Unterhaltung

Zocker-SpezialVom Ehering zum Eigenheim und zurück

29.05.2018, 00:46 Uhr
imageVon Kai Butterweck

Düstere Beziehungswolken, ein tanzender, pinkfarbener Blazer und ein halsbrecherischer Sturz vom Gipfel ins Tal: Beim großen "Wer wird Millionär?"-Zocker-Special lagen Freud und Leid nah beieinander.

Frau Kuschel war sichtlich überhaupt nicht nach Zärtlichkeiten zumute. Dabei hatte sich ihr Freund Christoph Lang gerade beim großen Zocker-Spezial von "Wer wird Millionär?" so in der Rolle des Frauenverstehers gefallen. "Damit würde man Frauen keinen Gefallen tun, wenn man das in einen BH schreiben würde", zeigte sich der Pressesprecher einer Banknotendruckfirma aus München überzeugt. Für 16.000 Euro wurde in der RTL-Quizshow nach einem typischen BH-Merkmal gefragt. Den korrekten Ringerrücken hielt der 31-Jährige schlicht für zu wenig schmeichelhaft. "Das würde ja keine Frau kaufen": Lang ging aufs Ganze und loggte "Golfschulter" ein. "Hier ist was los", meinte Günther Jauch.

"Wie ein heißes Messer durch Butter"

Bis zu diesem Zeitpunkt war der Kandidat mühelos durch die Runden gekommen. Oder, um es mit Jauch zu sagen: "Wie ein heißes Messer durch Butter." Das war auch besser so. Beim Zocker-Special winken gleich zwei Millionen Euro als Hauptgewinn. Der muss selbstverständlich hart erarbeitet werden. Die Kandidaten dürfen ihre Joker erst aber der 32.000-Euro-Frage einsetzen. Wer vorher unbedingt Hilfe braucht, verwirkt die übrigen drei Joker.

Eine Runde vor dem rettenden Ufer wollte Lang deshalb dem Sendungstitel alle Ehren machen. Die Folge: Er stürzte auf 1000 Euro ab. Zu Beginn hatte der Kandidat verraten, dass seine Freundin Hanna Kuschel es nach einer möglichen Hochzeit gern sehen würde, wenn er ihren Namen annimmt. "Frau Kuschel hätte es gewusst. Die Namensfrage stellt sich jetzt nicht", sah Jauch nach dem frühen Aus dunkle Wolken am Beziehungshorizont aufziehen.

Klare Zukunftspläne hat hingegen die folgende Kandidatin Anna Maria Sabi. "Mit der Million will sie ihre Eizellen einfrieren lassen", wurde die Lehramtsstudentin (Sport, Deutsch) aus Essen vorgestellt. Das war nur das erste Geständnis des Abends. "Ich hab ganz doll Prüfungsangst", versuchte Sabi ihren etwas holprigen Einstieg zu erklären. Bei der 2000-Euro-Frage war die Kandidatin fast am Verzweifeln: "Welchen Begriff findet man wohl kaum bei Stellenangeboten? A) Fliesenleger, B) Mienenarbeiter, C) Gerüstbauer, D) Lokführer."

"Schreibt man Lokführer nicht mit ck?"

Der Groschen wollte einfach nicht fallen. "Wir dachten, wir tun der Germanistikstudenten mal einen großen Gefallen", half Jauch ihr auf die Sprünge und schob hinterher: "Schreibt man Lokführer nicht mit ck?" Sabi: "Das hab ich auch erst gedacht!" Nach etwas Grämen aber wurde der Studentin doch klar: Arbeiter werden weniger für ihre tolle Mimik (Miene), sondern für das Schuften im Bergwerk (Mine) bezahlt. Der perfekte Moment für eine Belohnung, dachte sich Sabi und zog erst mal einen Kümmerling aus der Blazertasche.

Der Konzentration tat der kurzzeitige "Rausch" glücklicherweise keinen Abbruch. An der "Schinkenstraße" vorbei, und mit Kinderheim-Anekdoten aus der eigenen Biografie im Gepäck, marschierte die Studentin bis vor die Tore des 250.000 Euro-Olymps. Hier war dann allerdings Endstation. Bratpfanne? Katzenfell? Wie war die Frage doch gleich nochmal? "Scheißegal", hauchte es aus Jauchs Mund ins Mikrofon. 125.000 Euro sind kein Pappenstiel. Ein wirbelnder, pinkfarbener Blazer war das Letzte, das man aus dem Studio heraustanzen sah.

In puncto "modischer Erscheinung" setzte Lutz Gerling sogar noch eine Schippe drauf. Zerschlissene Hochwasserjeans, kunterbunte Peace-Socken und ein Tapetenmuster-Shirt sorgten bei Günter Jauch gleich zu Beginn der finalen Zocker-Runde für zusammengezogene Augenbrauen: "Der Mann braucht unbedingt neue Hosen", schallte es durchs Studio. Dem 21-jährigen Radiomoderator interessierten aber weder neue Socken noch eine neue Hose. Er wollte nur eins: Die Kohle für seinen verlorenen Ehering wieder reinholen.

Und dann lag der neue Ehering auf einmal im Vorgarten des ebenso neuen Eigenheims

Nach einem selbstbewussten Ratemarsch durch deutsche Super- und Baumärkte, einem Abstecher durchs schöne Brandenburg und der Hilfe der botanikaffinen Frau Mama, ging es irgendwann aber um weit mehr als "nur" um den Kauf eines neuen Eherings. Plötzlich tanzten vor der Nase des No-Risk!-No-Fun!-Kandidaten nämlich satte 250.000 Euro Pogo. Und dann lag der neue Ehering auf einmal im Vorgarten des ebenso neuen Eigenheims.

Sekunden später war der Traum von einer Zukunft mit Sitzrasenmäher und Triple-Carport aber auch schon wieder ausgeträumt. Ein im Duden nicht auffindbares Verb namens "youtuben" machte alles zunichte. Naja, fast alles - Die 1000 Euro für den neuen Ehering blieben dem sichtlich frustrierten Radio-Arabella-Mitarbeiter wenigstens erhalten.

Am nächsten Montag gibt es das große Spezial zur Fußball-WM. Am 11. Juni verabschiedet sich "Wer wird Millionär?" mit dem Prominenten-Special in die lange Sommerpause.

Wer wird Millionär