Kino

"Keine Ahnung, was da draußen abgeht" Cyrus spielt eigene Generation

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Mutter und Tochterbeziehung: Ein ständiges Auf und Ab.

(Foto: Promo)

Gefühlschaos, Streit mit den Eltern und das erste Mal ... Dass die Pubertät eine anstrengende, aber auch besonders intensive Phase ist, zeigt Lisa Azuelos Film "LOL" mit Miley Cyrus und Demi Moore. Klar wird: Auch 16-jährige Töchter wollen sich in den Arm ihrer Mutter kuscheln und Beziehungsgespräche funktionieren heutzutage super per Chat.

Jungschauspieler wie Miley Cyrus müssen häufig hart dafür arbeiten, um sich von dem Image ihrer ersten großen Rolle zu lösen – vor allem, wenn an ihnen der Ruf einer Disney-Ikone haftet wie an Cyrus der der Hannah Montana. Die US-Amerikanerin sagt selbst, sie hoffe, jeder respektiere, dass sie in den letzten Jahren gereift sei: "Deshalb wähle ich Rollen, mit denen ich mich in meinem Alter gut identifizieren kann". Eine Chance auf den erhofften Image-Wandel bietet ihr die Teenagerkomödie "LOL – Laughing Out Loud", die als US-amerikanisches Remake des gleichnamigen französischen Films von 2008 in Chicaco unter der Regie von Lisa Azuelos gedreht wurde. Als Hauptdarstellerin spielt Cyrus Lola eine sich von ihrer Mutter unverstanden fühlende Jugendliche, deren Leben um Liebe, Trennung und Freundschaft kreist. Die mit ihrer heranwachsenden Tochter häufig überforderte Mutter ist mit Demi Moore besetzt.

Die Chance, sich in einem neuen Licht zu präsentieren, bietet der Film nicht nur dem Hannah-Montana-Star, sondern auch dem Jungschauspieler Douglas Booth (bekannt aus der BBC-Biografie "Worried About the Boy"), der die Rolle von Lolas großer Liebe Kyle besetzt, und Ashley Greene (bekannt aus der "Twilight"-Reihe), die die Rolle von Lolas Konkurrentin Ashley übernimmt.

Tagebuch statt Cashmere-Pulli

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Eigentlich durfte Lola nur zwei bis drei Freundinnen einladen, aber es wurde eine Riesenparty.

(Foto: Promo)

Der Plot von LOL? Lola ist zutiefst gekränkt, als ihr Freund Chad (George Finn) ihr offenbart, dass er sie in den Ferien betrogen hat. Trost findet sie in ihrem Tagebuch und beim schönen Kyle, ihrem besten Freund, in den sie sich verliebt. Zwar erwidert Kyle ihre Gefühle, doch seine Freundschaft zu Chad verkompliziert sein Verhältnis zu Lola. Die beschäftigt sich unterdessen mit ihrer Jungfräulichkeit - und damit, wie sie die am besten los wird. Denn Lola fürchtet sich, Kyle ihre Unerfahrenheit zu gestehen. Als Anne verzweifelt unter Lolas Bett nach ihrem Kaschmir-Pulli sucht und stattdessen auf Lolas Tagebuch stößt, erfährt sie, was im Kopf ihrer Tochter tatsächlich umherspukt. Das Vertrauen der beiden zueinander ist gebrochen. Eine ausufernde Party, schlechte Zensuren und eine körperliche Auseinandersetzung mit Chad in der Schule lassen Lola in einem noch schlechteren Licht bei ihrer Mutter erscheinen. Fast verbietet die ratlose Anne ihrer Tochter, mit auf die heißersehnte Klassenfahrt nach Paris zu fahren. Doch letzten Endes bricht Lola doch noch mit Kyle und den anderen Klassenkameraden auf in die Stadt der Liebe …

Im Vergleich zu anderen Teenie-Komödien brilliert LOL durch eine vergleichsweise realistische Darstellung junger Menschen. Lola und ihre Freunde streiten sich mit ihren Eltern, gehen gerne feiern, trinken und kiffen auch mal. Sie sind aber weder pervers oder hängen unter ständigem Drogeneinfluss durch wie in "American Pie" & Co, noch sind sie "all-time-happy" wie in Disneys "High School Musical". Treffend abgebildet wird die Jugendkultur in LOL besonders durch die zentrale Rolle, die moderne Kommunikationsmedien im Leben der jungen Menschen ganz selbstverständlich einnehmen. Nach einer Auseinandersetzung in der Schule blockiert Lola ihre Facebookseite für ihren Streitpartner, der trendy Mac Book Pro steht auch beim Mittagessen in Sichtweite und über den Microsoft Messenger tauschen sich Lola und ihre Freunde konstant aus.  Auch Lolas Spitzname LOL ("ich lach mich tot") ist natürlich eine Anspielung auf die im Film immer wieder verwendete Chatsprache.

Ohne Handy geht’s nicht mehr

Bewusst macht der Film einmal mehr, dass Jugendliche heute IMMER erreichbar und NIE wirklich alleine sind. Dementsprechend angepasst haben sich auch die Bestrafungsmethoden der Eltern. War es früher das Fernsehverbot, das Teenager in den Wahnsinn trieb, ist es in LOL die Wegnahme des Handys durch den autoritären Vater, die Kyle unerträglich erscheint.

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Lola mit ihrer großen Liebe Kyle.

(Foto: Promo)

Trotz der generell treffenden Darstellung junger Menschen kommen die Hauptfiguren in einigen Punkten der Traumvorstellung vieler Teenies näher als dem tatsächlichen Durchschnittsjugendlichen. Mit ihren rosigen Wangen und durchgestylten Outfits verfügen alle, bis auf Nerd Wen (Adam Sevani), über ein makelloses Äußeres. So wirkt vor allem Douglas Booth in der Rolle von Kyle, der im echten Leben für Burberry modelt, häufig so perfekt, dass man meinen könnte, er sei zum Foto-Shooting und nicht zur Schule unterwegs. Oberklassewagen und Markenhandys vermitteln ein Bild US-amerikanischer Oberflächlichkeit.

Mutter-Tochter-Film

Handlungsschwerpunkt bilden nicht nur die Beziehungen zwischen Lola und ihren Freunden. LOL ist auch ein klassischer Mutter-Tochter-Film, der durch die Rolle der Großmutter durch eine dritte Frauen-Generation ergänzt wird. Das ständige Auf und Ab, das das Verhältnis zwischen pubertierenden Töchtern und ihren Müttern in vielen Familien charakterisiert, nimmt man Lola und ihrer Mutter Anne ab – und sieht darüber hinweg, dass sich die beiden äußerlich nicht gleichen. Lola fühlt sich oft unverstanden und strebt nach Eigenständigkeit - doch es wird klar, dass ihre Mutter auch in dieser Phase eine zentrale Rolle in ihrem Leben einnimmt. Erklärt Lola zu Anfang des Films, dass ihre Mutter keine Ahnung habe, "was da draußen abgeht", kuschelt sie sich kurze Zeit später in ihren Arm. Eine Szene, in der Lola Anne als "Miststück" beschimpft, zeigt, wie sich Mütter und Töchter häufig mit entgleisten Worten verletzen.

Lolas Mutter Anne, die im Verlauf des Films begreift, dass ihre süße Kleine kein unschuldiges Mädchen mehr ist, muss sich der veränderten Realität stellen. Allerdings erscheint die sexy Moore mit ihren eigenen Affären nicht immer als glaubhafte Repräsentantin der Muttergeneration. Auch Lolas Großmutter wirkt in manchen Szenen zu entspannt und naiv. Etwa als sie sich auf Lolas Party mit Alkohol abfüllen lässt und im morgendlichen Chaos vor der erbosten Anne Witze über Jointstummel und Kondome reißt. Besser gelingt es Cyrus in der Rolle der Lola, die Gedanken, Ängste und Probleme pubertierender Heranwachsender zu spiegeln. Mit dem Film LOL emanzipiert sie sich einmal mehr von Disneys "Hannah Montana" und lässt erahnen, dass sie auch als junge Frau in vielen weiteren Filmen überzeugen wird.

Quelle: n-tv.de

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