Unterhaltung
Dienstag, 16. Februar 2010

"Im Angesicht des Verbrechens": Grafs Fernsehserie feiert Kinopremiere

Die Berlinale geht gern neue Wege. Nicht verwunderlich ist deshalb, dass Dominik Grafs Serie "Im Angesicht des Verbrechens" vor der Fernsehausstrahlung ins Kino kommt - acht Stunden dauert die Vorführung.

Es ist Dominik Grafs erste eigene Fernsehserie, doch ihre Premiere feiert sie im Kino. Die Berlinale-Zuschauer können am Wochenende acht Stunden lang "Im Angesicht des Verbrechens" verbringen und in die Szene der Russenmafia eintauchen. Zur Besetzung gehören Marie Bäumer, Misel Maticevic und Max Riemelt. Das Filmfestival greift damit einen Trend auf: Serien wie "Sex And The City", "24" und "Mad Men" gucken Fans häufig in einem Rutsch durch. Bei den je vierstündigen Vorstellungen an zwei Tagen im Delphi-Kino wird sich zeigen, ob die Produktion einen ähnlichen Suchtfaktor entwickelt.

Misel Maticevic und Marie Bäumer leben im "Im Angesicht des Verbrechens".
Misel Maticevic und Marie Bäumer leben im "Im Angesicht des Verbrechens".(Foto: dpa)

Die Serie sei "ein nicht abreißender Strom von Geschichten, ein großes Epos", verspricht der Leiter der experimentierfreudigen Berlinale-Reihe Forum, Christoph Terhechte. Schauplatz des Familiendramas um organisiertes Verbrechen ist das russisch-jüdische Milieu von Berlin.

"Die Klischees anders erzählen"

Bei den Dreharbeiten im Jahr 2008 erzählte Graf ("Die Katze", "Die Sieger"), es reize ihn, zu zeigen, dass Deutschland ein Schmelztiegel der Kulturen sei. Und er wolle das Motiv der Familie in vielen Facetten beleuchten. Graf weiß, dass Fallstricke lauern. "Man muss die Klischees anders erzählen." Bei der Berlinale war der Filmemacher schon mit "Der Felsen" und "Der rote Kakadu" vertreten - mit unterschiedlichem Echo.

Bei der Serie lief nicht alles rund. Der Achtteiler hatte den Produzenten, die Kölner Firma Typhoon AG mit ihrem Geschäftsführer Marc Conrad, in die Insolvenz gezwungen. Das Projekt, Auftraggeber war der Westdeutsche Rundfunk, konnte dennoch fertiggestellt werden. Im Fernsehen soll die Serie ab April ausgestrahlt werden, in Doppelfolgen und mit Making-of.

Gewissensnöte und Zwangsprostitution

Und darum geht es: Der Polizist Marek Gorsky (Riemelt), Sohn baltisch-jüdischer Einwanderer, wird mit seinem Kollegen Sven Lottner (Ronald Zehrfeld) zu einer Razzia angefordert. Für Gorsky persönlich ist es heikel. Die Ermittlungen landen beim Restaurant "Odessa", das Mischa (Maticevic), dem Ehemann seiner Schwester Stella (Bäumer), gehört. Das bringt den jungen Beamten in Gewissensnöte.

Ein weiterer Handlungsstrang führt in die Ukraine, wo zwei Frauen nach Berlin gelockt werden, um sie dort zur Prostitution zu zwingen. Gorsky wird zudem von einem alten Trauma eingeholt: Sein Bruder wurde ermordet, der Täter nie gefasst.

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Quelle: n-tv.de