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Social-Generation-Horror There’s a new "Carrie" in town!

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(Foto: Sony Pictures)

Wenn man einen Stephen-King-Klassiker verfilmt, der zudem bereits vor einem Vierteljahrhundert kongenial auf die Leinwand gebracht wurde, muss man sich auf Kritik gefasst machen. Dennoch hat "Carrie" mit Chloe Grace Moretz das Zeug dazu, "ganz heißer Scheiß" zu werden.

Stephen Kings Schriftsteller-Karriere liegt in den Händen seiner Frau Tabitha. Die fischt ein paar Seiten Text aus dem Papierkorb ihres Mannes, entfernt die Zigarettenasche davon und liest sie. Tabitha ist überzeugt, dass ihr Mann an dieser Geschichte weiterschreiben muss. Er tut es. Es ist das Jahr 1974 und mit "Carrie" legt er den Grundstein für eine unglaubliche Karriere. Nur zwei Jahre darauf verfilmt der damals noch relativ unbekannte Regisseur Brian de Palma den Stoff - und feiert einen Riesenerfolg, samt zwei Oscar-Nominierungen für die Hauptdarstellerinnen Sissy Spacek und Piper Laurie. Fast 30 Jahre darauf kommt der Gruselstoff nun erneut in die Kinos - und er hat nichts von seiner Aktualität verloren. Ganz im Gegenteil.

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Carrie liebt ihre Mutter, aber sie leidet auch unter deren religiösem Eifer.

(Foto: Sony Pictures)

Die Teenagerin Carrie White ist das, was man die geborene Außenseiterin nennt. Gehänselt und gemobbt von ihren Klassenkameraden, allen voran von der Clique um das It-Girl der Schule, Chris, ergeht es Carrie zu Hause nicht viel besser. Dort trifft sie auf ihre ultrareligiöse Mutter Margaret. Beten und büßen ist ihre Devise - und Carrie muss mitmachen. Begehrt sie auf oder gibt Widerworte, landet sie in einem kleinen Verschlag unter der Treppe. Im Dunkeln kann sie dann über alles Nachdenken und "wieder zu Gott finden".

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Carrie glaubt, sie müsse sterben, als sie ihre erste Periode bekommt.

(Foto: Sony Pictures)

Als Carrie dann ihre erste Periode bekommt, passenderweise nach dem Schwimmunterricht in der Umkleide, glaubt sie, sie müsse sterben. Chris und ihre Clique machen sich über Carrie lustig, werfen mit Tampons nach ihr, beleidigen und beschimpfen sie. Plötzlich flackert das Licht, mehrere Kabinentüren schlagen laut krachend zu. Carries Angst zu sterben weicht einer anderen: War ich das etwa? Steckt wirklich der Satan in mir, wie meine Mutter immer sagt?

Die Sportlehrerin Miss Desjardin nimmt Carrie unter ihre Fittiche und versucht so gut es geht, sich um das verängstigte Mädchen zu kümmern. Sie legt sich mit Chris an, die mittlerweile den "blutigen Carrie-White-Film" ins Internet gestellt hat. Chris darf nicht zum Abschlussball. Eine Frechheit! Sie sinnt auf Rache, auf blutige Rache, versteht sich. Aber da hat sie die Rechnung ohne Carrie White und ihre Fähigkeiten gemacht.

Klassiker in frischem Gewand

Kenner des Kingschen Buches oder von de Palmas Original-"Carrie" merken schon: Die neue Carrie ist ein Remake, auf up-to-date getrimmt. Ein bisschen social network hier, ein paar Smartphones da und natürlich hippe Elektrobeats statt der Gänsehaut-Streicher aus dem De-Palma-Film und fertig ist ein neuer Horror-Klassiker. Nichts anderes stellt de Palmas Original nämlich dar. Da ist Kritik programmiert. Braucht solch ein Klassiker wirklich einen neuen Aufguss? Und wenn ja, kann er es mit dem Original aufnehmen? Die Puristen sagen zum ersten Punkt: Nein! Aber ganz so einfach ist es eben dann doch nicht.

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Die Nacht des Abschlussballs wird Carries Leben für immer verändern.

(Foto: Sony Pictures)

Der Film der Regisseurin Kimberly Peirce sitzt und wirkt - aus g uten Gründen. So ist der Cast ebenso hochklassig besetzt wie im Original. Da wäre etwa Chloe Grace Moretz als Carrie White. Allein wegen ihr lohnt der Kinobesuch. Sie glänzte bereits an der Seite von Ryan Reynolds in Michael Bays Neuverfilmung von "The Amityville Horror". Sie spielte in Martin Scorseses "Hugo Cabret" an der Seite Ben Kingsleys. In "Texas Killing Fields" steht ihr Sam Worthington zur Seite und im US-Remake "Let Me In" brilliert sie ebenfalls. In der Rolle der Carrie kann Moretz ihr volles Repertoire an Schauspielkunst zeigen - aus dem zerbrechlichen Mobbing-Opfer zu Beginn des Films wird so ein eiskalter Racheengel.

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So blutig das Bild auch aussehen mag, "Carrie" ist kein Gewaltschocker.

(Foto: Sony Pictures)

Aber auch die Besetzung der Oscar-Nominierten Julianne Moore als ihre religionsfanatische Mutter Margaret ist ein absoluter Glücksgriff. Der Zuschauer fängt wirklich an, sie während des Films immer mehr zu hassen. Für Aufsehen sorgt dabei schon der Filmbeginn, als Moore alias Margaret Carrie gebärt. Allein, auch Gott scheint sie verlassen zu haben. Sie greift zur Schere, öffnet sie und will sich des hilflos vor ihr liegenden und aus vollem Hals schreienden Babys ein für alle Mal entledigen. Sie tut es - dann doch nicht, aber sie hadert ihr Leben lang mit dieser Entscheidung, mit dieser gezeigten Schwäche.

Bleiben noch die Rollen der "Bösewichter". In de Palmas Film darf ein damals noch relativ unbekannter John Travolta Chris' Freund Bobby spielen. In Peirces Film übernimmt ein ebenso nahezu unbekannter Alex Russell diesen Part. Die wenigsten dürften den australischen Film "Wasted On The Young" zu Gesicht bekommen haben. Aber auch Russell steht wie Travolta einst vor einer großen Karriere.

"Carrie" kann sich sehen lassen!

Schauspielerisch kann das Remake also überzeugen. Wie sieht es filmtechnisch aus? Carries erwachenden telekinetischen Kräfte mögen in den 1970er Jahren noch relativ neu sein, heute ist so etwas ein alter Hut. Aber auch der passt hervorragend. Vor allem in den Schlussminuten des Films wird das deutlich. Dann nämlich, als Carrie sich für ihre allergrößte Demütigung beim Abschlussball an der gesamten Schüler- und Lehrerschaft mit eiskaltem Blick rächt.

Für die heutige abgestumpfte Zeit hätte der Schluss vielleicht noch etwas drastischer ausfallen können. "The Amityville Horror" und "Evil Dead" haben diesbezüglich gezeigt, wo der Horror-Hammer hängt. Aber auch so wird Peirces "Carrie" für Diskussionen sorgen. Remakes sind halt nicht jedermanns Sache - egal, wie gut sie auch immer sein mögen.

"Carrie" läuft ab dem 5. Dezember in den deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de

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