Unterhaltung
Die Schauspielerin Eva-Maria Hagen im Jahr 1985.
Die Schauspielerin Eva-Maria Hagen im Jahr 1985.(Foto: imago stock&people)
Sonntag, 19. Oktober 2014

Ninas Mutter, Biermanns Frau: Eva-Maria Hagen, die "Bardot der DDR"

17 Jahre jung ist Eva-Maria Hagen, als sie unter Bertolt Brecht am Berliner Ensemble debütiert. Gerade noch hat sie ihre Maschinenschlosserlehre geschmissen, da kennt man sie bereits als "Brigitte Bardot der DDR". Jetzt wird sie 80 Jahre alt.

"Wir haben uns alle sehr lieb", antwortet Eva-Maria Hagen auf die Frage, wie sie die Künstler-Familie Hagen beschreiben würde, "auch wenn wir alle sehr unterschiedlich sind": Ihre 59-jährige Tochter Nina gilt als Ikone der Punk-Bewegung, machte als Sängerin und TV-Jurorin Schlagzeilen. Die 33-jährige Enkelin Cosma Shiva ist Schauspielerin und Galeristin. Und auch Mutter und Oma Eva-Maria, die am 19. Oktober 2014 ihren 80. Geburtstag feiert, blickt auf eine bewegte Karriere zurück.

Auch wenn sie grundverschieden sind, Nina, Cosma Shiva und Eva-Maria Hagen (v.l.) verstehen sich blendend.
Auch wenn sie grundverschieden sind, Nina, Cosma Shiva und Eva-Maria Hagen (v.l.) verstehen sich blendend.(Foto: picture alliance / dpa)

In der DDR als Filmstar und Musical-Darstellerin gefeiert, lernte Eva-Maria Hagen 1965 den Liedermacher Wolf Biermann kennen und wurde bis zu ihrer Ausbürgerung von der Staatssicherheit überwacht und wegen Staatsverleumdung angeklagt. 1977 folgte sie dem Ex-Lebensgefährten nach Hamburg, wo sie heute immer noch lebt. An ihrem runden Geburtstag wollen alle Hagens im Literaturhaus-Café an der Alster zusammenkommen. "Mein größter Wunsch ist, dass alles harmonisch abläuft", meint die Jubilarin, die mit ihrer Tochter und ihrer Enkelin gerade den neuen "Biene Maja"-Film synchronisiert hat.

Paraderolle: "Busenbetonte Blondine"

Freunde aus Berlin werden vorbei kommen, vielleicht auch Marie Biermann, die Tochter von Wolf Biermann, mit der sie gemeinsame Liederabende veranstaltet hat. "Mir liegt sehr am Herzen, diesen umfangreichen Liederschatz, den ich mir während meiner Laufbahn einverleibt habe, der jungen Generation ans Herz zu legen", meint die zierliche Frau mit den weichen Gesichtszügen.

Eva-Maria Hagen 1967 beim Moskauer Filmfestival.
Eva-Maria Hagen 1967 beim Moskauer Filmfestival.(Foto: imago stock&people)

Aufgewachsen im mecklenburgischen Perleberg, zog es Eva-Maria Hagen bald in die Großstadt und ans Theater - bereits mit 17 Jahren debütierte sie am Berliner Ensemble unter der Regie von Bertolt Brecht. Ein Jahr zuvor hatte sie die Maschinenschlosserlehre abgebrochen und ein Schauspielstudium begonnen.

Die DEFA-Filmkomödie "Vergesst mir meine Traudel nicht" machte die Künstlerin 1957 populär - inzwischen Mutter von Tochter Nina aus der Ehe mit Schriftsteller Hans Oliva-Hagen. Bis 1965 wirkte Eva-Maria Hagen in rund 50 TV- und Kino-Filmen mit. Von Natur aus dunkelhaarig, musste sie meist in die Rollen von busenbetonten Blondinen schlüpfen, was ihr bald den Titel "Brigitte Bardot der DDR" einbrachte.

Berufsverbot für die Aufmüpfige

Die Begegnung mit Liedermacher Wolf Biermann 1965 veränderte ihr Leben, privat wie beruflich. "Er war einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben." Als sie 1976 gegen Biermanns Ausbürgerung öffentlich protestierte, entließ man sie fristlos und belegte sie mit Berufsverbot. In ihrem Buch "Eva und der Wolf", das 1998 erschien, publizierte sie auch Stasi-Protokolle über das Paar. "Es machte mich depressiv, als ich sah, dass Freunde, denen ich vertraut hatte, der Stasi die intimsten Dinge berichteten."

Heute beschreibt sie ihr Verhältnis zu Biermann als "locker". "Wenn wir uns auch selten sehen, ist er mir im Herzen nie abhandengekommen. Außerdem singe ich oft seine Lieder, ohne die mein Leben ärmer und düsterer gewesen wäre", sagt Hagen. Nach der Wende drehte Hagen wieder Filme in Babelsberg in Potsdam, steht als "Medea" oder "Mutter Courage" auf der Bühne oder sang Brecht-Lieder. Auch im Fernsehen und Kino sah man die vielseitige Künstlerin, zuletzt in Komödien wie "Dinosaurier - gegen uns seht ihr alt aus!" von 2009 oder Dramen wie "Lore" von 2012.

Im vergangenen Jahr sorgte die Schauspielerin für Schlagzeilen, als ihre Beziehung zum 2003 verstobenen Dramatiker Peter Hacks bekannt wurde - indem sie ihre Liebesbriefe veröffentlichte. Auch ihre Autobiografie "Eva jenseits vom Paradies" von 2006 über ihre jungen Jahre wurde im Rotbuch Verlag neu aufgelegt. Ein Geschenk hat sie sich zum Geburtstag selbst gemacht: Auf der CD "Ach, lass uns wieder gut sein" singt sie "Jiddische Lieder", zusammen mit ihrem Freund, dem Pianisten Siegfried Gerlich.

Quelle: n-tv.de