Schau' immer auf die Sonnenseite"Monty Python" Eric Idle wird 65
Mit dem weltbekannten Hit "Always look on the bright side of life" schrieb Idle den Song für unverbesserliche Optimisten - und eine Überschrift für sein eigenes Leben.
Mit ihren Witzen streiften die britischen Komiker von "Monty Python's Flying Circus" oft die Grenze des guten Geschmacks. Unvergessen bleibt die Abschlussszene der Bibelfilm- Parodie "Das Leben des Brian": Bei einer Massenkreuzigung stimmen die Opfer den Song "Always look on the bright side of life" ("Schau immer auf die Sonnenseite des Lebens") an. Mit dem weltbekannten Hit schrieb Monty-Python-Komiker Eric Idle den Song für unverbesserliche Optimisten - und eine Überschrift für sein eigenes Leben. Am Samstag (29. März) wird das Multitalent 65 Jahre alt.
An mehr als 50 Filmen hat Idle als Autor, Synchronsprecher oder Schauspieler mitgearbeitet. Unvergessen sind "Die Ritter der Kokosnuss" (1975) und "Das Leben des Brian" (1979), in denen er in zahlreiche Rollen schlüpfte. Idles Sketche bei der Monty-Pythons- Truppe zeichneten sich vor allem durch Sprachwitz aus. Viele seiner Charaktere haben sprachliche Eigenarten: sie sprechen in Anagrammen, sagen die Wörter in falscher Reihenfolge oder wechseln ständig zwischen höflichen und Fäkal-Floskeln.
Internat machte ihn zum Komiker
Eric Idle wurde 1943 in der Hafenstadt South Shields im Nordosten von England geboren. Schon früh lernte er die Schicksalhaftigkeit - oder auch Ironie - des Lebens kennen: Sein Vater, Flieger der königlichen Luftwaffe, überlebte den Zweiten Weltkrieg und starb an Heiligabend 1945 bei einem Unfall. Später sagte Idle, seine erste Erinnerung sei eine weinende Mutter an Weihnachten. Weil seine Mutter mit der Erziehung überfordert war, schickte sie Idle in ein Internat. Zwölf Jahre blieb er dort: "Für Mord bekommt man weniger", sagte er später einmal. Seine ersten 19 Jahre seien hart gewesen, aber sie hätten ihn zum Komiker gemacht.
Die Langeweile in der Schule trieb ihn zu guten Leistungen - so gelang es ihm, einen Studienplatz in Cambridge zu ergattern, behauptet Idle. Er studierte Englisch und wurde Mitglied im Comedy- Club "Cambridge Footlights". Nach dem Studium arbeitete Idle als Stand-Up-Komiker und Schreiber für Fernsehen und Radio. Mit 26 Jahren wurde er 1969 eines der sechs Mitglieder der neuen BBC-Show "Monty Python's Flying Circus". Mit ihrem schrägen Humor wurde die Truppe weltberühmt.
"Die Ritter der Kokusnuss"als Musical
Nach der Auflösung der Komiker-Gruppe arbeitete Idle als Radio- Moderator, Sketch-Schreiber, verfasste mehrere Bücher, trat in Fernseh- und Kinofilmen sowie verschiedenen Theatern auf und synchronisierte Zeichentrickfilme. Dennoch wurde ihm lange vorgeworfen, der einzige Python zu sein, der sich an den vergangenen Erfolgen festhielt, während die anderen sich weiter entwickelten. Sein jüngster Erfolg strafte die Kritiker Lügen: die Musical-Adaption des Klassikers "Die Ritter der Kokosnuss" feierte 2005 Premiere und läuft seitdem erfolgreich in London, Las Vegas und am New Yorker Broadway.
Idle lebt mit seiner zweiten Frau, dem Ex-Model Tania Kosevich, und seiner 18-jährigen Tochter in Kalifornien. "Ich liebe es, ein alter Komiker zu sein. Es ist wie bei alten Fußball- oder Basketballspielern: Du bist in der "Hall of Fame" und das ist toll, aber du stehst nicht mehr selbst im Rampenlicht", sagt er. "Ich fürchte mich nicht vor dem Tod. Ich bin sehr glücklich, ein langes, glückliches Leben gelebt zu haben."
Tod nach Alphabet
Überhaupt gebe es für ihn noch keinen Grund, über den Tod viel nachzudenken: "Da Graham Chapman als erster gestorben ist und die Python-Mitglieder immer in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet wurden, gehen wir eigentlich davon aus, dass wir auch so abtreten werden", sagte er in einem Interview. Bis dahin hat er noch Pläne: "So lange ich auf ehrliche Weise an der leichtgläubigen, nach Python dürstenden Öffentlichkeit Geld verdienen kann, werde ich in lächerlichen Kutten anzügliche Lieder singen."
Von Oliver Hollenstein, dpa