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Manhattanhenge Debbie Clarke, Talent aus Wales

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Ein Traum ist für die Waliserin in Erfüllung gegangen: Ihr Album "Manhattanhenge" ist am Start.

Wenn in einem alten, walisischen Schloss die Geister ihre Verstecke verlassen und durch die langen Gänge spuken, dann kann das nur mit "unfinished business" zu tun haben, wie der Schlossherr erklärt. Oder aber damit, dass eine junge Sängerin aus der Gegend ein Konzert gibt, das niemanden unberührt lässt - auch keine Geister.

Sie ging vom Dorf in die Metropole, stieß ihren Lebensplan als klassische Sängerin um und schaffte es, mit einer E-Mail einen legendären Produzenten zu gewinnen – und das alles mit Mut, Begeisterung, der Leidenschaft zur Musik und dem Traum vom Pop. Zeit, sich das junge Ausnahmetalent aus Wales einmal genauer anzugucken, und zwar vor Ort. In einem Schloss aus dem 14. Jahrhundert, das wie gemacht scheint für Konzerte des 21. Jahrhunderts, gab die junge Waliserin mit ihrer Band eine Kostprobe aus ihrem neuen Album "Manhattanhenge". Alle Anwesenden waren sich einig: Die hat was. Und aus der wird was. n-tv.de sprach mit Debbie Clarke.

 

n-tv.de: Hi Debbie, wie geht es dir?

Debbie Clarke: Oh, es geht mir fantastisch. Ich bin momentan bei diesem wahnsinnig schönen Wetter in Deutschland unterwegs, gebe Interviews und bin so gespannt darauf, wie mein Album hier ankommen wird. 

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Debbie Clarke erinnert äußerlich ein bisschen an Adele, ...

Zuerst einmal danke für das wunderschöne Konzert in Wales, bei dem dich ein paar Glückliche in einem Schloss in Wales sehen durften. Das war ein außergewöhnliches Erlebnis.

Ja, hat mir auch sehr gut gefallen! Es war eines meiner ersten Konzerte überhaupt, vor allem in der Konstellation mit der Band, in dem Schloss und dann auch noch in meiner Heimat. Ich habe vorher noch nie in einem Schloss gespielt, das war schon ein ganz besonderes Erlebnis, einfach traumhaft.

Vorher bin ich immer nur mit meiner Gitarre aufgetreten, oder ich saß allein am Klavier. Aber jetzt mit der Band war es etwas ganz Besonderes. Die Chemie stimmte einfach, und ich habe jede Sekunde davon genossen. 

Was hat sich seit dem Konzert denn für dich verändert?

Ja, alles läuft perfekt. Mein Album ist gerade herausgekommen, wir haben ordentlich daran gefeilt, und jetzt hoffen wir alle natürlich, dass auch alles funktioniert, dass die Leute die Musik lieben und dass die Band und ich ein paar Auftritte haben werden. Wir hatten ein paar kleinere Show-Cases, und jetzt hoffen wir natürlich, dass das als Erfahrungsschatz reicht, um größere Auftritte zu meistern! (lacht)

Erzähl' mal bitte ein bisschen was über Wales, was für dich dort wichtig ist, was das Besondere ist - an der Landschaft und den Städten und den Menschen ...

Das ist einfach (lacht). Ich hab' ja mit neun Jahren angefangen zu singen und das, was mir an Wales am meisten am Herzen liegt, ist eigentlich die Zeit, die ich mit meinem Vater in den Wäldern dort verbracht habe. Er hat als Förster gearbeitet, und so bin ich oft Stunden mit ihm unterwegs gewesen und er hat mir alles über die Natur erzählt. Ich habe da aber auch ganz ungestört singen und meine Stimme ausprobieren können.

Man kann schon sagen, dass die Landschaft meiner Heimat einen großen Einfluss auf mich als Musikerin hatte. Deswegen habe ich auch dort mein Video gedreht, ganz in der Nähe von meinem Zuhause. Das heißt für mich, dass ich meine Heimat und die Zeit und Art, wie ich aufgewachsen bin, mit in meine Zukunft transportiere, auch wenn ich nicht da bin. Es ist auch ein sehr spiritueller Ort für mich.

Wenn man Wales aus der Ferne betrachtet, dann kommt es einem ja geradezu wie eine Märchenlandschaft vor.

Ja, genau, so ist das aber auch da (lacht). Es ist so schön, und auch ein wenig mystisch. Aber so tolle Gegenden habt ihr in Deutschland doch auch. Zum Beispiel Baden-Baden, das finde ich ganz besonders dort. Ja, und Wales hat ein paar Plätze zu bieten, die eben auch sehr besonders sind. Auch, weil es so hügelig ist und so grün, das sieht an manchen Stellen geradezu unwirklich aus. Aber es ist eigentlich wie überall auf der Welt: Jedes Land hat doch seine Besonderheiten, oder?

Du wusstest schon mit neun Jahren, dass du Sängerin werden möchtest - ganz schön jung. Was hat dich so sicher gemacht?

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... stimmlich mehr an Sarah Brightman.

Das hat sich so in der Grundschule entwickelt, ich habe da im Chor gesungen und gemerkt, dass ich das echt gerne mache und wohl auch ganz gut kann. Ich wusste, ich habe da eine Kraft in meiner Stimme, die ich auch nutzen sollte. Ich wusste einfach, dass mein Herz für die Musik schlägt.

Wer ist denn dein Lieblingssänger, hast du ein Idol?

So viele, dass ich sie gar nicht aufzählen kann, aber spontan fallen mir die Eagles ein, Lynyrd Skynyrd, und wenn ich eine Sängerin als mein Idol bezeichnen sollte, dann wäre das Mary Hopkin (eine walisische Sängerin, die ihren größten Erfolg 1968 mit dem Titel "Those Were The Days" feierte und übrigens mit Debbies Produzent Tony Visconti verheiratet war.) 

Und außerdem stehe ich total auf Gladys Knight, die ist zwar viel bluesiger als ich, aber ich liebe diese Musik einfach.

Wo nimmst du deine Ideen her, du hast dein Album ja überwiegend selbst getextet, oder?

Tatsächlich ist es so, dass ich mir die Inspiration aus der Natur hole. Ich weiß, das hört sich abgeschmackt an, aber so ist es nunmal (lacht). Ich denke ganz viel an die Zeit, als ich klein war, wo ich aufgewachsen bin, mit wem, und dann fällt mir ein Text ein. Ja, die Vergangenheit inspiriert mich, die Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin. Das wird in dem Song "Lay Down" ganz besonders deutlich, finde ich. Es gibt auch immer wieder Momente im Leben, wo es einfach hilft, wenn man seine Gefühle, welche auch immer, in Musik ausdrücken kann.

Bei meinem Lied "Music Boat" ist es eher so, dass es mit Menschen zu tun hat. Und tatsächlich habe ich bei dem Song immer das Gefühl, dass da jeder reinpacken kann, was er will, er wird schon etwas für sich finden. Und natürlich inspirieren mich andere Menschen dann auch immer wieder. Meine Familie, meine Freunde.

Bei dem Konzert in Wales hatte ich den Eindruck, dass alle anderen Musiker Deutsche waren, ist das richtig?

Ja, die kommen alle aus Hamburg und Hannover.

Und wo habt ihr euch kennengelernt?

Bernd Dopp (Warner Music Chef, Anm. d. Red.) hat uns vorgestellt. Er kannte den Bandleader, Ingo Hassenstein, Und er hat dann das ganze Line-Up für mein Album zusammen gestellt. Er hat es hinbekommen, dass es wirklich richtig gut gepasst hat.

Ja, es wirkte so, als würdet ihr seit Jahren miteinander auftreten. Ihr habt einen sehr vertrauten Eindruck hinterlassen.

Danke. Und dabei standen wir erst das dritte Mal zusammen auf der Bühne. Aber es fühlt sich für uns alle so an, als würden wir schon immer zusammenarbeiten.

Du hast mal erzählt, dass du dich gegen ein paar Hindernisse in deinem Leben durchsetzen musstest. Was war das, und wie hast du dein Leben in den Griff bekommen?

Es war schon eine lange Reise für mich, wenn man bedenkt, dass ich aus einer Arbeiterfamilie komme (lacht). Meiner Mutter ging es gesundheitlich nicht gut, und das war hart. Meine Eltern haben mich immer unterstützt, damit ich diese Karriere machen kann, aber wir mussten alle viele Zugeständnisse machen. Und manchmal hatte ich dann schon das Gefühl, dass einfach gar nichts klappt, egal, wie hart ich arbeite. Aber wir haben alle zusammengehalten und ich bin drangeblieben an meinen Vorstellungen und Träumen.

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Macht ihre Träume im Blues-Folk-Country-Keltic-Stil wahr: Debbie Clarke.

Und dann hast du mal gesagt, du möchtest dich mit etwas Höherem, etwas Größerem verbinden, was hast du denn damit gemeint?

Damit meine ich auch die Natur, ehrlich gesagt. Aber ich hatte dann das Gefühl, dass ich mein Sicherheitsnetz, das aus meiner Heimat, meiner Familie und Freunden bestand, verlassen musste, um weiterzukommen. Und dass ich mich auch mal auf andere Menschen einlassen sollte, damit ich mich mit meiner Musik weiterentwickle und überhaupt. Und dafür musste ich in eine Großstadt gehen, was dann London war.

Groß waren ja auch deine Träume - hast du das Gefühl, dass deine Träume jetzt wahr geworden sind?

Ja, also dass ich mich jetzt mit meinem ersten Album unter dem Arm auf Promo-Tour durch die Welt befinde, ist wirklich ein Traum! Ab und zu muss ich mich mal kneifen, weil die Realität eigentlich noch besser ist als der Traum. Und dass alles funktioniert, (lacht) ist wirklich großartig.

Ein paar Worte noch zu Tony Visconti, dem Produzenten deines Albums. Ihr habt euch kennengelernt, weil du ihm eine Mail geschrieben hast. Und er hat geantwortet, kann man das so einfach sagen?

Ja, er hat sich nach 15 Minuten zurückgemeldet. Ich hatte ein Akustik-Set bei der BBC und danach habe ich mir eine Liste geschrieben, auf der ich große Produzenten aufgelistet habe. Tony stand natürlich ganz oben, und ich dachte mir wirklich, hey, schreib' ihm einfach eine E-Mail, vielleicht meldet er sich ja. Ich bezweifelte es zwar, aber ich hab's trotzdem gemacht. (lacht) Zu dem Zeitpunkt hat er gerade mit Danielle Spencer, der Frau von Russel Crowe, an ihrem Album gearbeitet. Jedenfalls hat er sich meinen Demo-Song angehört und mir dann so schnell geantwortet und gesagt, das ich eine der schönsten Stimmen habe und was denn meine Pläne seien und dass er sofort mit mir zusammenarbeiten will. Das hat mich ehrlich umgehauen (Visconti hat schon Legenden produziert wie David Bowie, Thin Lizzy oder T-Tex, Anm.d.Red.). Dann haben wir erstmal eine Weile gemailt und geskypt, und dann hat er gesagt, lass uns anfangen.

Und ist das jetzt der Weg, den du jungen Musikern empfehlen würdest - einfach mal eine Mail schreiben?

Ja, natürlich ist das eine Möglichkeit, wie man sieht, aber ich befürchte, dass das nicht jedes Mal so hinhaut. Grundsätzlich würde ich jedem raten, dass er seine Träume verfolgen soll, aber ich hatte jetzt einfach auch mal Glück! Tony hat gesagt, er bekommt jede Woche Hunderte von E-Mails und er schafft es oft gar nicht, alle zu öffnen. Das war Zufall. Ich habe so viele Hindernisse auf meinem Weg gehabt, und jetzt hat es doch geklappt. Und wenn man auch in den dunklen Momenten an sich glaubt, dann funktioniert es eines schönen Tages auch mal!

Wann sehen wir dich in Deutschland?

Ich hoffe, bald, kann aber noch nichts Konkretes sagen. Jetzt wünsche ich mir, dass euch mein Album gefällt.

 

Mit Debbie Clarke sprach Sabine Oelmann

 

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Quelle: n-tv.de