Wenn die Highlands zur Todesfalle werden"A Lonely Place To Die"

Fünf junge Bergsteiger haben einen Traum: Irgendwann wollen sie die Eiger-Nordwand erklimmen. Zum Üben geht’s in die schottischen Highlands. Doch aus dem idyllischen Kletterurlaub wird bald ein verzweifelter Kampf ums Überleben - als sie Schreie hören und ein kleines Mädchen lebendig begraben im Waldboden finden.
Der Eiger. Fast 4000 Meter hoch thront er in den Berner Alpen. Er fasziniert Bergsteiger weltweit. Vor allem die Nordwand hat es ihnen angetan: 1650 Meter misst sie. Kletterrouten können schon einmal bis zu vier Kilometer lang sein. 70 Menschen starben beim Versuch, die Nordwand zu erklimmen. Wenn man vom Gipfel abstürzt, dauert es 30 Sekunden, bis man unten aufschlägt. 30 Sekunden, um dein Leben Revue passieren zu lassen - die ganze Zeit bei vollem Bewusstsein.
Auch Alison (Melissa George; "30 Days Of Night", "Turistas") und ihr Freund Rob (Alec Newman) träumen davon, einmal die Nordwand zu bezwingen. Aber in diesem Jahr steht erst einmal ein sportlicher Aufgalopp in den schottischen Highlands an. Noch mit von der Partie sind Alisons Bruder Ed (Ed Speleers; "Eragon") und das befreundete Pärchen Alex (Gary Sweeney) und Jenny (Kate Magowan). In einer abgelegenen Hütte stimmen sie sich mit Whisky auf die bevorstehenden Touren ein, so das Wetter und Ed, der lieber surfen wollte, mitspielen.
Auf ihrer ersten Etappe durchqueren sie einen einsamen Wald. Bei einer Pause entfernt sich Ed von der Gruppe und hört etwas. Er verständigt die anderen. Es sind Hilferufe. Schwach, wie von einem Kind. Die Gruppe geht der Sache auf den Grund - und macht dabei eine grausige Entdeckung. Sie findet eine Art Teleskop, das mitten aus dem Waldboden ragt und offenbar zur Luftversorgung dient. Genau aus diesem Rohr kommen die Hilferufe. Die Gruppe legt das Rohr frei und eine hölzerne Abdeckung, aus der es herausragt. Als sie diese aufreißen, blickt ihnen ein verschüchtertes, ängstliches kleines Mädchen entgegen. Die Gruppe befreit sie aus ihrem Gefängnis. Das Mädchen ist dehydriert, hat Hunger und versteht offenbar kein Wort. Laut Ed spricht sie kroatisch - wie eine seiner Ex-Freundinnen. Das einzige, was das Mädchen verständlich preisgibt, ist ihr Name: Anna (Holly Boyd).
Was macht ein kleines Mädchen, lebendig begraben im Waldboden, irgendwo im Nirgendwo der schottischen Highlands? Egal, wie das Mädchen in diese Lage gekommen ist, es braucht dringend ärztliche Hilfe, darin sind sich alle einig. Das Problem dabei: Die Handys sind tot. Die nächste befahrene Straße ist 30 Meilen entfernt, das nächste Dorf 15 Meilen an einem Flusslauf. Einzig die Route über den nur zwei Meilen entfernten "Devil‘s Drop" erscheint sinnvoll - eine nackte Felswand, die rund 500 Fuß steil senkrecht nach unten führt. Von da wären es nur noch vier Meilen bis zum nächsten Dorf. Rob und Alison machen sich gemeinsam auf den Weg. Sie sind die besten Kletterer der Gruppe, die an diesem Tag nur mit leichter Ausrüstung unterwegs ist. Der Rest soll sich bereits über die lange Route am Fluss entlang in Richtung Dorf bewegen.
Jetzt beginnt "A Lonely Place To Die" erst richtig. Alison und Rob seilen sich vom "Devil’s Drop" ab. Plötzlich ein peitschender Knall. Rob stürzt an Alison vorbei in die Tiefe. Alison steht unter Schock. Erst als Felsbrocken von oben auf sie herunterprasseln, kehrt das Leben in sie zurück. Sie kann einigen ausweichen - aber nicht allen. Am Kopf getroffen, stürzt auch sie. Aber Alison hat Glück, einige Bäume und Äste dämpfen den Fall. Sie landet im Wasser am Fuß des "Devil’s Drop" und schleppt sich benommen ans Ufer. Dort sieht sie Rob liegen und kriecht zu ihm: Sein Sicherungsseil wurde durchgeschnitten. Er ist tot.
Die Jagd ist eröffnet
Der Rest der Gruppe kommt nur langsam voran, denn Anna muss getragen werden. Am Fluss treffen sie sich alle wieder: Alison am einen Ufer, Ed, Jenny, Alex und Anna am anderen. Die reißende Strömung macht eine Verständigung unmöglich, die Fragen nach Rob werden vom Wasser verschluckt - nicht aber das alles erklärende Zeichen, das Alison mit ihrer Hand am Hals macht. Doch da fällt urplötzlich ein Schuss, irgendwo aus dem Wald heraus abgefeuert. Jenny sinkt getroffen zu Boden. Weitere Schüsse peitschen durch die Luft - und von nun an rennen alle um ihr Leben. Aus der Klettertour ist ein Wettlauf gegen den Tod geworden.
Was Alison und der Rest der Gruppe noch nicht wissen: Anna wurde von skrupellosen Kriminellen entführt, die nun ein millionenschweres Lösegeld von der Familie erpressen wollen. Werden ihre Forderungen nicht erfüllt, stirbt Anna, wird nie gefunden, so der perfide Plan der Kidnapper. Die haben dieses Spiel bereits mehrere Male und in verschiedenen Ländern gespielt, mal weniger, mal mehr erfolgreich. Die Leben der Kinder sind ihnen dabei vollkommen egal. Doch nun ist Anna frei und damit sind die Millionen gefährdet.
Und die Kriminellen haben noch ein zweites, viel schwerwiegenderes Problem: Sie haben diesmal das falsche Kind entführt, denn wie sich wenig später herausstellt, ist noch eine weitere Gruppe von Killern dem Mädchen auf den Fersen. Ihr Auftraggeber ist allerdings Annas Vater, ein ehemaliger jugoslawischer Kriegsverbrecher, der nun als skrupelloser Mafiaboss seinen Lebensunterhalt verdient. Zum Showdown kommt es dann in der Nacht bei einem Straßenfest in dem kleinen schottischen Dorf.
Wunderbare Panoramen
"A Lonely Place To Die" beginnt als lupenreiner Kletterfilm, erinnernd an "Cliffhanger". Doch zahlreiche überraschende Wendungen machen den Streifen des Drehbuchautors und Regisseurs Julian Gilbey ("Reckoning Day") zu einem waschechten und knallharten Actionthriller mit einem glaubhaften und sehr aktuellen Thema. Neben der grandios spielenden Melissa George sticht aus dem Cast der bekannte Tscheche Karel Roden als Darko heraus, der Anna im Auftrag ihres Vaters wiederfinden soll - mit allen nötigen Mitteln. Roden ist die "gute Schurken"-Rolle wie auf den Leib geschnitten. Er brillierte bereits in "Running Scared" an der Seite von Paul Walker ("Fast & Furiuos"-Reihe), in Guy Ritchies "RocknRolla" an der Seite von Gerard Butler und in "15 Minutes" an der Seite von Robert de Niro.
Was den Film darüber hinaus zu einem sehenswerten Highlight macht, sind die atmosphärischen Panoramen aus den schottischen Highlands. Wer dabei nicht versucht ist, sofort den nächsten Urlaub zu buchen, sei es um zu klettern, zu wandern oder einfach nur die so berauschende Ruhe zu genießen (es sei denn, es wird ein Actionthriller dort gedreht), sollte dringend einen Arzt aufsuchen - oder es noch einmal mit "A Lonely Place To Die" in der Blue-ray-Version versuchen. Wer die gestochen scharfen Bilder der Highlands sieht, braucht die Eiger Nordwand nicht mehr.