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Mir fehlt mein alter Job nicht! Aloe Blacc hat viel vor

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Er hat in einer Unternehmensberatung gearbeitet und wurde im Zuge der Finanzkrise gefeuert - doch nicht nur deswegen ist sein Song "I Need A Dollar" ein Hit geworden. Jetzt ist seine jüngste Auskoppelung "Green Lights" erschienen und tatsächlich sieht es so aus, als würde der sympathische Kalifornier auf einer grünen Welle reiten.

Der Mann hat gerade richtig viel zu tun: Ständig fliegt er von einer Stadt zur anderen, aber beschweren will er sich nicht: "Ich habe einen Job, der wie Ferien ist", erzählt er lachend, als er danach gefragt wird, ob er Stress hat. Er hat für "I Need A Dollar" in Deutschland eine Goldene Schallplatte bekommen und es sieht nicht so aus, als würde dieser Siegeszug enden. n-tv.de traf den extrem entspannten Künstler im extrem entspannten Berliner Hotel Michelberger.

n-tv.de: Was bedeutet dir dein neuer Song "Green Light"? Hast du nicht auch das Gefühl, dass alle Ampeln für dich tatsächlich gerade auf Grün stehen?

Aloe Blacc: Oh ja, es ist fantastisch! Ich war ja gerade auf dem Berlin Music Festival und es hat riesigen Spaß gemacht. Dann musste ich wieder weg und gestern bin ich schon wieder hergeflogen, weil ich Interviews habe, es ist ein großes Hin und Her, aber ich genieße das! In der letzten Zeit bin ich wirklich vom Schicksal begünstigt, das kann man nicht anders sagen.

Warum hast du deinen Fokus bei den Liedern inzwischen mehr auf politische als auf emotionale Inhalte gelegt?

Das stimmt irgendwie, aber ich kann das gar nicht so trennen. Ich singe, was mir durch den Kopf geht, wie ein fünfjähriges Kind. Ich beobachte etwas, ich habe einen Gedanken, mir erzählt jemand etwas und ich kann gar nicht anders, als einen Song daraus zu machen. Dass das in letzter Zeit eher politisch motiviert ist, liegt einfach an den Zeiten, die wir haben. Ich sehe, was in der Welt vor sich geht, und ich muss darüber singen.

Das heißt demnach, dass du ein Künstler bist, der sich sehr für Nachrichten und das Weltgeschehen interessiert?

Ja, natürlich. Gerade in den USA denken wir viel zu eindimensional. Da fallen viele Dinge unter den Tisch. Es gibt ein Hauptthema, oder zwei, das wird in den Nachrichten rauf und runter gebracht, und alles andere, unter anderem die News aus dem Rest der Welt, kommen gar nicht mehr vor. Darüber vergessen wir dann diejenigen, die vom Leben nicht so begünstigt sind. Das würde ich gerne ändern.

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Du sagst, dass du mit deiner Musik gerne die Welt verändern möchtest. Ist dir das deiner Meinung nach denn schon gelungen?

Oh ja, ich glaube schon, Wenn ich Konzerte gebe und die Menschen sich freuen, ist das der erste Schritt. Wenn sie dann noch über meine Texte nachdenken, ist das bereits ein Anfang.

Glaubst du denn, dass Künstler die Welt verändern können?

Natürlich! Schau doch nur mal, was George Clooney in Darfur macht, was Bono leistet, was Sean Penn in Haiti tut - das ist großartig. So weit bin ich natürlich noch lange nicht, aber da möchte ich hin. Ich würde gerne Kinder unterstützen, die kein Zuhause haben, keine Ausbildung bekommen werden und deren Eltern sich nicht um sie kümmern, aus welchem Grund auch immer. Kinder eben, die nicht so viel Glück haben.

Hattest du denn Glück?

Ja, ich komme zwar nicht aus einem reichen Elternhaus, meine Eltern sind Einwanderer aus Panama, aber es hat mir trotzdem an nichts gefehlt. Und auch als ich meinen Job verloren habe, kann ich nicht gerade behaupten, dass es mir an irgendetwas gemangelt hat.

Glaubst du, dass deine Art zu singen, man könnte sie auch "Message Soul" nennen, etwas bewirkt?

Ich glaube, dass diese Art von Message, die in einem Soulsong steckt, schon immer funktioniert hat. Das war so bei meinen großen Vorbildern Michael Jackson und Marvin Gaye, das ist so bei lebenden Legenden wie Al Green, und das funktioniert auch bei musikalischen Helden wie John Legend.

Apropos - nervt dich der Vergleich mit ihm?

Überhaupt nicht, das ist doch eine große Ehre! Ich hoffe, dass wir irgendwann mal einen Song zusammen aufnehmen können! Aber erst, nachdem ich mit meinen absoluten Favoriten wie Al Green oder Stevie Wonder zusammen vorm Micro gestanden habe! (lacht)

Auf Fotos siehst du immer so ernst aus - dabei bist du doch eher ein fröhlicher Typ ... Wie kommt das?

Ich bin wohl doch noch eine bisschen schüchtern und das Posen noch nicht so gewöhnt.

In einem deiner Videos, genauer gesagt bei "You Make Me Smile", spielst du in einer U-Bahn-Station mit deinen Musikern. Wie war das?

Es war großartig, die Leute wussten zuerst gar nicht, wo sie hingucken sollten, wir sind ja recht viele. Aber es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht!

Ja, das sieht man. Woher nimmst du denn deine Inspiration?

Das klingt vielleicht etwas merkwürdig, aber ich nehme sie wirklich überall her. Die Musik sprudelt wirklich aus mir heraus, und mal abgesehen davon, dass andere Künstler mich natürlich beeinflussen, kann ich wirklich allem und jedem etwas abgewinnen.

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In "I Am Beautiful" singst du davon, wie wichtig es ist, dich selbst zu akzeptieren. Ab wann hast du dich so genommen, wie du bist?

Das muss so nach der Highschool gewesen sein. Vorher ist es nicht leicht, so viele Dinge verändern sich in deinem Leben, du selbst, der Körper, deine Gedanken, die Umwelt. Aber irgendwann ist es dann auch gut. Ich habe allerdings beobachtet, wie sich meine Nichte zu dem Zeitpunkt, als sie sich kurz vor der Pubertät befand, auch so gewunden hat wie ich in ihrem Alter, und mit dem Song wollte ich ihr eigentlich nur ein bisschen helfen, sich so zu akzeptieren wie sie ist.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Lena Meyer-Landrut? Du hast ihr ja den Song "At All" geschrieben.

Wir haben uns bei einem Auftritt kennengelernt und ich fand sie ungewöhnlich. Ein ganz spezielles Mädchen am Anfang ihrer Karriere. Sie hat eine Superstimme und wir haben uns darüber unterhalten, wie es ist, so von einem auf den anderen Tag berühmt zu werden und welche Nachteile das leider auch haben kann. Ich war ja schon viel gefestigter, denn als ich angefangen habe, so richtig Musik zu machen, war ich bereits älter. Aber sie muss sich damit auseinandersetzen, dass sie zum Beispiel im Internet von Gleichaltrigen gemobbt wird. Jugendliche können grausam sein.

"I Need A Dollar" war der Titel-Song der HBO-Serie "How To Make It In America" - hast du denn inzwischen das Gefühl, dass du es geschafft hast?

Oh ja, schon sehr viel zumindest! Ich kann mich und meine Familie ernähren, ich habe eine Band, die ebenfalls von dem leben kann, was wir hier machen und es wird immer besser. Ich habe wirklich Glück, die letzten Jahre sind gut gelaufen.

Du hast ja in einer großen, internationalen Unternehmensberatung gearbeitet - welchen Tipp hast du denn in Bezug auf die europäische Schulden-Krise, die momentan die Schlagzeilen beherrscht?

Oh, das ist nicht so leicht bis gar nicht zu beantworten - da wäre ja sonst schon jemand anderes drauf gekommen! Aber für mich gilt: Wir müssen alle zusammenhalten. Ich meine, keiner kann etwas für die Lebensumstände, in die er geboren wird, die Hautfarbe, die er hat oder das Land, in dem er lebt. Und ich glaube definitiv, dass es nichts bringt, wieder zu alten Landeswährungen zurückzukehren (lacht). Aber ganz ehrlich: Ich vermisse meinen alten Job echt nicht, auch, wenn ich da eigentlich eine ganz gute Arbeit hatte (Aloe Blacc war durchaus erfolgreich, und da er im Bereich Sanierung und nicht Abwicklung tätig war, war er auch da ganz glücklich, Anm.d. Red.).

Was sind deine nächsten Pläne?

Touren, Konzerte geben, ein neues Album, aber vor allem würde ich gerne auch als Schauspieler arbeiten, vielleicht kann ich da sogar noch mehr erreichen als mit der Musik.

 

So, wie die Dinge gerade für ihn laufen, ist davon auszugehen, dass er auch in dem Bereich Erfolg haben wird.

Mit Aloe Blacc sprach Sabine Oelmann

Quelle: ntv.de

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