Kino

Remake von "The Evil Dead" Die Teufel tanzen wieder

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Kai aus der Kiste? Nein, "The Evil Dead".

(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Er ist einer der Horror-Klassiker schlechthin: "The Evil Dead" alias "Tanz der Teufel", 1981 vom späteren Starregisseur Sam Raimi inszeniert. Seine abstrusen Splatter-Effekte und eine angedeutete Vergewaltigung machten ihn ebenso berühmt wie berüchtigt - inklusive Stammplatz auf dem Index. Nun kommt das Remake in die Kinos - von Raimi produziert.

"Psst, ich hab da was." Ungefähr so klang das, wenn man auf dem Schulhof angesprochen wurde. Diejenigen, die einen so ansprachen, waren immer Jungs, häufig ein oder zwei Klassen über einem und dementsprechend etwas älter. Und das, was sie hatten, waren zum Beispiel Zigaretten, irgendwo zu Billigpreisen abgestaubte Leerkassetten oder VHS-Kopien von eigentlich ausschließlich Erwachsenen vorbehaltenen Filmen. Kurz: Es waren die Dinge, die diesen unwiderstehlichen Reiz des Verbotenen ausübten. Und so rauchte man irgendwann seine erste Kippe, freute sich über die günstigen Tapes aus dubiosen Quellen und guckte vielleicht das erste Mal einen Porno. Oder aber einen Horrorfilm.

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Ähnlichkeiten sind nicht ganz unbeabsichtigt - Szene aus "Tanz der Teufel" von 1981.

(Foto: New Line Cinema)

"The Evil Dead", auch als "Tanz der Teufel" bekannt, war da ein ganz besonderes Schnäppchen. Schließlich fehlte dem Streifen nicht bloß die Jugendfreigabe. Er stand sogar schwuppdiwupp nach seiner Veröffentlichung 1981 auf dem Index. Ja, er galt zu seiner Zeit gar als einer der heftigsten Horrorfilme überhaupt. Super - genau das wollte man als pubertierender Jugendlicher doch sehen.

Tatsächlich hängt dem Streifen seine Vergangenheit der Indizierung durch die Bundesprüfstelle, der Beschlagnahmung durch die Staatsanwaltschaften und der juristischen Auseinandersetzungen - bis hin zum Bundesverfassungsgericht - bis heute nach. Die komplett ungeschnittene Version darf noch immer nicht frei verkauft werden.

Vom Index zum Free TV

Mittlerweile entbehrt das nicht einer gewissen Ironie. Längst wurden und werden zweifellos um ein x-Faches brutalere und üblere Machwerke auf die Menschheit losgelassen als das abstruse Untoten-Gemetzel in "Tanz der Teufel". Weitaus realitätsnähere Horror-Szenarien wie etwa die Folter-Fantasien in den ersten Streifen der "Saw"-Reihe blieben von den Zensurbehörden unbeanstandet. Ja, in geschnittener Form liefen sie sogar im Free TV.

Auch der gesellschaftliche Blick auf die tatsächliche Gewaltverherrlichung durch restlos übertriebene Splatter-Orgien hat sich stark gewandelt - statt auf dem Index landet eine Zombie-Serie wie "The Walking Dead" nun schon mal auf der Nominierungsliste für den Golden Globe. "Tanz der Teufel" hat es bis zum Broadway geschafft - als Musical. Und Sam Raimi, der den Film einst inszenierte, als er gerade erst Anfang 20 war, ist heute ein hochgefragter Regisseur, Produzent und Drehbuchschreiber in Hollywood. Etwas, das ihn mit "Herr der Ringe"-Schöpfer Peter Jackson verbindet. Auch der hatte zu Beginn seiner Karriere schließlich Splatter-Streifen wie "Bad Taste" oder "Braindead" realisiert, die inzwischen Kultstatus genießen.

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Die ebenso bekannte wie umstrittene Vergewaltigungs-Szene gibt es auch im Remake.

(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Rund dreißig Jahre nach "Tanz der Teufel" sah Raimi wohl die Zeit für ein Remake seiner umstrittenen Jugendsünde gekommen. In den Regiestuhl wollte er sich dafür allerdings nicht noch einmal setzen - stattdessen wurde mit dem aus Uruguay stammenden Fede Alvarez ein Filmemacher verpflichtet, der zwar schon Mitte 30, aber als Regisseur noch ähnlich unverbraucht ist wie Raimi zur Zeit des Originals. Bisher hatte er eigentlich nur durch den mit mehr als sieben Millionen YouTube-Klicks bedachten Kurzfilm "Panic Attack!" auf sich aufmerksam gemacht.

Raimi selbst nahm indes im Produzentensessel Platz. Und nicht nur er. Desweiteren gehört mit Rob Tapert auch der Originalproduzent zum Stab. Ganz zu schweigen von Bruce Campbell. Als Hauptdarsteller oblag es ihm seinerzeit nicht nur in "Tanz der Teufel", den Untoten Paroli zu bieten, sondern auch in den beiden Fortsetzungen, die bis 1992 folgen sollten. Doch sich abermals unmittelbar ins blutüberströmte Getümmel stürzen wollte auch er nicht. "Es gab das Verlangen nach einem weiteren Film", ist sich der mittlerweile 54-jährige Campbell sicher. "Aber wie viele Jahre soll ich mir eine Kettensäge umschnallen und in meinem Unterhemd durch die Gegend rennen? Es gibt Grenzen für so etwas."

Vergewaltigung inklusive

Die Geschichte der Neuverfilmung ist natürlich an das Original angelehnt, weicht im Detail jedoch auch stark davon ab. Nach wie vor steht selbstredend eine Gruppe junger Menschen im Mittelpunkt, die einen Ausflug zu einer einsamen Blockhütte im Wald unternimmt. Mit Mia (Jane Levy), David (Shiloh Fernandez), Olivia (Jessica Lucas), Eric (Lou Taylor Pucci) und Natalie (Elisabeth Blackmore) haben die Charaktere dabei schon einmal komplett andere Namen als in der Vorlage aus den 80ern. Zudem beziehen sie das schaurige Quartier in der Wildnis nicht etwa, um dort nur Urlaub zu machen. Vielmehr wollen sie in der Abgeschiedenheit Mia helfen, endlich von ihrer Drogensucht loszukommen und den Entzug durchzustehen. Als sie ein mysteriöses Buch - ohne Tonbandgerät wie im Original - mit Teufelsbeschwörungen finden, nimmt das Unglück seinen Lauf …

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Der Streifen geizt nicht mit Schockeffekten.

(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Manch legendären Moment im Werk von 1981 - wie zum Beispiel die Spielkarten-Situation - sucht man im Remake vergebens. Auf andere Szenen wollte man indes auch in der Neuinterpretation nicht verzichten. Darunter etwa die, in der eine Darstellerin (früher die von Ellen Sandweiss gespielte Cheryl, nun Mia) von diabolischen Bäumen zu Boden gerissen und vergewaltigt wird. Vor allem diese Szene hatte seinerzeit nicht unerheblich zu dem ganzen Trubel um "Tanz der Teufel" beigetragen. Sie wegzulassen, wäre wohl geradezu einer Entweihung des Horror-Klassikers gleichgekommen. Eingefleischte Fans des Originals, auf deren Kinobesuch man sicher nicht zuletzt baut, wären Zeter und Mordio schreiend aus den Lichtspielhäusern gerannt.

Ja, das Remake von "Evil Dead", das ohne die Beigabe eines deutschen Titels daherkommt, wird ganz regulär ab 18 in den deutschen Kinos zu sehen sein. Dabei gliedert es sich schnörkellos in die Reihe all der Horror-Filme ein, die nach seiner Original-Vorlage erschienen und dabei noch deutlich brutaler als Sam Reimis Ursprungswerk sind. Das liegt zum einen natürlich an den heutigen und nicht mehr mit den 80ern vergleichbaren technischen Möglichkeiten, mit denen auch plumpster Splatter so in Szene gesetzt werden kann, dass er reichlich ungekünstelt wirkt. Zum anderen geht der Version von 2013 das Augenzwinkern, das man dem Vorbild bei all seiner hanebüchenen Action durchaus unterstellen konnte, so gut wie vollkommen ab.

Die Horror-Karawane ist seit 1981 weitergezogen und hat "Tanz der Teufel" dabei längst überrollt. Die Handlung nach dem Prinzip - sorry für die politisch unkorrekte Umschreibung - der "zehn kleinen Negerlein" wurde mittlerweile unzählige Male kopiert, dupliziert und repliziert. Dem hat auch "Evil Dead" 2013 nichts Neues hinzuzufügen. Außer der schon beinahe notorischen Potenzierung von nackter Gewalt, Ekel und Grausamkeit. Man muss das nicht unbedingt ärgerlich finden. Aber zumindest überflüssig.

"Evil Dead" 2013 läuft ab dem 16. Mai in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de