Unterhaltung

"Promi Big Brother" - Tag 8 Udo Bönstrup: Sexismus als Satire

Udo_SPZ.jpg

Erzäht von Pflaumen und Bikinis und meint, das sei witzig: Udo Bönstrup.

Ein blasser Bubi spricht über #MeToo, nennt Frauen "Speckstücke" und macht Vergewaltigungswitze. Frauen gegenüber darf man sich abfällig gebaren, wenn man "ihre Pflaume" sehen kann. Die Moderatoren, sonst gern Moralapostel, schweigen.

"Die zeigt sich doch schon tagelang im Bikini (…) - breitbeinig. Die sind doch nicht normal, die Weiber! (…) Sie streckt ihre Pflaume die ganze Zeit schon in die Kamera (…) ", sagt Udo Bönstrup, den man bis dato nur als blassen Bubi auf dem Schirm hatte und der im echten Leben Hendrik Nitschs heißt. In den Container gegangen sei er aber als satirische Kunstfigur. Udo soll in seiner Rolle ein alter Mann sein, der gerne meckert.

Es ist heiß in Deutschland. Adela liegt im Bikini neben "Betonmischa" im Märchenwald, der gerade zärtlich über ihre Oberschenkel streichelt, als Udo plötzlich mit der Hand eine anzügliche Bewegung in Richtung ihres Pos macht. Damit gemeint: Mischa solle die Schweizerin mal "fingern". Die bekommt die sexistischen Ekelhaftigkeiten hinter ihrem Rücken mit und bittet den Internet-Witzbold, damit aufzuhören.

Udo, von dem man nicht ein einziges Mal mitbekommen hat, dass er eine Kunstfigur spielt, sieht aber gar nicht ein, sich falsch verhalten zu haben. Wenn diese Frau so durch die Gegend rennt! Man brauche ihm jetzt überhaupt nicht mit dieser "MeToo-Nummer" zu kommen: Eine, die sich so freizügig und billig gibt und sich im Bikini sonnt, habe es nicht anders verdient. Adela ist selbst schuld. Wer spricht da? Udo oder Mischa? Ist das jetzt Satire?

Viele ZuschauerInnen sind fassungslos. Ist das wirklich gerade geschehen? Ja, ist es. Und es wird noch gruseliger. Denn die Moderatoren, die sich sonst gern als Moralapostel aufspielen, halten sich auffällig zurück, lächeln alles weg - als handele es sich bei Bönstrups Luft-Fingerei um einen "präpubertären" Lapsus. Wir erinnern uns: Der Typ ist Mitte zwanzig, ach, nein: Udo, die Kunstfigur ist 76, haha. Und jeder, der sich über ihn aufregt, hat seine satirische Kunstfigur-Rolle nicht verstanden. Da wird eine Frau öffentlich im TV belästigt und die beiden Moderatoren erklären lachend: "Haha, jeder hatte 'nen Udo in seiner Klasse!" Wenig später, als der Sixx-Latenight-Show-Kollege, Jochen Bendel Schropp auf den "Skandal" anspricht, entgegnet der überrascht: "Welchen Skandal ham'wa denn?"

"Wieder so eine Metoo-Bekloppte!

ZuschauerInnen, die in den sozialen Medien ihre Entrüstung über das Geschehen äußern, ernten Kommentare wie: "Wieder so eine Metoo-Bekloppte! (…) oder: Es sei ja nur Spaß gewesen, man solle sich mal nicht so haben. Viele Männer sagen: Man müsse es umgedreht sehen. Die Männer sind die wahren Opfer. Diese sexsüchtige Emmy belästige den armen Udo permanent und spricht ihn auch noch erfreut auf seinen erigierten Penis an. Wenn zwei Menschen einvernehmlich einer ordinären Sprache frönen und sich gegenseitig sexuell pushen, ist das ihr Ding. Kann man mögen, muss man aber nicht. Udo jedoch hat im Vorfall mit Adela eine Grenze überschritten. Eine Frau im Live-TV luftzufingern und das als Comedy/Satire verstanden zu wissen, ist gelinde gesagt, kein bisschen lustig. Und zeigt uns als Gesellschaft, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben.

Es gab vor ein paar Monaten auf demselben Sender ein Trash-TV-Format mit dem Titel: "Promis unter Palmen". Es startete fulminant, bis die Teilnehmerin Claudia Obert so sehr gemobbt wurde, dass sie erst in Tränen ausbrach und schließlich das Haus freiwillig verließ. Sat.1 bezog damals nach viel Druck der ZuschauerInnen öffentlich Stellung. Man sagte so beruhigende Phrasen, wie: "Mobbing hat bei uns keine Chance." Es scheint, die Verantwortlichen haben nichts dazugelernt.

Warum zeigen sie uns diese frauenfeindlichen Szenen? Man hätte sie doch rausschneiden können, schließlich wird ständig geschnitten. Doch ausgerechnet diese Szenen lassen sie drin bzw. nehmen sie extra mit in die "Tages-Highlights" herein. Frei nach dem Motto: Udo - dieser Schelm! Jetzt wird er wach. Mehrfach zeigen sie die angedeutete Fingerei, damit auch der Letzte kapiert, was da gerade geschieht, nämlich: SEXISTISCHE KACKSCHEISSE! Weil der Udo aber so'n süßer "Präpubertärer" ist, ist das doch nur Spahaaaß! Und eine Rolle, die er angeblich spielt. Satire.

"Die soll sich nicht so anstellen"

Hier wird mit misogynem Verhalten Quote gemacht. Aber Sexismus ist kein Entertainment. Man muss diese freizügigen, teils wirklich einfach gestrickten Frauen weder gut noch toll finden. Man kann sie sogar als "billig" und/oder "nuttig" wahrnehmen. Doch das Gebaren einer Frau, ihr Aussehen oder ihre Art, so unangenehm oder aufreizend sie auch empfunden werden, sind kein Freifahrtschein, sie zu belästigen. Ein erwachsener Typ, der sich verteidigt mit: "Die soll sich nicht so anstellen", gehört umgehend aus dem Container gepfeffert!

Bereits kurz zuvor hatte sich der 25-jährige "Facebook-Komiker" - von seinem Kumpel als "Muttersöhnchen" beschrieben - über "#MeToo" geäußert. Sein Ansinnen in diesem Zusammenhang: Auch Männer werden Opfer von Belästigung. Damit hat er, das spricht ihm natürlich niemand ab, vollkommen recht. Schließlich outet er sich selbst als "Betroffener", der "vergewaltigt worden" sei. Doch mit jedem Satz, den er sagt, wird es unangenehmer. Ein "deutlich älteres Speckstück" habe sich einfach auf den "besoffenen, wehrlosen" Udo gesetzt und ihn defloriert. Das sei ein richtiger "Pommespanzer" gewesen. Dann grinst er wieder. Fatshaming, Vergewaltigungswitze: Diese Sprüche sind eine Beleidigung für alle Opfer.

Unterstützung erhält Bönstrup, der ja als Satire-Figur bei "Promi Big Brother" eingekehrt sein will, unter anderem von demjenigen, der in Werner Hanschs Abwesenheit dessen Instagram-Account betreibt: "Lass dich nicht unterkriegen" ist da zu lesen. Auch Sat.1 beweist, dass man scheinbar nichts gerafft hat. In Udos Bauchbinde steht: "Udo: hat Fingerspitzengefühl". Liebe Frauen, Ihr müsst das verstehen: Udo hat halt Samenstau. Besitzt von daher bitte die Würde, euch bei 36 Grad einen langen Mantel anzuziehen, damit Männer wie Udo nicht über eure "Pflaume" stolpern!

Was sonst noch geschah: Emmy lästert, Werner kommt auf die Exit-Liste und Jasmin muss das Märchenland verlassen. In einem Spiel schickt Moderator Schropp den schwerhörigen Ex-Sportreporter ruppig zurück in seinen Bereich, weil er einen Märchengegenstand doppelt benennt. Keine zweite Chance für den 81-Jährigen - anders als bei Emmy vor ein paar Tagen, die bei Penny das Startsignal überhört hatte. Die Zuschauer aber lieben Werner und "safen" ihn. Der freut sich sehr und plaudert herzallerliebst mit Katy Bähm über die Liebe und ihren Beruf als Stylistin. Haare und Frisuren mag der Werner auch. Am liebsten hätte er eine "Perücke aus dem Schamhaar von Audrey Hepburn".

Zum Schluss gibt es einen Neuzugang: Willi Herrens Tochter. Kennt man: mal wieder von nirgends. Die Show, die stets überzieht, geht plötzlich mehr als acht Minuten eher vom Sender. Fragen über Fragen, aber eine ganz klare Antwort: Sexismus, Mobbing, Bodyshaming, Amoklauf-Verharmlosung und Vergewaltigungswitze dürfen niemals kritiklos geduldet werden!

Quelle: ntv.de