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Willkommen im "Beerland"! Ein Ami mit Bierdurst auf Spurensuche

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Ja, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten war der Bierdurst früher auch noch größer.

(Foto: Movienetfilm)

Ein kühles Blondes, ein Helles, ein Dunkles, ein Schwarzes: Nicht nur den meisten Deutschen läuft jetzt das Wasser im Mund zusammen. Auch Matt Sweetwood, US-Amerikaner, liebt deutschen Gerstensaft. Grund genug, die Bierkultur hierzulande am eigen Leib zu untersuchen. Ein bierseliges Vergnügen!

Wenn es etwas gibt, worauf wir Deutschen stolz sein können, dann sind es unsere Autos, unser Sportler im Allgemeinen und die Fußballer im Besonderen und natürlich unser Bier. Das klingt nach klassischen Stereotypen und soll auch so sein. Dabei ist der Blick von innen heraus immer ein anderer als der von außen hinein. Das beweist der in Berlin lebende US-Amerikaner Matt Sweetwood mit seinem Dokumentarfilm "Beerland".

Jawohl, ein Film über deutsches Bier, über dieses güldene Getränk der Götter. Ein Film über ein deutsches Grundnahrungsmittel, über das flüssige Brot. "Die spinnen, diese Deutschen!", mag sich da manch ein kulturbeflissener Tourist denken. Diejenigen, die sich gerade wieder regelrecht durch die proppenvollen Bierzelte des Münchener Oktoberfestes saufen, denken das bestimmt nicht. Hier beginnt Sweetwoods Reise zur Erkundung der deutschen Bierkultur. Schuld daran sind seine Eltern, wer sonst.

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Matt (l.) auf dem Kölner Karneval: Bier trinken aus Whisky-Gläsern?

(Foto: Movienetfilm)

Die kommen aus dem puritanischen Missouri angereist, um einmal a uf dem Oktoberfest, der weltweit bekanntesten Feier rund ums Bier (so ihre Vorstellung) einfach mal eins zu trinken. Dass das wiederum kein einfaches Unterfangen ist, weiß jeder, der einmal versucht hat, zur Nachmittagszeit in ein Bierzelt auf dem Oktoberfest zu gelangen. Und so stehen die beiden typischen Ami-Touristen vor verschlossenen Toren und laufen staunend und mit offenem Mund durch die Massen, die sie anrempeln und stoßen. Sie sehen Betrunkene, Erbrochenes, Frauen in Dirndl und Männer in Lederhosen. Es ist laut, viel zu voll und mit den Fahrgeschäften rund um sie herum sieht es aus, als ob sie in einem Freizeitpark gelandet wären. "Die spinnen, diese Deutschen!"

Natürlich hat die erste Sequenz des Films ein Happy End: Die beiden gelangen doch noch irgendwie in ein Bierzelt und an eine zünftige Maß. Aber da geht das Staunen weiter: So große Biergläser? So viele Leute? So viel Bier? Was hat es nur mit diesen Deutschen und ihrem Bier auf sich? Das fragt sich eben auch ihr Sohn Matt und versucht dem Geheimnis der deutschen Bierkultur auf die Schliche zu kommen.

Von Kriegen und Königinnen

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Fesch sans: Mädl aus einer Hopfen-Dynastie bei der Ernte.

(Foto: Movienetfilm)

Seine Reise führt ihn in die Region Bamberg, die über die größte Brauereidichte der Welt verfügt (368 Anlagen). Er lernt den Kölner Ka rneval kennen, wo man das Bier, zugegebenermaßen ziemlich dünn, aus kleinen Whisky-Gläsern zu trinken scheint und jeder ein süffisantes Lächeln mit sich herumträgt. Es geht nach Berlin, wo die Eckkneipen-Kultur auf Matt wartet, mit Rentnern, die genüsslich bei einem Bier oder auch zweien ihren Tag Revue passieren lassen und auch schon mal über den türkischen Nachbar herziehen. Es sei alles nicht so gemeint, raunt die Wirtin dann Matt beschwichtigend zu.

Den lässt das kalt. Er ist nicht wegen möglicher Ausländerfeindlichkeit unterwegs, sondern wegen des deutschen Biers. Matt lernt auf seiner feuchtfröhlichen Entdeckungsreise die Kunst des richtigen Prostens und des Gesellschaftstrinkens. Er erfährt, dass die für den Bierkonsum bahnbrechende Erfindung des Kühlschranks einem Deutschen zu verdanken ist. Er schaut verdattert beim "Bierkrieg" im oberbayerischen Dorfen zu und hilft bei der Hopfenernte in der Hallertau - dort, wo ein Hopfenbauer erst ein stolzer Papa ist, wenn seine Tochter zur Hopfenkönigin gekürt wird.

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"Beerland" ist bei Movienetfilm als DVD und Blu-ray erschienen.

(Foto: Movienetfilm)

Der wissbegierige Amerikaner stellt fest, dass eine Hopfendolde nach Pot riecht (vielleicht deshalb, weil der Hopfen zu den Hanfgewächsen gehört?!). Und natürlich besucht Matt auch ein Schützenfest, das der Wildeshausener Schützengilde. Er marschiert dort zum ersten Mal in seinem Leben - und dann auch gleich noch Seite an Seite mit Deutschen. Crazy Country, this Germany …

Prost, ihr Säcke!

Das alles macht den Film unterhaltsam. Die Menschen, die Matt auf seiner bierseligen Reise trifft, machen den Streifen sehenswert. Es sind bayerische und preußische Urgesteine. Es ist auch ein US-amerikanischer GI darunter, der nach seinem Dienst an der Waffe nun Dienst am Brauereikessel schiebt, weil er eine Brauerstochter geheiratet hat und nun sein eigenes Bier braut. Ein noch unerreichbarer Traum für Matt.

Ganz nebenbei, augenzwinkernd und durch nette Animationen gekonnt in Szene gesetzt, wartet der Dokumentarfilm noch mit einigen wissenswerten Details auf: zum Deutschen Reinheitsgebot von 1516 etwa, nach dem - oh, Schock - amerikanisches Bier hierzulande sonstwie genannt werden darf, nur nicht Bier. Oder eben auch zum "Bierkrieg" von Dorfen, der schon vor Hunderten Jahren gezeigt hat, dass wenn es um den Bierpreis geht, der bierernste Deutsche keinen Spaß versteht.

Spaß macht dagegen "Beerland". Wobei der Film, 85 Minuten lang, durchaus noch tiefer in die Materie hätte vordringen können: Wie braut man Bier? Wo liegen die regionalen Unterschiede? Was heißt obergärig, was bedeutet untergärig? Und so weiter. Alles in allem ist "Beerland" aber ein bierseliges Filmchen, das seinen Macher am Ende zu der liebevollen Erkenntnis führt, dass es nicht wichtig ist, wie viel Bier man trinkt, sondern mit wem. Darauf ein: Prost!

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Quelle: n-tv.de

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