Kino

"Fantastisches" Jubiläum "Horror ist gesellschaftsfähig"

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Szene aus "Chillerama", einem Film des 25. Fantasy Filmfestes. Der Streifen ist eine Persiflage auf die B-Movie-Horrorfilme - und nicht ganz Ernst zu nehmen.

Das Fantasy Filmfest hat sich in Deutschland als Filmfestival etabliert. In acht Städten locken rund 60 bis 70 Filme, verteilt über drei Wochen, mehr als 120.000 Zuschauer in die Kinos. Gezeigt wird alles von Horror über Action und Thriller bis hin zur bitterbösen Satire. Einzige Voraussetzung: Die Filme sollten fernab des Mainstreams sein. Für die Auswahl zeichnet ein Team um Festivalgründer und Rosebud-Chef Rainer Stephan verantwortlich. Aus mehr als 1000 Filmen wählt es die Festivalbeiträge aus. Und die sind auch in diesem Jahr wieder "bitterböse", verrät Stephan n-tv.de. 

n-tv.de: Das Fantasy Filmfest feiert in diesem Jahr Jubiläum. Vor 25 Jahren haben Sie das Festival ins Leben gerufen. Was hat Sie dazu bewogen?

Rainer Stefan: Der Hintergrund war folgender; Es gab damals zwar schon Festivals dieser Art in anderen Ländern. DVDs gab es aber noch nicht und damit auch kaum Chancen, die gezeigten Filme zu sehen. Nur einige gab es auf Video, aber wenn, dann meist auch nur in gekürzten Fassungen. Ein Freund von mir besaß damals in Hamburg ein Kino, und so haben wir uns gedacht, wir versuchen einmal eine Kombination aus Musik und Kino. Das war dann so erfolgreich - auch im darauf folgenden Jahr - dass wir uns entschlossen haben, das Festival auszubauen und in weitere Städte zu gehen. Damit wurde es dann größer, aber auch finanzierbar. Denn auf Dauer nur in einer Stadt - da hätte es sich nicht getragen.

Wie viele Filme waren es damals?

Ich glaube, so um die 30. Es ging damals nur über vier Tage. Es ist dann langsam gewachsen, und seit fast 20 Jahren mittlerweile schwankt die Zahl der gezeigten Filme zwischen 60 und 70.

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Herr des Filmfestivals: Rainer Stephan.

Außer der Filmmenge, was hat sich denn seit den Festivalanfängen noch verändert?

Zu Beginn war das Fantasy Filmfest eine reine Fan-Veranstaltung und das Publikum überwiegend männlich. Das hat sich heute total verändert.

Woran liegt das?

Ich denke, das liegt auch am Festivalprogramm. Anfangs liefen fast nur Horrorfilme. Mittlerweile geht es beim Festival um gute spannende Filme, die abseits des Mainstreams laufen: Thriller, Horror, Action, schwarze Komödien, aber auch Arthaus. Die klassische Genre-Trennung gibt es nicht mehr. In den 80er-Jahren gab es Filme, die wie "Hellraiser" oder "Bad Taste" ganz klar Tabus brechen wollten, die schockieren wollten und das teilweise auch gemacht haben. Heute gibt es das nicht mehr. Die Genres sind vermischt. Horror ist gesellschaftsfähiger. Seine Elemente findet man fast überall, beispielsweise auch im "Tatort".

Das Fantasy Filmfest gibt es in sieben deutschen Städten: Berlin, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Köln, Nürnberg und München. Sind weitere Spielorte geplant?

Derzeit ist keine Ausweitung angedacht. Von der Kapazität, vom Team her, sind sieben Städte das Machbare. Der Versuch im vergangenen Jahr, das Festival auch in den Ruhrpott zu bekommen, ist gescheitert. Das lag zum einen, denken wir, an den Originalfassungen, zum anderen aber auch am organisatorischen Chaos: 8 Städte und 3 Wochen Programm war für uns, im Nachhinein betrachtet, nicht machbar.

Wie haben sich denn die Besucherzahlen des Festivals entwickelt?

Die Besucherzahlen sind in den letzten zehn Jahren enorm nach oben gegangen. Es kommen jedes Jahr neue Leute dazu. Und je mehr Filme in Originalfassungen vom Publikum akzeptiert werden, desto mehr Leute kommen auch zum Fantasy Filmfest. Pro Jahr sind es mittlerweile mehr als 120.000 Menschen.

Um auf die letzten Endes rund 65 im Festivalprogramm laufenden Filme zu kommen - wie viele Filme mussten sie sich in der Vorauswahl anschauen?

Wir sehen weit über 1000 Filme. Ein Teil davon wird eingereicht. Den größeren Teil sehen wir auf Messen und wählen dann aus.

Auf Messen?

Bei den Messen handelt es sich um Filmmärkte, die Festivals wie Cannes, Berlin oder auch Los Angeles angegliedert sind. Da entdecken wir eigentlich das meiste - und das bereits auch sehr früh. Man sieht Filme, die noch nicht fertig sind, die ersten 20 Minuten beispielsweise. Aber das reicht. Man weiß, was kommt.

War in den vergangenen Jahren ein bestimmter Trend bei den Filmen feststellbar? Gab es beispielsweise besonders viele Vampir- oder Zombie-Filme?

Durch die "Twilight"-Saga gab es vor ein paar Jahren eine Unmenge von Vampirfilmen auf dem Markt. Der Großteil davon hat aber nichts getaugt. Viel Masse, wenig Klasse. Das hat sich mittlerweile wieder gelegt. Ein anderer Trend zeichnet sich dagegen schon seit mehreren Jahren ab: Es gibt immer mehr gute Filme, die aus Europa kommen.

Und ganz speziell in diesem Jahr - gibt es da eine Besonderheit?

In diesem Festivaljahr gibt es sehr, sehr viele harte, schnelle, toughe, gut gemachte Thriller. Und vor allem englischsprachige Filme. Letzteres ist aber reiner Zufall. So wurde beispielsweise der französische Beitrag "The Divide" bereits in Englisch gedreht.

Noch einmal rückblickend über die vergangenen 25 Festival-Jahre: Haben Sie einen ganz speziellen Lieblingsfilm?

Es gibt ein paar. Ich würde drei nennen. Aus den Anfangszeiten "The Reflecting Skin", dann aus dem vergangen Jahr "The Scouting Book For Boys" und in den Jahren dazwischen: "Pulp Fiction".

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Sieben Städte - ein Festival.

Haben Sie einen speziellen Tipp oder Lieblingsfilm in diesem Festival-Jahr?

Das ist ganz schwer zu sagen, weil man mit soviel Herzblut da drin hängt und um jeden Film gekämpft hat. Aber ich würde sagen, die französischen Filme.

Apropos französisch: Für Überraschungen sorgten in den vergangenen Jahren vor allem rabenschwarze Komödien wie "A Film With Me In It" oder "Four Lions". Gibt es davon auch in diesem Jahr welche?

Den Bereich böse, rabenschwarze Komödien bedienen auf jeden Fall "Deadheads", "Julia X" oder auch "Hesher". Satirisch-bösartige Filme haben wir genug in diesem Jahr.

Mit Rainer Stephan sprach Thomas Badtke

Quelle: ntv.de