Kino

Fear good Movies: 5 aus 25 Diese Filme müssen Sie sehen!

TheRev_6_r4_c3.jpg

Er will doch nur spielen: Ausschnitt aus "The Revenants", einer Zombie-Komödie.

Man nehme eine Hasch-Oma, beißwütige Aliens, rachelustige Vampire, turtelnde Zombies und norwegische Ninja. Würze das Ganze mit Special-Effects und Kunstblut. Packe noch ein paar Stars wie Natalie Portman oder Daniel Craig dazu - fertig ist das Fantasy Filmfest. Das sind die Top-Filme.

Rabenschwarze Dunkelheit umgibt sie. Die völlige Stille macht ihnen Angst. Beides bedeutet Unheil. Sie pressen sich angstvoll in ihren Sitz, versuchen an etwas Schönes zu denken. Dann erklingen leise Geräusche. Erst ein hohes Quietschen neben ihnen, dann ein tiefes Knarzen hinter ihnen. Sie schrecken auf. Sie nehmen ein Surren wahr. Unscheinbar erst, dann wird es lauter und etwas bewegt sich in der Dunkelheit. Vor ihnen. Ihr Herz fängt an, immer schneller zu schlagen. Unkontrolliert. Dann geht der Vorhang auf und sie erinnern sich: Sie sitzen im Kino, der Trailer beweist es: Es ist das Fantasy Filmfest.

Rund 70 Filme liefen in 9 Tagen in Berlin. Sie wurden von den Machern des Festivals, das in diesem Jahr zum 25. Mal stattfindet, aus mehr als 1000 Filmen ausgewählt. 25 davon habe ich mir in 8 Tagen angeschaut. Der Durchschnittsdeutsche braucht dafür 17 Jahre, denn laut FFA geht er nur 1,5 Mal im Jahr ins Kino. Aber das nur am Rande. Jetzt ist Fantasie gefragt - Ihre. Vergessen Sie ihre Vorurteile über das Fantasy Filmfest, über Horrorfilme, über Thrash-, Slasher- und billig produzierte B-Movies. Vergessen Sie, was sie über Zombies, Vampire und Aliens wissen. Lassen Sie sich auf Neues ein, auf etwas Aufregendes: "fear good movies" - 5 aus 25. Die fünf besten Filme des Fantasy Filmfests 2011:

"Urban Explorer"

Urban Explorer.jpg

"Urban Explorer": Deutscher Horror kann auch lustig sein.

"Welcome to the dark side of Berlin!" Mit diesen Worten werden vier junge Touristen aus den USA, Frankreich und Südkorea begrüßt, die sich gemeinsam auf eine geführte, düstere Tour durch den abenteuerlichen Untergrund Berlins aufmachen. Sie wollen etwas erleben, etwas Besonderes sehen, etwas wie den "Fahrerbunker". Aber die vielen Tunnel und Ebenen unter der Hauptstadt bergen jede Menge Überraschungen, auch solche, auf die man lieber gern verzichtet hätte. "Bekanntschaften", die ein Leben völlig verändern können - seien es Verbrecher, Nazis oder durchgeknallte Ex-DDR-Grenzsoldaten.

"Urban Explorer" ist ein deutscher Horrorfilm, der das Grauen in den Tunneln und Schächten unter der Stadt freilässt, mit viel Humor, aber auch mit harten, atmosphärisch dichten Bildern. Es ist ein Film, der längst überfällig war und sicher nicht der letzte seiner Art sein wird. Denn dafür gibt es einfach zu viele Geheimnisse, die unter Berlin schlummern und die darauf warten, entdeckt zu werden - oder auch besser nicht.

"Stake Land"

Es ist vollbracht. Die USA, wie wir sie kennen, ist Geschichte. Nicht etwa wegen der Schuldenkrise. Nein, eine Vampirplage hat das Land von "Uncle Sam" in Schutt und Asche gelegt. Die Opferzahl ist enorm. Es sind all jene, so scheint es, die es nicht schnell genug zu ihrem Waffenschrank geschafft haben. Doch ein Mann stellt sich ihnen entgegen. Der "Mister" gabelt unterwegs einen Jungen auf, der gerade zur Waise geworden ist. Auf ihrer Reise durchs Land, ab in den für sicher gehaltenen Norden - natürlich ist es Kanada - bereitet er ihn auf dem Kampf gegen die Blutsauger und für das weitere Überleben vor. Das Duo vergrößert sich zeitweise und schrumpft dann wieder deutlich.

stakeland.jpg

Ein Junge wird zum Mann: "Stake Land".

"Stake Land" ist ein Film, der eine bekannte Story mit wunderschönen Bildern umsetzt und zum Nachdenken anregt. Es ist ein Film, der in Erinnerung bleibt, auch weil er nicht das bei Vampirfilmen sonst obligatorische Gemetzel in den Vordergrund stellt, Das gibt es natürlich auch (am Rande und recht heftig), im Wesentlichen geht es aber vor allem um die Themen zwischenmenschliche Beziehung und Erwachsen werden. Absolut sehenswert!

"Super"

Jeder träumt doch davon, sich einmal wie "Spiderman" durch die Luft zu schwingen, von Haus zu Haus, oder wie "Superman" die Welt zu retten oder wie "Batman" das Verbrechen zu bekämpfen - also schlicht und einfach davon, ein Superheld zu sein. Hollywood sorgt derzeit mit jeder Menge Comicverfilmungen dafür, dass dieser Traum nie sterben wird, sondern von Generation zu Generation weitergegeben wird. Fast wie die obligatorische Strumpfhose des jeweiligen Superhelden mitsamt der unerfüllten Liebesbeziehung zu einer schönen Frau.

crisom.jpg

"Crimson Bolt" ist der Superheld aus der Nachbarschaft.

"Super" nähert sich dem Superhelden-Thema von einer anderen Seite. Der Superheld "Crimson Bolt" trägt zwar Maske, Umhang und Superhelden-Logo: Das ganze Kostüm ist aber selber gemacht. Statt stahlharter Muskeln und Waschbrettbauch schleppt er sich übergewichtig in den Kampf gegen die nie enden wollende Ungerechtigkeit auf der Welt, sorgt in Schlangen für die gerechte Bestrafung der Vordrängler. Im Kampf gegen Kleinkriminelle, Drogendealer und das Verbrechen an sich und im Kampf um seine eine große Liebe, seine Frau, ist ein Schraubenschlüssel seine einzige Waffe.

"Super" ist das Witzigste, was ich seit Langem gesehen habe: Der Film, top besetzt etwa mit Kevin Bacon als Bösewicht und Ellen Page ("Juno", "Inception") als Comic-Verkäuferin und Aushilfs-Superhelden-Sidekick, widmet sich in liebenswerter wie sehenswerter Weise dem Thema "ach, wäre ich doch einmal ein Superheld …". Er beweist mit viel bissigem Humor, dass alles machbar ist, was man sich erträumen kann und das "aus großer Kraft, große Verantwortung" erwächst. Brillant!

"Attack The Block"

ATB_7.jpg

Nick Frost ("Shaun Of The Dead") ist bei "Attack The Block" auch mit im Boot.

"Independence Day"? "Krieg der Welten"? "Monsters"? "Attack The Block" setzt im Alien-Genre neue Maßstäbe, weil er voll auf der Humorschiene fährt, gewürzt mit einer Prise Gesellschaftskritik: In einem heruntergekommenen Wohnblock in South London, der wohl auch ohne Weiteres in Frankfurt-Bonames oder Berlin-Kreuzberg stehen könnte, regnen sie plötzlich vom Himmel: schwarze Wesen mit fluoreszierenden Zähnen. Die ersten, die es mitbekommen, sind mit Sweater, Baggie-Pants und Basecaps bekleidete "Homies" aus dem Block oder wie die Politik sagen würde: Problemjugendliche mit Migrationshintergrund.

Mit Baseballschlägern machen sie den Außerirdischen klar, wer das Sagen im Kiez hat, wer der Herr im Block ist. Lacher? Garantiert!

Horror hat viele Gesichter

FF11.jpg

Das Fantasy Filmfest findet in acht deutschen Städten statt. Mehr als 120.000 Zuschauer schauen sich die Filme im Schnitt insgesamt an.

Das sind nur 4 aus 25 Filmen, die man gesehen haben sollte. Sie alle sind durchaus ersetzbar: Während "Urban Explorer" ein Schlag in die Magengrube ist, schmeicheln und umgarnen "Deadheads" und "The Revenant" gekonnt liebevoll das Zwerchfell mit dem offenbar nie sterben wollenden Thema Zombies. Während "Super" eine Hommage an den Comic-Held an sich ist, ist "The Innkeepers" eine Mischung aus "Shining"-Psychogrusel und "Ghostbusters"-Humor, wohingegen "Chillerama" (nicht empfehlenswert, weil er selbst die mit "Dirty Movie" bereits niedrig gesetzte Grenze des guten Geschmacks noch meilenweit unterbietet) ein Loblied auf B-Movie-Thrash-Godzilla-Werwolf-Frankenstein-Klassiker ist.

Und während bei "Attack The Block" Außerirdische die Gewalt in den "Kiez" bringen und bei "Stake Land" Vampire der Menschheit den Garaus machen, nehmen die Menschen das bei "The Divide" und "Snowtown" selbst in die Hand. "Der Horror ist alltäglich geworden", sagt Festivalmacher Rainer Stephan im n-tv.de-Interview. Und er hat recht, wie die durchaus mit aktuellem Hintergrund aufwartenden Streifen "F" (Jugendgewalt an Schulen), "Territories" (Folter, Terrorismus, Guantanamo-Schließung) und "Attack The Block" (Jugendkriminalität in Großstädten) beweisen.

Der Horror ist real und vielschichtig. Er kommt als Thriller ("Last Death"), Actionfilm ("Cat Run", "Norwegian Ninja") oder Komödie ("The Hesher" mit Natalie Portman und einer Wasserpfeife rauchenden Grandma) daher. Horror ist Mainstream ("Final Destination 5", "Cowboys & Aliens" und Underground ("Julia X"). Er ist laut und direkt ("The Divide") und manchmal eben auch leise - und gerade dann besonders sehens- und empfehlenswert:  

"Perfect Sense"

"Perfect Sense" erzählt vom Untergang der Zivilisation, vom "end oft he world as we know it". Es kommt schleichend und leise daher, wie die Stimme auf dem Off am Beginn des Films. Weder Naturkatastrophen noch Außerirdische oder andere Plagen machen der Menschheit den Garaus, auch nicht sie selbst tut es: Aus völlig unerklärlichen Gründen sterben wir, weil wir nach und nach all unsere Sinne verlieren, jeweils angekündigt durch überschwängliche Gefühlsausbrüche.

perfext sense.jpg

Eva Green und Ewan McGregor brillieren in "Perfect Sense". Der deutsche Kinostart steht noch bevor.

Auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Und die Umsetzung macht "Perfect Sense" dann zum "Must Have Seen". Zwei Menschen lernen sich in genau dieser Zeit kennen - und lieben. Sie werden füreinander zum Ein und Alles und versuchen einfach weiterzumachen, zu arbeiten, ein normales Leben zu führen, bis auch der letzte Sinn seinen Geist aufgibt. Ewan McGregor ("Trainspotting", "Star Wars") und Eva Green ("Casino Royale", "Königreich der Himmel") spielen das Liebespaar mit einer solchen Intensität, dass Gänsehaut garantiert ist. "Perfect Sense" ist mit seinem geradezu erschreckenden Realismus kein schnöder Film, sondern ein Weckruf, ein sinnlicher Appell, den man so schnell nicht vergessen wird.

"Perfect Sense" ist die fünfte Empfehlung aus 25 Filmen des Fantasy Filmfests 2011. Viel Spaß jetzt im Kino - oder später auf dem heimischen Sofa!

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema