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Vor vier Monaten gewann sie "X Factor": Edita Abdieski.
Vor vier Monaten gewann sie "X Factor": Edita Abdieski.
Freitag, 18. März 2011

Weltstar oder Casting-Opfer?: Edita meldet sich zurück

Rund vier Monate ist es her, dass Edita Abdieski die erste deutsche Staffel von "X Factor" gewonnen hat. Nun erscheint ihr Album "One". Im Interview mit n-tv.de verrät die gebürtige Schweizerin, wo sie so lange gesteckt hat, was sie über ihre einstigen Mitstreiter denkt und wie sie der Casting-Falle entkommen will.

n-tv.de: Wenn am 18. März Dein Album erscheint, ist es mehr als vier Monate her, dass Du "X Factor" gewonnen hast. Wo warst Du solange?

Edita Abdieski: Ich habe mich im Studio eingebunkert. Nein, im Ernst: Es war mir wichtig, dass ich mir für das Album Zeit nehme, und es nicht so abläuft wie bei anderen Casting-Shows. Viele dachten, als sie mich im Fernsehen gesehen haben, vielleicht: Ach, die arme Kellnerin. Aber man darf ja nicht vergessen, dass ich auch zuvor schon Musik gemacht habe. Ich hatte in der Schweiz ja auch schon mal einen Plattenvertrag. Deswegen wusste ich, wie das im Studio abläuft.

Wie ist es denn abgelaufen?

Nachdem ich ins Studio gegangen bin, wurden mir zunächst Songs vorgestellt. Ich dachte mir: O.k., ich bin nicht gezwungen, jeden Song zu singen, denn das steht nicht im Vertrag. Deswegen habe ich mir alle in Ruhe angehört und ehrlich gesagt, welche mir gefallen und welche nicht. Mir war wichtig, dass ich hinter jedem einzelnen Song auf dem Album stehen kann. Deshalb habe ich Sony das Angebot gemacht, uns ein bisschen mehr Zeit zu lassen, anstatt das Album in der stressigen Weihnachtszeit auf die Schnelle zu machen.

Die Gerüchte besagen hingegen, dass das Album deshalb erst so spät kommt, weil Deine erste Single "I've Come To Life" doch eher gefloppt ist …

Edita machte schon vor "X Factor" Musik.
Edita machte schon vor "X Factor" Musik.

Nein, das stimmt ganz und gar nicht. Dass es mit "I've Come To Life" nicht so gelaufen ist, wie man es sich vielleicht erhofft hat, hat mich gar nicht besonders getroffen. Denn: Die Single habe ich nicht ausgewählt. Das war halt so ein Muss: Big Soul, Mati und ich (Big Soul und Mati Gavriel landeten bei "X Factor" auf dem zweiten und dritten Platz, Anm. d. Red.) mussten die gleiche Nummer einsingen. Da war klar, dass das der Siegertitel wird. Aber die meisten, die die Single gehört haben, waren der Meinung, dass das nicht ich bin. Und genau das wollte ich jetzt beim Album verhindern.

Normalerweise erwartet man nicht, dass Casting-Show-Gewinner so ein Mitspracherecht haben. Schimmert da auch die Philosophie des Formats "X Factor" durch, dem ja vielfach zu Gute gehalten wurde, weniger krawallig und grob zu den Teilnehmern als die Konkurrenz-Sendungen zu sein?

Ich denke, es kommt vor allem darauf an, was für ein Typ man ist. Die Gewinner von Casting-Shows sind, glaube ich, oft in so einem Flash und Adrenalinrausch, dass sie einfach zu allem Ja und Amen sagen. So bin ich nicht. Ich lasse mir nichts vorschreiben - auch nicht, was ich anziehen oder in Interviews erzählen soll. Ich mache das, wie ich Bock habe. Ich glaube, wenn man als Künstler wahrgenommen werden will, muss man sein Ding durchziehen. Und offenbar bin ich jetzt die erste der Casting-Show-Gewinner, die das macht.

Das Album wurde in Berlin aufgenommen …

Ja, außer "The Key". Den Song haben wir in Stockholm aufgenommen.

Was hat Dich denn nach Schweden verschlagen?

Es war so, dass Jörgen Elofsson (schwedischer Songwriter, Anm. d. Red.) "X Factor" mitverfolgt hat. Als er danach mitbekommen hat, dass ich mir mit dem Album Zeit lasse, hat er einen Song für mich geschrieben, von dem er meinte, dass er super zu mir passen würde. Er hat ihn uns geschickt, und ich habe mich natürlich sofort in den Song verliebt. Elofsson ist eine große Nummer – er hat zum Beispiel auch schon für das "Spirit"-Album von Leona Lewis Songs geschrieben. Weil er "The Key" gerne mit mir selbst produzieren wollte, fragte er, ob wir nicht zu ihm nach Stockholm fliegen könnten. Das haben wir gemacht. "The Key" ist einer von drei Songs, die nicht auf dem Album wären, wenn wir es schon am 10. Dezember rausgebracht hätten.

Hast Du selbst auch an Songs mitgeschrieben?

Das Wort "Star" findet Edita schrecklich.
Das Wort "Star" findet Edita schrecklich.

Nein. Dafür war die Zeit für das Album dann wiederum zu kurz, auch wenn ich in meinem Leben schon viele Songs geschrieben habe und das noch immer mache. Die meisten Künstler nehmen sich, um ein gutes Album zu machen, ja ein bis drei Jahre und nicht nur drei Monate Zeit. Aber ich hatte zum Glück genug Zeit, um gute Songs von vielen verschiedenen Songwritern anzuhören und auszusuchen. Die, bei denen es Klick gemacht hat, waren es dann.

Das von Dir angesprochene "The Key" ist ja - nach "I've Come To Life" - Deine zweite Single. Ist das Dein Lieblingssong auf dem Album?

Es ist einer von den Lieblingssongs. Die meisten Songs auf dem Album drehen sich um Liebe, aber bei "The Key" geht es darum, jemandem Mut zu machen und ihn zu motivieren. Es geht darum, jemandem die Augen zu öffnen.

Mit "The Best Thing About Me is You" ist auf dem Album auch ein Duett vertreten - mit Ricky Martin. Wie kam es dazu?

Ricky Martin hat den Song für Amerika mit Joss Stone und auf Spanisch mit einer südamerikanischen Sängerin aufgenommen. Sony Music suchte nun eine Sängerin für Europa. So kam der Kontakt zustande. Ich weiß nicht, wie viele sich da beworben haben. Ich musste das Lied jedenfalls einfach einsingen. Joss Stone ist eine meiner Lieblingssängerinnen und ein Vorbild für mich. Aber mir war wichtig, dass ich sie nicht kopiere, sondern mein Ding daraus mache. Ich musste eine Woche schwitzen und warten, aber dann kam die E-Mail, in der stand, dass Ricky Martin begeistert gewesen sei.

Du bist ihm aber selbst gar nicht begegnet …

Nein, aber das passiert morgen. Ich bin schon total aufgeregt.

So abgeklärt bist Du also noch nicht, dass Dich das kalt lassen würde. Wie aufgeregt bist Du denn noch vor Interviews wie diesem?

Oh, da bin ich immer aufgeregt. Man weiß ja nie, welche Fragen einem gestellt werden. Ich bin wirklich bei allem, was ich tue, aufgeregt. Speziell natürlich, bevor ich auf die Bühne gehe. Da ist es ganz schlimm.

Vermutlich war das auch beim Finale von "X Factor" so. Am Ende hast Du das aber sehr eindeutig mit fast 75 Prozent der Anrufer gewonnen. Hattest Du damit gerechnet?

Viel dreht sich auf Editas Album um Liebe - aber nicht alles.
Viel dreht sich auf Editas Album um Liebe - aber nicht alles.

Nein, ich habe deswegen auch ein schlechtes Gewissen. Ich fand aber genau das das Schöne an "X Factor": Da waren so viele Vollblutmusiker dabei. Und es war so unterschiedlich, dass für jeden etwas dabei war. Wenn man sich die Statistiken anschaut, dann hat es auch vom Ergebnis her während der Staffel echt variiert. Bei den ersten drei, vier Shows lag ich immer so auf dem dritten oder vierten Platz. Erst danach war ich immer ganz weit vorne. Ich habe oft gehört, dass die Leute überfordert waren, weil sie einfach alle toll fanden. Das finde ich wirklich schön. Und ich höre immer wieder gerne, wenn jemand sagt: Ich gucke so einen Scheiß nie, aber das habe ich mir angesehen.

Hast Du heute noch Kontakt zu den "X Factor"-Leuten?

Ja. Sarah Connor etwa habe ich gerade erst eine Mail geschrieben und ihr zu ihrer Schwangerschaft gratuliert. Und was die Kandidaten angeht, habe ich noch ganz engen Kontakt hauptsächlich zu Mati, Marlon, Anthony, Pino und den Big-Soul-Mädels.

Und zu Till Brönner? Er war in der Show ja Dein Mentor …

Ja, natürlich, und er wird es auch immer bleiben. Ich werde ihn jedenfalls immer wieder gerne um Rat fragen und bin, ehrlich gesagt, auch ein bisschen eifersüchtig, dass er demnächst schon wieder neue Kandidaten bekommt. Ich bewundere ihn als Musiker ebenso wie als Mensch. Er hat so eine Coolness und geht mit allem so locker um. Das habe ich insbesondere von ihm gelernt - bei allem extremen Perfektionismus einfach auch mal loszulassen. Ich bin mir sicher, dass ich auch dank ihm gewonnen habe. Er wird für mich immer eine wichtige Rolle spielen, das ist klar.

Du hast es eben angedeutet: "X Factor" geht demnächst in eine neue Runde, die neue Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) läuft bereits, und auch Lenas Lied für den Song Contest wurde in drei Shows ermittelt. Verfolgst Du diese ganzen Casting-Geschichten?

Eigentlich nicht - früher habe ich das eher boykottiert, weil mir die Ehrlichkeit in diesen Shows gefehlt hat. Nur die Stefan-Raab-Sachen fand ich immer sehr angenehm, weil da Leute dabei waren, die wirklich etwas drauf hatten. "X Factor" werde ich ganz bestimmt verfolgen, allein weil ich mal aus einer anderen Sicht sehen will, wie das ist. Lenas Show habe ich geguckt, weil meine beste Freundin bei ihr getanzt hat. Ich finde das, was Lena macht, sehr mutig. Den Titel zu verteidigen, wird sicher nicht einfach. Und sie ist ja gerade erst knapp 20 und eigentlich keine Sängerin. Von dem her: Hut ab. Das hat sie bisher wirklich gut gemacht.

Du sagst, Du hast die Ehrlichkeit vermisst. Aber "X Factor" ist ja auch mit eher fragwürdigen Ambitionen gestartet. Da hieß es zum Beispiel, man wolle einen neuen Weltstar finden. Siehst Du Dich auf dem Weg dahin?

Das Album "One" ist ab sofort erhältlich.
Das Album "One" ist ab sofort erhältlich.

Nein, aber ich finde dieses Wort "Star" allgemein schrecklich. So oft werde ich gefragt, wie ich mich jetzt als Star fühlen würde. Aber ich habe doch noch nicht einmal mein Album draußen. Ich finde, ein Star ist man erst, wenn man mehrere Platten verkauft und sich als Künstler etabliert hat. Klar, das ist mein Traum. Aber ich glaube, mit diesen Aussagen sollte einfach Werbung gemacht werden, weil eben Leona Lewis und Alexandra Burke mit der Sendung in England so Glück hatten. Aber das kann man nicht vergleichen.

Warum nicht?

England und Amerika sind einfach ein ganz anderer Markt. Deutschland braucht da noch ein Weilchen, ist aber auf einem guten Weg. Nimm zum Beispiel Lenas Siegersong. Viele können dem ja nicht so viel abgewinnen, aber ich finde den einfach mal so typisch undeutsch. Die Deutschen trauen sich langsam mehr, das finde ich schön …

Das sagst Du als Schweizerin …

Ja, aber in der Schweiz ist es genau dasselbe.

Zurück zur "Star"-Frage: Beim bisher letzten DSDS-Gewinner Mehrzad Marashi ging es unmittelbar nach seinem Sieg schon wieder steil bergab. Hast Du Bammel davor, falls es nun mit dem Album nicht klappen sollte?

Klar hat man Angst, vor allem, weil ich dieses Album einfach geil finde. Das fände ich schade. Mehrzad hätte meiner Ansicht nach Deutsch singen sollen. Und man muss als Künstler einfach selbst hart arbeiten. Ich glaube, viele denken, dass sie nichts machen müssen und sich zurücklehnen können. Aber das ist nicht so. Ich habe jetzt auch einfach, ohne irgendwen zu fragen, meine Jungs in Köln angerufen und gesagt: Kommt, lasst uns proben. Das hat sich ausgezahlt: Wir hatten im Februar vier Gigs. Wenn man an sich selbst immer weiter arbeitet, kommt es auch zurück.

Mit Edita Abdieski sprach Volker Probst

Edita Abdieski ist im Juni 2011 auf Tour: Köln (2.6.), Hamburg (3.6.), Berlin (4.6.), München (5.6.)

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Quelle: n-tv.de