlagfertige Gangsterbraut erliegt schließlich dem Charme des Mannes mit der Lizenz zum Töten. Sie wird zum Bondgirl und gemeinsam nehmen sie den Kampf gegen Goldfinger auf.

Chic und Zynismus

Der Film von Regisseur Guy Hamilton hat etliche legendäre Szenen und Bilder hervorgebracht. Nicht nur die Goldleiche und den Lasersrahl. Auch der Schleudersitz von Bonds Wagen - ein mittlerweile ebenfalls klassischer Aston Martin DB5 -, der Angriff auf Fort Knox und der finale Kampf im Inneren des riesigen Tresors sind unvergesslich. Auch dank der Bauten des legendären Designers Ken Adams.

21087985.jpg

Ebenfalls legendär: Bonds Auto, ein Aston Martin DB5. Nach Start des Films stiegen die Verkäufe um 50 Prozent

(Foto: picture alliance / dpa)

Und doch sind es vor allem die Figuren, die "Goldfinger" auszeichnen. Sie strahlen den Chic der frühen 60er-Jahre aus, der Swinging Sixties. Gleichzeitig offenbaren sie aber auch eine ungemeine Kälte und Zynismus. Geht es in den beiden vorherigen Filmen noch um romantische Verbindungen von Bond - mit Honey Ryder und Tatiana Romanova - fehlt dieses Element hier ganz.

Bond hat eine kurze Affäre - doch Jill Masterson wird danach knallhart getötet. Ihrer Schwester Tilly (Tania Mallet) ergeht es nicht besser. Und Pussy Galore weiß sich durchaus zu wehren, gegen den Macho 007. Wobei Darstellerin Blackman übrigens mit 39 Jahren das bis heute älteste Bondgirl ist.

"Blaupause für seine Nachfolger"

Stärker als "Dr. No" und "Liebesgrüße aus Moskau" war "Goldfinger" stilprägend für die Reihe, wurde als "Blaupause für seine Nachfolger" bezeichnet. Der übermächtig scheinende Superschurke, sein starker, unbesiegbarer Handlanger und das Bondgirl, das für Bond nichts weiter als eine kurze Affäre ist - das alles findet sich mehr oder weniger auch in späteren Abenteuern des Agenten.

Auch in Sachen Marketing setzte "Goldfinger" Maßstäbe. Zum Film gab es Sammelkarten, Puzzle, Actionfiguren, Brotbüchsen und Miniaturmodelle des Aston Martin. Firmen lizensierten Kleidung und Schuhe, die im Film getragen wurden. James Bond etablierte sich nicht nur als Filmheld, sondern auch als weltweite Verkaufsmarke.

Und doch macht "Goldfinger" noch ein anderer Aspekt so zeitlos: Gold. Die Faszination des Edelmetalls beschäftigt Autoren und Künstler seit Jahrtausenden. Der Film spielt damit - bis hin zum Vornamen des Titelschurken und seinem Autokennzeichen. So wie Gold ist auch der Film: glänzend und zeitlos modern. Nur Bond-Erfinder Ian Fleming erlebte diesen Erfolg nicht mehr. Er starb kurz vor der Premiere.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema