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"Der Nikolaus ist viel cooler" Was Maite Kelly gegen den Weihnachtsmann hat

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Die Aktion "Weihnachtsmannfreie Zone" will dafür sorgen, dass der Nikolaus nicht mit dem Weihnachtsmann verwechselt wird.

(Foto: picture alliance / dpa)

Maite Kelly hat genug vom Weihnachtsmann. Die 34-Jährige engagiert sich seit vier Jahren als Patin für die Aktion "Weihnachtsmannfreie Zone" des katholischen Bonifatiuswerkes. Seit 2002 hat sie sich das Projekt auf die Fahnen geschrieben, gegen die Verwechslung von Nikolaus und Weihnachtsmann zu kämpfen. n-tv.de spricht mit Maite Kelly über den Heiligen Nikolaus, den Coca-Cola-Weihnachtsmann und fragt sie, warum es Traditionen braucht, um Werte zu vermitteln.

n-tv.de: Weihnachtsmann, Nikolaus - ist das nicht egal, Frau Kelly?

Maite Kelly: Nein. Ich erkläre das den Kindern immer ganz einfach: Der Weihnachtsmann trägt eine Bommelmütze, hat einen dicken Bauch und einen roten Strampelanzug mit Gürtel. Und vor allem ist er eigentlich eine Kunstfigur der Coca-Cola-Werbung. Er symbolisiert den Kommerz. Der heilige Nikolaus aber ist ein Bischof mit Bischofsstab, Mitra und Mantel. Der Mantel steht für den guten Hirten, der auf seine Herde aufpasst. Der Nikolaus symbolisiert also die Nächstenliebe. Und vor allem ist er, anders als der Weihnachtsmann, keine Erfindung, sondern es gab ihn wirklich. Genau diesen Unterschied will die Aktion "Weihnachtsmannfreie Zone" klarmachen.

Nächstenliebe ist nicht unbedingt das, was man derzeit mit einem katholischen Bischof in Verbindung bringt.

Nicht alle Bischöfe sind so, wie der Limburger Bischof dargestellt wird. Es gibt sehr viele Bischöfe auf der ganzen Welt, die im Kleinen und Bescheidenen so viel für arme Menschen tun, dafür sorgen, dass sie, so gut es geht, aufgefangen werden.

Sie setzen sich also dafür ein, die Nikolaus-Tradition zu erhalten, weil sie bestimmte Werte vermittelt. Aber braucht es dafür Tradition? Kann man solche Werte nicht auch mit dem Weihnachtsmann vermitteln?

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Die überzeugte Katholikin Maite Kelly setzt sich für den echten Nikolaus ein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Mensch braucht Gesten. Es gibt zum Beispiel nichts Schöneres, als wenn dein Mann dir zur Hochzeit sagt: "In guten und in schlechten Zeiten", und dir den Ehering ansteckt. An sich ist der Ring ein Stück Eisen, das vergoldet ist. Vielleicht ist er auch ganz aus Gold. Aber das eigentlich Entscheidende ist, dass diese Geste der Symbolik eine Realität verleiht. Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich Traditionen brauche, um meine Werte mit Leben zu füllen. Da ich an den christlichen Gott glaube, habe ich diese Festtage, um dieser Realität in meinem Leben Platz zu geben.

Wenn man aber nun mit dem christlichen Glauben nichts anfangen kann …

… dann bin ich die Letzte, die ein Problem mit dem Weihnachtsmann hat. Der Weihnachtsmann wird bei uns nicht diskriminiert. Aber ich kann ihn nicht ernst nehmen. Ich kann verstehen, wenn man mehr Bezug zum Weihnachtsmann herstellen kann - es ist ja nicht einfach, zum Beispiel als Muslim in einem christlich geprägten Land zu leben. Man sollte den Kindern Festtage nicht verbieten, da bin ich absolut tolerant. Aber man sollte - egal, ob Christ oder Nicht-Christ - wissen, was hinter den Festtagen steht, die man feiert.

Es gibt einige Weihnachts- und Adventslieder, die Sie zu Ihrer "Kelly Family"-Zeit vertont haben. "Rudolph, the Rednose Reindeer" ist ja zum Beispiel ein Lied, das man mit dem Weihnachtsmann, sicher aber nicht mit dem Nikolaus in Verbindung bringt.

Ja, da haben Sie mich erwischt. Ich komme aus einer Hippie-Familie, da war alles erlaubt. Aber ich bin jetzt eine gestandene, erwachsene Frau, Mutter von zwei Kindern, und ich habe für mich meinen Glauben gewählt. Solche Dinge sind für mich Teil meiner Geschichte. Gerade, weil ich selbst ohne Nikolaus und solche Traditionen aufgewachsen bin, sondern mit sehr viel "Mischmasch", ist es umso wichtiger für mich, anderen Menschen eine gewisse Klarheit mitzugeben. Ich setze mich aus tiefster Überzeugung für den Nikolaus ein.

So ein Engagement ist natürlich auch öffentlichkeitswirksam.

Da gäbe es andere Kampagnen, die man mitmachen könnte, die viel imagepflegender wären. Die Aktion "Weihnachtsmannfreie Zone" stößt auch auf Ecken und Kanten, da macht man sich nicht nur beliebt. Ich mache das, weil ich davon überzeugt bin. Ich finde es schlimm, wenn Christen aus lauter Angst vor Political Correctness sich nicht einmal mehr trauen, zu sagen, was sie glauben und feiern. Das darf nicht passieren, das ist furchtbar. Genauso, wie es meiner Ansicht nach auch nicht passieren darf, dass eine Muslimin kein Kopftuch tragen darf.

Ich nehme an, bei Ihnen zu Hause gibt es also keine Schoko-Weihnachtsmänner. Müssen ihre Kinder auf Schokolade verzichten?

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Viele Fälschungen - ein Original.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nein! Es gibt tatsächlich auch Schoko-Nikoläuse, und die sind der absolute Verkaufsrenner - und sogar aus Fair-Trade-Schokolade. Nicht nur beim Bonifatiuswerk selbst kann man sie bestellen, sondern auch in immer mehr Supermärkten werden sie über Partner vertrieben.

Wenn man in die Supermarktregale blickt, stehen da aber fast nur Weihnachtsmänner - in allen Farben und Formen.

Ja, und das schon seit dem Spätsommer. Schon bevor der Advent überhaupt beginnt, können die Leute den Weihnachtsmann gar nicht mehr sehen. Das ist schade, und dafür haben wir eine tolle Alternative.

Ist das nicht ein aussichtsloser Kampf?

Es ist kein Kampf im eigentlichen Sinne. Ich versuche, Menschen zum Nachdenken anzuregen. Sie dafür zu begeistern, dass der Nikolaus viel cooler und authentischer ist als der Weihnachtsmann. Schließlich hat es ihn wirklich gegeben! Das ist nicht aussichtslos. Es geht um die Frage: Wie kann ich die Werte, die ich habe, so leben, dass ich andere damit anstecke? So, dass sie nicht nur leeres Bla Bla, sondern gut für die Gesellschaft sind.

Mit Maite Kelly sprach Fabian Maysenhölder

Quelle: n-tv.de

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