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Doku über Sklavenhandel Samuel L. Jackson geht auf Spurensuche

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(Foto: HISTORY/Associated Producers Ltd.)

Samuel L. Jackson ist nicht nur ein Hollywoodstar, er ist auch seit Jahrzehnten politisch sehr aktiv. In der Doku-Serie "Enslaved - Auf den Spuren des Sklavenhandels" begibt er sich nun auf eine ganz besondere Reise.

Die "Black Lives Matter"-Bewegung ist im Corona-Jahr 2020 präsenter als je zuvor. Allen voran in den USA ist der Rassismus gegenüber der schwarzen Bevölkerung auch über 150 Jahre nach Abschaffung der Sklaverei offensichtlich immer noch tief in der Gesellschaft verwurzelt. "Die Idee der Rasse wurde erfunden, um die Sklaverei zu rechtfertigen, vor dem Sklavenhandel identifizierten sich Menschen nicht durch Rasse", erklärt die britische Autorin und Journalistin Afua Hirsch. Das Denken in Rassen-Kategorien, das es heute noch gibt, sei "ein Erbe des transatlantischen Sklavenhandels".

Mit dem Sonderprogramm "Black History Matters" widmet sich der Pay-TV-Sender History vom 27. bis 29. November der aktuellen Rassismus-Debatte. Im Mittelpunkt steht unter anderem die sechsteilige Doku-Serie "Enslaved - Auf den Spuren des Sklavenhandels" mit Afua Hirsch und Hollywoodstar Samuel L. Jackson. Die Doku-Serie setzt sich mit dem Schicksal der Sklaven auseinander und untersucht auf drei Kontinenten die Handelsrouten, die die Sklavenschiffe damals befuhren. Jackson, der die Doku produziert hat, begibt sich dabei auf eine ganz persönliche Spurensuche: Seine Vorfahren stammen aus Gabun in Zentralafrika.

Für ihn sei die Doku eine Chance gewesen, um seine Ursprünge erforschen zu können und um die Geschichte von Menschen zu erzählen, die auf den Sklavenschiffen ums Leben kamen, sagte Jackson kürzlich in der US-Sendung "The Daily Show". Die Sklavenhändler verdienten demnach auch mit den Toten Geld, ob sie nun an den Zielorten ankamen oder nicht. Es sei zudem "spirituell erbaulich" gewesen, mit seinen Vorfahren aus Gabun in Kontakt zu treten. Diese hätten ihn einen "verlorenen Sohn unseres Stammes" zu Hause willkommen geheißen, so der 71-jährige Schauspieler.

Die Idee zu "Enslaved" (zu Deutsch: versklavt) hatte der israelisch-kanadische Dokumentarfilmer Simcha Jacobovici, als er mit Oscarpreisträger James Cameron zusammenarbeitete. Cameron fasziniert nicht zuletzt dank seines Überhits "Titanic" seit Jahren mit atemberaubenden Aufnahmen aus den Tiefen der Ozeane. Dass der Atlantik mit zahlreichen Trümmern von Sklavenschiffen übersät ist, erfuhr Jacobovici durch Gespräche mit Meeresbiologen. "Er wollte unbedingt die Geschichten von Millionen Menschen erzählen, die unter schlimmsten Bedingungen diese Seereisen erlebt haben", schildert Hirsch die Anfänge der Doku. Dafür holte sich Jacobovici Historiker, Experten und Journalisten ins Boot, darunter auch Afua Hirsch.

Länder leiden noch immer unter Kolonialismus

Die Ergebnisse, die in der Doku-Serie zu sehen sind, haben die Autorin "tief bewegt" und seien "sehr traumatisch" für sie gewesen. Ganz gleich wie viel sie geglaubt habe, über den Sklavenhandel zu wissen - als sie sich "mit den physischen Überresten" beschäftigt habe, habe sie die Geschehnisse "noch sehen und fühlen können". Gleichzeitig habe sie bei der Arbeit an dem Projekt aber auch etliche Dinge gelernt, die ihr "viel Hoffnung und Energie schenkten". Zum Beispiel über die Afrikaner, die es überlebten und ihre Meuterer stürzten.

Zahlreiche Länder, in der die Mehrheit der Menschen schwarz sind, leiden "immer noch unter dem Erbe des Kolonialismus, der in der Ära der transatlantischen Sklaverei begann. Ich glaube nicht, dass wir Großbritannien, Frankreich oder Deutschland, ein afrikanisches oder karibisches Land, die Vereinigten Staaten von Amerika oder Südamerika verstehen können, wenn wir diese Geschichte nicht verstehen", erklärt Hirsch. Daher sei es wichtig, darüber aufzuklären. Samuel L. Jackson ist seit Jahrzehnten politisch aktiv und kämpft für die Rechte der Afroamerikaner. In den 1960er-Jahren war er Teil der Bürgerrechtsbewegung, 1969 war nach dem rassistischen Mord an Martin Luther King bei dessen Beerdigung anwesend.

Es gebe nicht nur nicht genügend Informationen. "Ich würde viel weiter gehen und sagen, dass wir den jungen Menschen bewusst das Wissen verweigern, das sie benötigen, um sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden und damit ihre Identität, die sozialen Strukturen sowie die Ungleichheiten um sie herum verstehen können", mahnt Hirsch. Nur so könne Wandel entstehen. "Wir müssen beginnen, unser Wissen weiterzugeben und wir müssen uns weigern, den Status Quo zu tolerieren." Sie hoffe, dass die Doku-Serie dazu beitragen könne.

Samuel L. Jackson erstmals im Land seiner Vorfahren

Samuel L. Jackson gewährt in der Doku-Serie ganz persönliche Einblicke. Zum ersten Mal bereiste er das Land seiner Vorfahren und folgte ihren Spuren. "Für mich war es eine große Ehre und ein großes Privileg, dabei an seiner Seite sein zu können", beschreibt Hirsch die gemeinsame Reise nach Ghana. Trotz der hohen Emotionalität schaffe es Jackson, auch eine gewisse Leichtigkeit zu versprühen und trotz des schweren Themas auch Spaß zu haben. Gespielt sei das keineswegs, bescheinigt Hirsch ihrem Co-Star: "Er ist einfach sehr authentisch, das ist er wirklich. Er ist ein sehr charismatischer Mensch. Ich habe es sehr genossen, mit ihm zu arbeiten."

Jackson ist generationenübergreifend bekannt und beliebt. Der 71-Jährige hat bereits in zahlreichen Blockbustern wie "Star Wars" oder den Marvel-Filmen mitgewirkt. Seit dem Kulthit "Pulp Fiction" (1994) gehört er zum Stamm-Cast von Erfolgsregisseur Quentin Tarantino. Doch so nahbar wie in der Doku-Serie hat sich der Schauspieler bisher wohl noch nie gezeigt. "Für mich ist dies viel mehr als nur eine TV-Doku-Serie. 'Enslaved' ist der Versuch, den Millionen Menschen, die zum Schweigen gebracht wurden, eine Stimme zu geben", beschreibt der Schauspieler selbst das Herzensprojekt. In den USA feierte "Enslaved" bereits im Oktober Premiere. History zeigt die Dokumentation am 27. November zum ersten Mal auch im deutschsprachigen Raum.

Quelle: ntv.de, lri/spot