Kino

Das Ende des Wolfsrudels "Hangover 3" bricht die Regel

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Aus dem Weg - hier kommt das Wolfsrudel.

(Foto: Warner Bros. Pictures)

Sie sind zurück. Nach ihren Chaostrips nach Las Vegas und Thailand erleben Phil, Stu, Alan und Doug ihren, so heißt es, wirklich allerletzten "Hangover". Doch, oh Wunder, Katerstimmung will sich bei dem Film nicht breitmachen. Stattdessen entpuppt sich "Hangover 3" als Mogelpackung. Oder?

Dem renommierten Oxford Dictionary zufolge hat "Hangover" folgende Bedeutungen:

1. starke Kopfschmerzen oder andere Nachwirkungen, die von einem exzessiven Alkoholkonsum herrühren

2. ein Brauch, eine Gewohnheit, ein Gefühl etc., das die Vergangenheit überdauert hat

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Unvergessliche Momente - Szene aus dem ersten "Hangover"-Streifen.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Dementsprechend kann man das Wort ins Deutsche sowohl als "Kater" als auch als "Relikt" übersetzen. Dass sich die Teile 1 und 2 der Filmreihe "Hangover" an der ersten Definition orientierten, brauchen wir wohl niemandem ernsthaft zu erklären - auch wenn da bei Weitem nicht nur Alkohol im Spiel war. Was haben wir gelacht, als Dougs Junggesellenabschied in Las Vegas außer Kontrolle geriet, inklusive Mike Tysons Tiger im Bad, dem fehlenden Zahn von Zahnarzt Stu und dem verschwundenen Bräutigam Doug. "Hangover 2" erdreistete sich doch glatt, im Prinzip die gleiche Geschichte einfach nochmal zu erzählen. Auch wenn es diesmal um Stus Hochzeit in Thailand gehen und aus dem Tiger ein Affe, aus dem fehlenden Zahn ein überzähliges Tattoo und aus dem verschwunden Doug der verschollene Schwager in spe namens Teddy werden sollte. Aber sei's drum - die Nummer funktionierte auch beim zweiten Mal immerhin noch so gut, dass sie abermals kräftig die Lachmuskeln strapazierte.

Kein Tiger, kein Affe, kein Tyson

Man durfte gespannt sein, was sich die Macher um Regisseur Todd Phillips für das dritte Abenteuer des selbst ernannten "Wolfsrudels" - bestehend aus Phil (Bradley Cooper), Stu (Ed Helms), Alan (Zach Galifianakis) und Doug (Justin Bartha) - überlegen würden. Denn angesichts des riesigen Überraschungserfolgs von Teil 1 und des nicht mehr ganz so überraschenden Riesenerfolgs der Fortsetzung (mit fast 600 Millionen Dollar Einspielergebnis der weltweit achtgrößte Kassenschlager des Jahres 2011) war schon sehr bald klar, dass es auch "Hangover 3" geben würde. Ebenso klar war allerdings, dass man sich wohl kaum erlauben könnte, das Thema einfach erneut nur zu variieren. Dafür hatten sich dann doch zu viele Kritiker über die Redundanz des zweiten Teils echauffiert.

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Therapie statt Ausnüchterung - Alan soll in "Hangover 3" ins Sanatorium.

(Foto: Courtesy Warner Bros. Pictures)

Und tatsächlich: "Hangover 3" bricht die Regel. Jedenfalls auf den ersten Blick. Mit einem "Kater" und dementsprechend auch mit der Handlung der beiden Vorgänger hat der Streifen so gar nichts gemein. Nein, es gibt keinen berauschten Absturz, kein schreckliches Erwachen, keinen Mike Tyson und noch nicht einmal ein Tier, das eine Hauptrolle spielen würde. Nun gut, eine Giraffe kommt vor, aber - ohne zu viel verraten zu wollen - die macht es nicht lang.

So gesehen, wäre "Hangover 3" eigentlich eine Mogelpackung, wäre da nicht die zweite Definition, die das Oxford Dictionary anbietet. "Es gab im Original kleine Andeutungen, die wir damals vielleicht übersehen haben, die sich aber im großen Ganzen als Schlüsselmomente entpuppen", erläutert Phil-Darsteller Cooper den Ansatz. Und Regisseur Phillips führt aus: "Es gibt jede Menge Action und komische Situationen, einen Raubüberfall, eine lange Reise und auch ein Geheimnis, wenn wir uns jetzt auf Gefilde vorwagen, die wir bisher noch nicht erforscht haben, die aber unterschwellig in den beiden ersten Filmen bereits angelegt sind." Mit anderen Worten: "Hangover 3" soll offene Fragen aus den beiden Vorgängern klären und so mit der Vergangenheit versöhnen - ganz im Sinne des Oxford Dictionary.

Die Wurzel allen Übels

Diesmal rufen weder Doug noch Stu noch irgendwelche Heiratspläne das "Wolfsrudel" auf den Plan, sondern Alan. Nach wie vor hat der bärtige Nerd seine psychischen Probleme nicht im Griff. Nachdem sein Vater über den Sorgen, die ihm sein Sohn bereitet, tot zusammengebrochen ist, halten es alle für das Beste, Alan zu einem Aufenthalt im Sanatorium zu überreden. Doch auf dem Weg dorthin bricht wieder mal das Chaos aus. Diesmal ereilt es die Männerfreunde jedoch nicht etwa durch einen Filmriss, sondern in Form eines brutalen Überfalls. Der Boss der Angreifer, dargestellt vom grandiosen John Goodman, droht mit der Ermordung Dougs, sollte das übrige "Wolfsrudel" nicht binnen weniger Tage Leslie Chow (Ken Jeong) aufstöbern. Denn der bereits aus den ersten beiden Teilen bekannte Ganove habe ihm damals in Las Vegas etwas gestohlen …

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Nie wieder Las Vegas? Von wegen! Nicht ganz freiwillig kehrt das Wolfsrudel dahin zurück, wo alles begann.

(Foto: Courtesy Warner Bros. Pictures)

Was folgt, ist eine Odyssee, die unsere Protagonisten nicht zuletzt auch wieder an die  Wurzel allen Übels - das Casino "Caesars Palace" in Las Vegas - führt. Alles natürlich gewohnt sinnfrei. Schließlich gibt auch Craig Mazin, der gemeinsam mit Phillips das Drehbuch schrieb, ohne Umschweife zu, dass "sich die Zuschauer diese Filme sicher nicht anschauen, weil sie etwas dazulernen möchten, sondern weil sie lachen und sich unterhalten wollen". Dabei setzt "Hangover 3" deutlich mehr auf Action-Elemente als seine Vorgänger. Ja, man könnte sogar von einem Hauch Thriller-Atmosphäre sprechen.

Doch trotz aller Effekte und Stunts kommt auch dieser Aufguss - wie schon der zweite Teil - nicht mehr an das brüllend komische Aha-Erlebnis des Originals heran. Bisweilen gleitet der ansonsten großartige zynische Humor leider zu sehr in Klamauk und Zoten ab. Dennoch: Ein äußerst unterhaltsames Kinovergnügen ist und bleibt auch "Hangover 3" allemal. Wer dabei die Katerstimmung auf der Leinwand tatsächlich vermissen sollte, darf auf keinen Fall mit Beginn des Abspanns aus dem Saal stürmen. Der wahre "Hangover" kommt erst noch - im Zeitraffer.

"Das Ende" steht unmissverständlich auf dem von Phil, Alan und Stu gezierten Kinoplakat. Und auch Regisseur Phillips versichert: "Jetzt präsentieren wir ein wahrhaft episches Finale." Eine weitere Fortsetzung soll es nach dieser Trilogie aber so was von ganz bestimmt nicht geben. Abwarten. Wir sagen nur: "Star Wars". Oder noch besser: "X-Men". Alan ist allemal der bessere Wolverine. Und wäre doch gelacht, wenn sich nicht noch so manche Geschichte um einzelne Charaktere der Reihe erzählen ließe. Und wenn nicht? Dann erwartet die Kino-Besucher schon bald die nächste Attacke aus dem "Hangover"-Universum. Mit "21 & Over" präsentieren Jon Lucas und Scott Moore, die für den ersten Teil der Reihe seinerzeit das Drehbuch lieferten, im Juli ihr Regiedebüt.

"Hangover 3" läuft ab 30. Mai 2013 in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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