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Eigentlich ist Prinz Frederic von bürgerlicher Herkunft. Er ließ sich als Erwachsener von der verarmten Schwiegertochter Kaiser Wilhelms II adoptieren.
Eigentlich ist Prinz Frederic von bürgerlicher Herkunft. Er ließ sich als Erwachsener von der verarmten Schwiegertochter Kaiser Wilhelms II adoptieren.(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Donnerstag, 22. April 2010

Mit Fantasieuniform und Marihuana: Ein Prinz will Gouverneur werden

Kein PR-Gag: Prinz Frederic von Anhalt will Kalifornien retten - mit Prostitution und Marihuana. Das zaubere ein Lächeln auf die Gesichter und spüle Geld in die Kassen.

Kaliforniens Wähler hatten schon immer ein Herz für schillernde Selbstdarsteller. Zwei Mal wählten sie den Muskelprotz Arnold Schwarzenegger zum Gouverneur. Auch dem Hollywood-Schauspieler Ronald Reagan hatten sie ins Gouverneursamt verholfen. Schwarzenegger tritt zum Jahresende ab - und Prinz Frederic von Anhalt macht sich für die Nachfolge bereit. Jetzt will der deutsche Adoptiv-Aristokrat, der seit mehr als 20 Jahren als achter Ehemann an der Seite von Hollywood-Diva Zsa Zsa Gabor in Kalifornien lebt, offiziell seinen Wahlkampf für das Gouverneursamt beginnen.

Etwa 30 Wahlhelfer sollen durch Kalifornien reisen, um Unterschriften für Prinz Frederic zu sammeln. Nur wenn er bis zum 26. Juni 10.000 Unterschriften einreicht, erkennt die Wahlkommission seine Kandidatur für die Abstimmung am 2. November an. "In diesem großartigen Land ist alles möglich!", feuert der Prinz die Untertanen in seinem Wahlaufruf an. "Jetzt ist es Zeit für einen Deutsch-Amerikaner, diesen Staat zu führen." Der Österreicher Schwarzenegger habe Kalifornien schließlich an den Rand der Pleite geführt.

Der Schlagzeilen-Prinz

In seinem Wahlprogramm hat Frederic unter dem Prinzen-Wappen von Anhalt ein buntes Sammelsurium von Vorschlägen zusammengestrickt. Der Prinz will in Kalifornien Prostitution und Marihuana legalisieren und besteuern lassen. "Wir könnten damit unsere Haushaltslöcher schließen und zudem noch ein Lächeln auf jedes Gesicht zaubern", verspricht er. Frederic will außerdem die Grenze zu Mexiko für Gastarbeiter öffnen, die Homo-Ehe erlauben und das gesetzliche Mindestalter für Alkoholkonsum von 21 auf 18 Jahre senken.

Charmeoffensive: Frederic schickt sich an, Schwarzeneggers Nachfolger zu werden.
Charmeoffensive: Frederic schickt sich an, Schwarzeneggers Nachfolger zu werden.(Foto: dpa)

Nicht ausdrücklich als Wahlziel angeführt ist die Befriedigung von Geltungsdrang. Während sich regierende Monarchen mit Krone und Zepter schmücken, ziert sich Frederic gerne mit Schlagzeilen. In den 1980er Jahren heiratete er die betagte Diva Zsa Zsa Gabor, die inzwischen 92 Jahre zählt und im Falle eines Wahlsiegs zu Kaliforniens ältester First Lady würde. 2007 gab er öffentlich vor, der Vater des Babys des jung verstorbenen Fotomodells Anna Nicole Smith zu sein. Im gleichen Jahr traf ihn die Polizei von Los Angeles entkleidet und mit Handschellen ans Lenkrad gefesselt in seinem Rolls Royce an. Der Prinz berichtete, von drei Frauen überfallen worden zu sein.

Kein PR-Gag

Derlei Skandalgeschichten sind zumindest in Kalifornien kein Hinderungsgrund für eine politische Karriere. Im Februar kündigte Frederic an, als Gouverneur kandidieren zu wollen. Die Ankündigung bestand in erster Linie aus der Enthüllung eines Plakats am Sunset Boulevard in Hollywood, das den in eine Fantasieuniform gekleideten Kandidaten in aristokratischer Pose zeigt.

Dabei ist Frederic von bürgerlicher Herkunft. Den Adelsnamen erwarb er, indem er sich als Erwachsener von der verarmten Schwiegertochter Kaiser Wilhelms II adoptieren ließ. Das dürfte kein Nachteil sein in einem Land wie den USA, die 1776 in der Rebellion gegen die britische Krone geboren wurden und ihre antimonarchistischen Traditionen bis heute pflegen. Im Fall seiner Wahl werde er sich vom Volk als "Gouverneur" anreden lassen und nicht etwa als "Prinz", verriet Frederic in einem Interview mit dem kalifornischen Lokalsender KCRA.

Als PR-Gag will Frederic seine Kandidatur keineswegs verstanden wissen. Er beruft sich vielmehr auf ein politisches Erweckungserlebnis vor einem Vierteljahrhundert im Weißen Haus. Der schillernde Prinz wurde damals von Präsident Reagan bei einem Empfang in Washington begrüßt. "Am Ende des Gesprächs lächelte der Präsident und sagte: 'Fred, Du weißt viel über Politik. Du solltest mal für ein Amt kandidieren'", berichtet Frederic. Auf seiner Internetseite dokumentiert der Prinz das Treffen mit Fotos, die ihn an Reagans Seite zeigen.

Quelle: n-tv.de