Unterhaltung

Tausendsassa Carolin Kebekus Tatort? Polizeiruf? "Ich mach' alles!"

Teaser_Profil_1110x1550-600x838.jpg

"Erbarmen" war nicht der erste Ausflug von Carolin Kebekus ins Hörbuch-Genre.

(Foto: Carolin Kebekus)

Ihr Programm "Pussy Terror" macht Carolin Kebekus zum Comedy-Star: Sie spielt, singt, schreit, rastet aus. Wahnsinn pur - wie das neue Hörspiel zu Jussi Adler-Olsens Bestseller "Erbarmen", verrät sie n-tv.de im Interview. Die Gründe nennt sie auch.

n-tv.de: Frau Kebekus, es ist Ferienzeit, Urlaubszeit. Dänemark ist dabei ein sehr beliebtes Reiseziel der Deutschen. Grüne Wiesen, Ruhe, kinderfreundlich. Wie sieht Ihr ganz persönliches Bild von Dänemark aus?

Carolin Kebekus: Ehrlich gesagt, ich war noch nie da (lacht). Aber es ist bestimmt schön - wenn man nicht gerade entführt und in einen Tank gesperrt wird.

Wie Merete Lynggard, der Sie in der Hörspielfassung von Jussi Adler-Olsens Bestseller-Auftakt der Carl-Moerck-Reihe Ihre Stimme leihen.

Genau. Ich kenne die Adler-Olsen-Bücher, vor allem "Erbarmen", schon sehr lange. Ich mag auch deren düstere Grundstimmung. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass ich für die Hörspielfassung angefragt wurde.

Sie lesen Adler-Olsen. Sind Sie ein Krimi-Fan?

Absolut! Ich komme aber wegen meiner Arbeit in letzter Zeit recht wenig dazu, welche zu lesen.

Und zu hören?

Das schon eher. Ich bin viel mit dem Auto unterwegs, da laufen dann schon einige durch. Das ist dann ganz praktisch.

Sie haben auch Hörbucher bereits eingesprochen, allen voran die "Frau Freitag"-Reihe, die an "Fack ju Göhte" erinnert und urkomisch ist. "Erbarmen" ist nun alles andere als das ...

Vollkommen richtig. Genau das ist aber auch das Reizvolle. Die Rolle der Merete Lynggard ist in vielerlei Hinsicht so dankbar, dass man sich in ihr komplett ausleben kann. Emotion pur.

Merete Lynggard wird entführt, jahrelang in einem fensterlosen Raum gefangen gehalten, gefoltert mit Dunkelheit, Licht und Luftdruckveränderungen, die ein ganz perfides Ziel verfolgen ...

Ja, der absolute Wahnsinn, was diese Frau durchleben muss. Sie ist ursprünglich ja eine Politikerin, aber nahbar. Sie kümmert sich liebevoll um ihren kleinen Bruder, der seit einem Autounfall unter Psychosen leidet. Dann landet sie in dem Tank. Die Sympathie ist sofort auf ihrer Seite - und umso mehr Gefühl legt man in die Rolle hinein. Die Frau ist verzweifelt, steht Todesängste aus, will sterben, dann kämpfen, ihren Peinigern schaden. Kleine Machtspielchen.

Das klingt wirklich extrem vielseitig. Merete Lynggard ist in "Erbarmen" nur eine tragende Figur, die anderen sind etwa die beiden Ermittler Carl Moerck und dessen Partner Harez el-Assad, gesprochen von den Schauspielern Justus von Dohnanyi  ("Der Untergang") und Denis Moschito ("Schule", "Chiko"). "Erbarmen" ist als Hörspiel konzipiert. Was macht mehr Spaß: Hörbuch oder Hörspiel? 

(lacht) Ganz eindeutig das Hörspiel. Das Hörbuch liest man allein ein vor einem Mikrofon. Man verstellt seine eigene Stimme für die verschiedenen Rollen. Es ist und bleibt aber ein gelesenes Buch. Bei einem Hörspiel wie "Erbarmen" jetzt hängen in der ganzen Tonkabine Mikros, die Sprecher interagieren zum Teil. Sie nutzen nicht nur ihre Stimmen, sondern auch ihre Körper. Ich konnte mich gegen die Wand werfen, auf den Boden fallen lassen. Das verleiht den gesprochenen Figuren mehr Tiefe.

Klingt anstrengend ...

(lacht) Ist es auch, keine Frage. Man bringt sich vielmehr ein, lässt sich gehen. Und wenn dann noch so eine Rolle wie die der Merete dazukommt, dann ist das einfach nur total geil!

Da schließt sich dann auch der Kreis zu Ihrem Comedy-Programm. Da stehen Sie ebenso wenig nur herum und rattern einen Witz nach dem nächsten herunter, sondern zeigen stattdessen vollen Körpereinsatz. Hat Ihre Bühnenerfahrung bei "Erbarmen" geholfen?

Auf alle Fälle, klar. Unkontrollierte Ausbrüche meinerseits gibt es da auch (lacht). Deshalb war mir das Ganze auch nicht fremd.

Ein wesentlicher Unterschied zur Comedy-Bühne besteht aber darin, dass dort die Visualität eine wesentlich größere Rolle spielt: Auf der Bühne sieht man Sie, bei "Erbarmen" hört man nur Ihre Stimme ...

Ja, bei einem Hörspiel ist vielmehr Fantasie gefordert. Da entsteht beim Zuhörer im Kopf eine bestimmte Szenerie. Man wird so in die Story hineingezogen. Die Spannung ist regelrecht greifbar. Ha, ich gerate ins Schwärmen (lacht). Aber das ist wirklich so. "Erbarmen" ist der pure Wahnsinn!

Sind Hörspiele eine Art Wiedergeburt des Geschichtenerzählens im digitalen Zeitalter?

Ja, das glaube ich schon. Es reicht ja schon ein simples Smartphone dafür. Damit kann sie sich jeder anhören. Und das überall.

Hat die Arbeit am Hörspiel "Erbarmen" Lust auf mehr gemacht, vielleicht sogar mal eine klassische Filmrolle?

Natürlich, ganz klar. Aber für so klassische Rollen werde ich in der Regel ja nicht besetzt. Bisher. Vielleicht ändert sich das ja nach "Erbarmen". Wer weiß, kann ja sein ...

Vielleicht ein "Tatort"?

(lacht) Warum nicht? Ich bin auf alle Fälle bereit dafür!

Welche Kommissaren-Figur käme Ihnen denn da entgegen? Ungehobelt à la "Polizeiruf"-Bukow oder eher der actiongeladene "Tatort"-Tschiller von Til Schweiger? Oder doch lieber eher witzig-verschroben wie Münsters Thiel? Und dann wären da ja auch noch Ballauf und Schenk aus Köln ...

(lacht) Das ist mir vollkommen egal, da habe ich keine Präferenzen. Da mach' ich alles!

Mit Carolin Kebekus sprach Thomas Badtke

"Erbarmen" mit Carolin Kebekus bei Audible hören

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema