Bei "Let’s Dance" wird's spannend Heiße Traumtänzer und wilde Tango-Luder

Liveshow Nummer sechs: Llambi motzt, Motsi will in eine Nervenklinik eingeliefert werden und Jorge sieht überall brasilianisches Feuer. Beim "Movie Special" fegen die fünf übriggebliebenen Paare zu Filmsongs übers Parkett.
Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, da ging ein Raunen durch die deutsche Medienlandschaft, weil die Geissens in die Promi-A-Liga aufgestiegen waren und neben den anderen Reichen und Berühmten auf dem "Wetten, dass..?"-Sofa lümmelten, ohne dass sich einer erklären konnte, wie sie da auf einmal so schnell hingekommen waren. Und natürlich gab es Unkenrufe und Häme, dass die Geissens ja überhaupt gar keine richtigen Promis seien und sich den Promistatus einfach selbst verliehen hätten. Doch spätestens mit "Let’s Dance" besteht kein Zweifel mehr daran, dass zumindest Frau Geiss sich diesen Status mit Schweiß, Blasen und hartem Training erkämpft hat. Außerdem, und das kann man an dieser Stelle ja ruhig mal sagen, hat sie mindestens so viel Unterhaltungswert wie ein gut gemachter Steven-Segal-Movie. Und damit sind wir schon beim Motto der sechsten Liveshow der Promi-Tanz-Parade. Filmsongs standen auf dem Programm.
Von Anfang an spürte der Zuschauer, dass die wenigen verbliebenden Paare nicht mehr so locker und flockig wirkten, wie noch in den Shows der vergangenen Wochen. Der Druck steigt enorm. Es gilt jetzt nämlich langsam, um es mit den Worten von Joachim Llambi, der sich nebenbei auch als James Bond von "Let’s Dance" outete, die "Spreu vom Weizen" zu trennen.
Schöner Popo-Wackler samt Kopfchaos
Die kölsche Frohnatur Carmen wollte beweisen, dass sie gekonnt in die unterschiedlichsten A-, B-und C-Rollen schlüpfen kann. Diesem Anspruch folgend mimte sie erst die "Pretty Woman" und danach das heiße Tango-Luder. Pretty Carmen tanzte mit ihrem Christian zuerst eine Rumba zu Fallen (aus dem wohl bekanntesten Prostituierten-Film aller Zeiten) von Lauren Wood. Als Kür gab sie die "Lady in Red" mit einer Mischung aus Drama und Gefühl. "Der Mann, den sie Jorge nannten", fand, dass sie zwar schön mit "de Popo" gewackelt-, ihr das Feuer aber gefehlt habe.
Auch Pretty Motsi war der Meinung, dass Carmens Tanz, ein "Kampf zwischen guten und schlechten Moves" darstellte oder sich jenseits von Gut und Böse befand. So genau hat man das in ihrer leicht überdrehten Erklärung nicht mehr verstanden. Als Tango-Luder glänzte Carmen zum Pussycat Dolls Song "Perhaps, Perhaps, Perhaps" aus "Brokeback Mountain" - den Moderator Hartwich gleich mal zu "seinem und Jorges Lieblingsfilm" erklärte. Motsi fand, dass Carmen nun "endlich angeschaltet" war. "Oben zwar etwas ruhig und unten zu unruhig", aber nichts desto trotz: Angeschaltet! Vollkommen unverständlich, dass Llambi von Carmens Performance "weder gerührt noch geschüttelt" war und ihr das Tango-Luder einfach nicht so recht abkaufen wollte.
Unsortierte Beine, fehlende Hüften und purer Expressionismus
Beim großen "Movie Special", bei dem sich die fünf letzten Promis doppelt beweisen und zwei Tänze hintereinander präsentieren mussten, verwandelte sich die Tanzfläche in eine große Kinoleinwand. Ungeachtet dessen hatte die gefühlvolle Tanja anfangs Sorge, ihre Arme und Beine zu sortieren. Totales Kopfchaos bei der Eiskunstläuferin, aber ihrem Tanzpartner, dem schelmischen Willi, gelang es, Frau Szewczenko zu beruhigen. Die Beiden tanzten einen charismatischen Cha-Cha-Cha zu "The Shoop Shoop Song ("Meerjungfrauen küssen besser") von Cher. Obschon Enthusiast Jorge voller Lob war, fand Motsi, dass der blonden Dance-Machine "etwas die Hüfte fehlte". Und schließlich hatte James Llambi, der, so Hartwich "immer erst guckt, dann denkt und dann spricht", auch noch an Tanjas Körpergewicht zu mosern. Obwohl also nur Sprachtalent Jorge allein es war, der die "rhythmische Kopfaktion" des Paares huldige, legten sie die Messlatte dennoch weit nach oben.
Beim zweiten Tanz, einem Contemporary zu "Rule The World" ("Der Sternwanderer") von Take That fegte die kleine blonde Gazelle im weißen Gymnastikanzug das Publikum tanzend von den Stühlen. Hartwich, der auch in dieser Woche wieder mit sensationellen Überleitungen glänzte, freute sich ins Fäustchen, als Motsi nach der beeindruckenden Performance lobend bemerkte, dass "Tanja endlich überall offen war". "Das Gesicht war offen, das Herz war offen - es war einfach "die beste Leistung des Abend" oder wie Expressionist Jorge expressionistisch anmerkte: "Tanjas Tanz war Expressionismus pur".
Fisch, Katze, Schlange - Meine Choreo hat Tiernamen
Wieder was gelernt haben wir auch von der zuckersüßen Lilly Becker. Die sympathische Holländerin, die mit Tanzpartner Erich einen Tango zu "Assassin's Tango" ("Mr. & Mrs. Smith") von John Powell tanzte, hatte immer ein bisschen Problemchen, sich die Choreo zu merken. Vor, zurück, links, rechts, Drehung. Wer soll sich das denn auf die Schnelle auch alles behalten? Deshalb gab die Lilly den einzelnen Schritten einfach Tiernamen. Fisch, Katze, Flamingo, Schlange. (Schlange ist, wenn sie sich um Erich rumwickeln muss). Mister Llambi fand, Lilly gab dieses Mal geglückte 110 Prozent, Miss Motsi rief ein entzücktes "Wow" und "Mister and Misses Jorge" sah "Passion pur". Statt Passion pur war Lilly bei ihrem zweiten Tanz, einer Samba zu "It Had Better Be Tonight" ("Pink Panther") von Michael Bublé aber plötzlich nur noch "müde". Ihre Füße flogen irgendwo hin, Motsi fand’s afrikanisch wild und Jorge fühlte sich wie in Brasilien.
Lady Larissa, die in der vorletzten Show von Llambi noch derbe kritisiert wurde, lieferte in dieser Woche ordentlich ab. Mit Massimo legte sie einen Paso Doble zu "Malagueña" ("Irgendwann in Mexiko") auf das Parkett, der so leidenschaftlich war, dass die Halle bebte. Endlich konnte sie ihre Aggressionen rauslassen. Llambi fand’s gut. Aus einem gelangweilten österreichischen Model wurde eine aufmerksame Larissa, die bewies, dass es durchaus was bringen kann, wenn man sich kontinuierlich den "Popo aufreißt" und dabei nicht immer so verbissen ist.
Mr. Bombe und die Angst vor der Anstalt
Auch Alexander Klaws, nennen wir ihn der Bescheidenheit halber einfach "Mister Bombe" überzeugte mit Tanzpartnerin Isabel mit einem Tango zu "On This Night Of A Thousand Stars" ("Evita") von Jimmy Nail. Diese Schritte, diese Energie! Jorge fand Alex' Performance "Wahnsinn", weil bei ihm "einfach alles so von innen" kommt. Und damit wären wir auch schon beim Stichwort, denn Motsi kämpft bei Alex' Anblick inzwischen wöchentlich mit der Angst, in eine Anstalt eingeliefert zu werden. Sie flippt nämlich einfach aus, wenn sie den Klaws tanzen sieht. "Alex, du bist mein Traumtänzer", sagte sie, worauf Llambi treffend konterte: "Du, das ist jetzt aber gefährlich! Ein Traumtänzer ist eigentlich etwas ganz anderes." Und so wurde Alex für Motsi vom "Traumtänzer", zum "Traum von einem Tänzer" bis hin zum Trauma-Tänzer. Sie habe eigentlich auch noch viel mehr zu sagen, "aber der Deutsch, der stört".
Auch im heißen Schlafdress konnte Alex mit dem Contemporary zu "I See Fire" ("Der Hobbit") überzeugen. Hartwich stellte berechtigterweise die Frage aller Fragen: "Sag mal, hast du denn nie Angst, mal so richtig zu verkacken?" Alex legte sein Schwiegermutter-Lächeln auf und antwortete artig, dass er "natürlich Angst habe und sich auf der Bühne immer sehr sehr nackt fühle", was Motsi erneut vor Verzückung strahlen ließ.
Am Ende war es Lilly Becker, der schöne Samba-Schwan im pinken Federdress, die ihre Tanzkleidchen künftig in der Kommode lassen muss. Und da waren es nur noch Vier.