Kino

"Der Engel mit den dunklen Flügeln" Ein Leben für einen Wein

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Auch die Liebe zwischen Sobran und Celeste beeinflusst den Geschmack des Weins.

"Der Boden und deine Arbeit bilden den Charakter des Weins": Im 19. Jahrhundert kämpft Sobran um seine Liebe zu einer jungen Frau und um die Anerkennung als Winzer. Eines Nachts erscheint ihm ein Engel und trifft sich fortan jährlich mit ihm am gleichen Ort. Die außergewöhnliche Freundschaft lässt auf wundersame Weise die Weinreben aufblühen.

Das Weinanbaugebiet Burgund im Jahr 1808: Der junge Winzer Sobran Jodeau (Jérémie Renier) träumt davon, den größten Wein, den Frankreich je gesehen hat, anzubauen. Doch seine Familie besitzt zwar Land, dennoch arbeiten sein Vater und er ausschließlich für den Comte de Vully und sein Weingut. Und der Wein, den sie für das Château anbauen, schmeckt gewöhnlich: "Ein schönes Weib in einem billigen Kleid." Auch in der Liebe muss Sobran Enttäuschungen hinnehmen. Sein Vater untersagt ihm die Hochzeit mit der jungen Bäuerin Celeste (Keisha Castle-Hughes, "Whale Rider"), weil deren Vater als verrückt galt.

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In vino veritas

(Foto: Capelight)

Eines Nachts trifft Sobran in den Weinbergen auf den Engel Xas. Dieser macht ihm Mut, seine Träume zu verwirklichen – der beste Winzer zu werden, die Frau, die er liebt, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Xas gibt Sobran Reben aus seinem eigenen Garten und nimmt ihm dafür nur das Versprechen ab, nächstes Jahr wiederzukommen. Von nun an treffen sie sich Jahr für Jahr in derselben Nacht, um über das Leben, die Liebe, Verlust und Trauer, Freude und Glück und das Schicksal zu reden. Und all dies in dem angebauten Wein zu schmecken.

Xas bringt Sobran bei, die Erde zu kosten, damit er weiß, woher seine Reben die Kraft nehmen, er rät ihm, den vernachlässigten Hügel zu bepflanzen und einen Keller zu bauen. Doch der Engel sagt Sobran weder die Zukunft voraus, noch beschützt er ihn vor den Widrigkeiten des Lebens, wie den Krieg oder den Tod der kleinen Tochter: "Du hast es selber in der Hand, welches Leben du führen, welchen Wein du anbauen willst." Der enttäuschte Sobran, der mittlerweile für die Erbin des Comtes, der junge Baroness Aurora (Vera Farmiga, "Up in the Air"), das Château leitet, wendet sich von Xas ab, sein Schutzengel hat versagt. Doch die Freundschaft zwischen den beiden ist stärker als der Zweifel. Auch wenn sich Sobran irgendwann fragt, ob sein Engel wirklich ein himmlisches Wesen ist.

Ein Leben für einen Wein

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Engel Xas: Flügel, die nach Schnee riechen.

Wie lange dauert es, einen guten Wein zu machen? Vielleicht ein ganzes Leben. Das ist die Botschaft von Niki Caros Film. In sanften Bildern zeigt Filmemacherin Caro ("Whale Rider") das Leben der einfachen Winzer im 19. Jahrhundert, die nicht nur den Launen der Natur, sondern - ungeachtet ihrer Fähigkeiten - den starren Ständen ausgesetzt waren. Ein weintrinkender Engel, mit einem Körper wie gemeißelt, passt da perfekt in die Szene. Mystisch-sinnlich stand wohl in großen Lettern über dem Drehbuch, doch allzu oft gleitet der Film ins Kitschige ab.

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Erschienen bei Capelight

Die Darsteller sind ohne Zweifel attraktiv und schön anzusehen, können aber der vorhersehbaren Geschichte kaum Tiefe verleihen. Stattdessen schaut man Sobran beim Altern zu, während nicht nur der Engel, dargestellt vom französischen Model und Schauspieler Gaspard Ulliel, sondern auch die Frauen in seinem Leben (Castle-Hughes, Farmiga) unverändert jung bleiben. Jérémie Renier, der an einen jungen Michael York erinnert, kämpft als Sobran redlich mit sich, dem Wein und seinen drei großen Lieben, der instabilen Celeste, der intellektuellen Baronin Aurora und dem Engel Xas, mit dem ihm ebenfalls eine erotische Beziehung verbindet. Dennoch springt der Funke nicht über.

Engel, die schwer an ihren Flügeln tragen, gab es immer wieder in der Filmgeschichte, doch selten gelingt die feine Ironie, die etwa dem Film "Angel-A" des französischen Regisseurs Luc Besson, so sehens- und liebenswert gemacht hat. Bei "Der Engel mit den dunklen Flügeln" gewinnt man fast den Eindruck, die Geschichte über das Geheimnis eines besonderen Weins hätte ohne Engelsflügel besser funktioniert. Doch dann wären vermutlich die Fans der Romanvorlage der neuseeländischer Autorin Elizabeth Knox enttäuscht gewesen. Für sie bietet "Der Engel mit den dunklen Flügel" immerhin eine wunderschöne Bebilderung ihrer Romanträume.

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Quelle: ntv.de