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Sagt uns, was ihr denkt Im Pophimmel: Frida Gold

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Alina Süggeler und ihre Jungs: Frida Gold.

(Foto: Alexander Gnädiger / Warner Music Group)

Sie sind die deutschen Senkrechtstarter des vergangenen Jahres: Frida Gold. Seit vor rund einem Jahr ihre Single "Zeig mir wie Du tanzt" erschienen ist, starten sie durch - ob als Sound-Geber für eine MTV-Kampagne, als Vorband von Kylie Minogue oder nun als musikalische Wegbegleiter der Frauen-Fußball-WM. Sängerin Alina Süggeler wurde trotz der noch jungen Karriere der Band in die deutsche Jury beim Eurovision Song Contest berufen und bekommt schon mal das Etikett verpasst, eine der "10 schönsten Frauen der Welt" zu sein. n-tv.de sprach mit ihr und ihren Mitstreitern Andi Weizel, Tommi Holtgreve und Julian Cassel über das Leben im Pophimmel.  

n-tv.de: Ihr habt im vergangenen Jahr eine regelrechte Senkrechtstarter-Karriere hingelegt. Wie habt ihr das erlebt?

Andi Weizel: Tatsächlich passiert im Moment so viel, dass wir das alles gar nicht richtig mitkriegen. Auch weil wir im Kopf eigentlich immer schon einen Schritt weiter sind und denken: Was passiert in den nächsten Wochen? Wie viel können wir noch mit dem Album machen? Wie viel können wir an uns selbst arbeiten, um dem Ganzen gerecht zu werden? Die Reflexion darüber, wie steil das ist, was gerade passiert, wird wahrscheinlich erst nach und nach stattfinden.

Alina Süggeler: Außerdem glaube ich, dass sich das in die Arbeit einreiht, die wir auch zuvor schon leisten mussten. Für die Öffentlichkeit ist das natürlich so eine Art Senkrechtstart. Aber natürlich arbeiten wir daran schon viel länger.

Mit "Wovon sollen wir träumen" liefert ihr nun auch noch den inoffiziellen Song zur Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft. Wie kam es dazu?

Alina Süggeler: Das ist eine Entscheidung, die ein Stück weit hinter den Kulissen gefällt wurde. Im Detail kriegen wir das ja nicht immer mit. Auf jeden Fall gab es ein Interesse, mit dem an uns herangetreten wurde. Nachdem wir dann gemeinsam nochmal drübergeguckt haben, hat sich herauskristallisiert, dass der Song schon das richtige Lebensgefühl transportiert, das in den nächsten Wochen gefragt ist.

Ich frag' mal die Jungs: Frauen-Fußball - wie steht ihr dazu?

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Faul sein is' eigentlich nicht - die Band arbeitet fleißig an ihrer Karriere.

(Foto: http://rosaundgerlinde.com / Warner Music Group)

Andi Weizel: Wir haben Bock drauf.

Tommi Holtgreve: Auch deshalb, weil viele Spiele im Ruhrgebiet, etwa im Bochumer Ruhrstadion, stattfinden. Wir kommen ja aus dem Pott - und da ist man quasi von Geburt an fußballaffin.

Julian Cassel: Und das verkürzt natürlich die Wartezeit auf die nächste Herren-WM.

Wenn wir schon beim Thema Frauen und Männer sind: Irgendwie seid ihr der Prototyp der neuen deutschen Rockband. Mehrere Jungs und eine Frontfrau - so sehen zum Beispiel auch Silbermond, Juli, Mia. oder Jennifer Rostock aus. Habt ihr eine Erklärung für diesen Trend?

Alina Süggeler: Ist das ein Trend? Ich meine, das gab es doch schon immer, oder? Ich kenne auch genauso viele Bands, die nur mit Jungs bestückt sind und finde nicht, dass das ein Trend ist. Außerdem sind wir ja, so gesehen, auch keine Rockband. Bei den anderen Bands, die Du genannt hast, sind die Gitarreneinflüsse ja viel stärker als bei uns. Das Besondere an uns ist doch, dass wir Popmusik machen, sogar fast lupenreinen Pop.

Bei so einer Band-Konstellation konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Medien oft stark auf die Sängerin. Nochmal die Jungs gefragt: Wie geht ihr damit um?

Andi Weizel: Wir finden das super. Das mit der Konzentration auf Alina wird von außen gerne hervorgehoben. Ich glaube aber, dass das eine natürliche Entwicklung ist, weil wir Jungs quasi schon so in das Ganze eingereiht sind, dass wir gerne nur zwischendurch in den Vordergrund treten und sonst hinter den Kulissen stattfinden. Insgesamt sind wir ein sehr homogenes und lang gewachsenes Konstrukt. Es hat sich einfach so entwickelt, dass wir eine wundervolle Frontfrau haben, die medial super funktioniert, uns aber keinesfalls deswegen in den Schatten stellt. Wir fühlen uns in unseren jeweiligen Rollen wohl.

Alina, laut der Zeitschrift "Gracia" bist du eine der "10 schönsten Frauen der Welt". Wie lebt es sich mit so einem Etikett?

Alina Süggeler: Eigentlich gar nicht so besonders. Im ersten Moment schmeichelt das einem natürlich. Aber das hört dann auch ganz schnell wieder auf. Das sind nicht die Dinge, die wirklich nachhaltig wären. Viel wichtiger sind die Erfahrungen und Begegnungen, die wir bei unseren Konzerten haben, wenn wir mit unseren Fans zusammen sind. Das sind die Momente und Begebenheiten, die einen berühren und an die man denkt, wenn man kurz vorm Einschlafen ist.

Tatsächlich hast du ja aber auch als Model gearbeitet. Bist du ein singendes Model?

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Die Jungs in der Band sind Julian Cassel, Tommi Holtgreve und Andi Weizel (v.l.n.r.).

(Foto: http://rosaundgerlinde.com / Warner Music Group)

Alina Süggeler: Ein böses Blatt hat das mal so betitelt. Aber, nein: Ich habe das nie beruflich gemacht und habe damit auch nie mein Geld verdient. Das ist etwas, das am Rande stattfindet und mit der Popularität von Frida Gold natürlich auch wächst.

Andi Weizel: Aber natürlich ist das auch etwas, das für Dich eine Inspirationsquelle sein kann …

Alina Süggeler: Ja, total. Aber darauf liegt ganz und gar nicht der Fokus. Ich komme aus der Musik - das ist, was ich schon mein Leben lang mache.

Du hast ja nach dem Abitur sogar ein Querflötenstudium begonnen ...

Alina Süggeler: Ja, glaubt man gar nicht, was? Jetzt, wo wir vor Dir sitzen …

Wie kommt man denn dazu?

Alina Süggeler: Das ist harte Arbeit und ganz viel Disziplin auf jeden Fall. Und schrecklich viel Ehrgeiz. Das war tatsächlich das erste Mal in meinem Leben, dass ich das Gefühl kennengelernt habe, an meine Grenzen zu gehen und sie zu überwinden, über mich hinauszuwachsen und richtig gefordert zu werden. Das war eine der wichtigsten Erfahrungen in meinem bisherigen Leben.

Aber wie kommt man auf Querflöte? Das ist doch schon eher ungewöhnlich …

Alina Süggeler: Ja, findest Du? Finde ich gar nicht so. Da gab es schon noch ein paar andere Mädchen, die Querflöte gelernt haben. Das ist da, wo ich herkomme, durchaus ein Instrument, das man ab und an mal spielt.

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Für MTV gab die Band ein Akustikkonzert.

(Foto: Warner Music Group)

Nicht nur Alina, ihr alle habt Euch im Rahmen eines Studiums mit Musik befasst. Hilft einem das im Popgeschäft?

Tommi Holtgreve: So ein Instrumentalstudium hilft einem insofern, dass man sich total fokussieren muss. Man bekommt eine gewisse Ernsthaftigkeit und Grunddisziplin dem Instrument gegenüber vermittelt, so dass man - anders als es Musikern ja gerne nachgesagt wird - nicht nur in den Tag rein lebt. Zudem sind das ja oft sehr kleine Klassen, also nicht zu vergleichen mit einer normalen Uni. Da gibt es einen gewissen Konkurrenzdruck. Und der hilft einem natürlich auch, sich selbst zu pushen. Für eine Karriererichtung, wie wir sie jetzt einschlagen, ist das sehr hilfreich.

Die nächste Frage würde ich normalerweise nicht stellen - aber nachdem ihr das selbst auch auf eurer Homepage thematisiert, mache ich es: Da heißt es, Alina und Andi hätten die meisten Songs für "Juwel" geschrieben, als sie noch ein Paar waren ...

Andi Weizel: Kein Problem. Die Frage darfst Du gerne stellen.

Welchen Einfluss hatte das auf die Songs?

Alina Süggeler: Ich glaube, das war ausschlaggebend für die meisten Songs - nicht unbedingt unsere Situation, aber dieses vertraute Umfeld, in dem wir uns wohlfühlen, fallenlassen und offen und ehrlich miteinander sein konnten. Andi war jemand, dem ich mich so anvertrauen konnte, dass mir keine einzige Zeile, Melodie oder Idee unangenehm war. Für meine künstlerische Entwicklung und meinen Output war das so wichtig, dass ich glaube, dass es ohne ihn gar nicht stattgefunden hätte.

Andi Weizel: Ob etwas erfolgreich wird, hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Aber ich glaube, den Grundstein dafür haben wir vor knapp drei Jahren gelegt, als wir festgestellt haben: Okay, die Songs, die bis jetzt da sind, sind nicht ehrlich genug. Vielleicht ist unsere persönliche Entwicklung auch noch nicht so weit, dass wir den Leuten überhaupt etwas zu sagen haben. Das war quasi Punkt Null, an dem wir gesagt haben: Wir begeben uns jetzt auf eine ganz, ganz lange Reise und arbeiten - an uns selbst, an den Songs und unserer Entwicklung. Ich glaube, das ist das Entscheidende - dass wir jetzt wirklich ein Album geschrieben haben, von dem wir sagen können: Das sind ehrliche Songs. Sie sind oft aus Alinas Sicht erzählt, gelten aber für uns alle und sind ganz nah dran an dem, wie wir leben.

Wenn eure Beziehung großen Einfluss auf die Songs auf "Juwel" hatte, was bedeutet dann eure Trennung für das kommende Album? Macht ihr dann Death Metal?

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Die Heimat von Frida Gold ist das Ruhrgebiet - und soll es auch bleiben.

(Foto: http://rosaundgerlinde.com / Warner Music Group)

(Allgemeines Gelächter)

Alina Süggeler: Nein, wir haben es Gott sei Dank geschafft, dass wir damit im Nachhinein ganz gut umgegangen sind. Wir mussten relativ schnell zusammen weiterarbeiten und haben uns eigentlich jeden Tag weiterhin gesehen. Wir haben in dieser Phase eine totale Freundschaft entwickelt, die natürlich auch schon Teil unserer Beziehung war. Wir sind daran eher gewachsen und ich denke, dass der Austausch noch immer mindestens genauso intensiv ist. Aber dadurch, dass wir die Belastung der gemeinsamen Beziehung - dieses zweiten Babys neben der Band - nicht mehr haben, können wir es nun sicher ein Stück weit befreiter angehen.

Ihr selbst beschreibt Eure Musik ja als "Pop all the way". Was versteht ihr darunter?

Tommi Holtgreve: Zum einen viele Einflüsse, zum anderen möglichst unverklausulierte Emotion - dass man versucht, mit einfachen und sofort begreifbaren Worten ein gewisses Gefühl rüberzubringen.

Pop ist für euch also kein Schimpfwort …

Tommi Holtgreve: Nein, überhaupt nicht.

Andi Weizel: Pop bedeutet für uns eher Freiheit. Da haben sowohl alle Genres als auch Instrumente, Sounds und Ideen Platz und können sich in der Zukunft weiter entwickeln. Wir sind nicht darauf beschränkt, eine Band zu sein, die immer gleich klingt.

Alina Süggeler: Warum sollte denn Pop auch ein Schimpfwort sein? Für wen auf der Welt ist das so? Welche großen Stars reiben sich an dem Wort Pop? Das ist, glaube ich, so was typisch Deutsches. Ich weiß nicht, ob das mit der deutschen Mentalität zu tun hat oder mit dem, was uns der deutsche Popmusik-Markt bisher bietet - offenbar gab es irgendwann einen Knacks, dass jetzt so viele Leute denken, dass es für eine Band schwierig sei, mit dem Wort Pop umzugehen.

Und mit dem Wort Schlager? Manche eurer Songs wie etwa "Aufgewacht" gehen fast ein wenig in die Richtung …

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Als "Pop all the way" beschreiben Frida Gold selbst ihre Musik.

(Foto: Heinrich Holtgreve / Warner Music Group)

Alina Süggeler: "Aufgewacht" ist wahrscheinlich noch einer der komplexesten Songs.

Tommi Holtgreve: Ich glaube, wenn man mal den Umkehrschluss machen und bei vielen englischen Liedern die Texte übersetzen würde, würde jeder sagen: Meine Güte, da kommt ja Andrea Berg um die Ecke.

Andi Weizel: Was heißt Schlager? Sag uns, was Schlager heißt. In vielen anderen Ländern sind Schlager Folk-Musik.

Tommi Holtgreve: Hier hat das halt einen sehr negativen Beigeschmack.

Alina Süggeler: Und wir fühlen uns darin einfach total beschränkt. Es wird einem immer irgendein Gewand übergestülpt. Und es gibt immer irgendwelche bösen Zungen, die irgendetwas darin sehen wollen, das es schlechter macht als es ist.

So meinte ich das gar nicht …

Alina Süggeler: Trotzdem müssen wir darauf vehement reagieren. Mich ärgern einfach diese Kategorisierungen. Ich kann damit auch nichts anfangen. Für mich steht die Emotion im Vordergrund. Wenn man bei "Aufgewacht" kein Gefühl für den Song kriegt, dann hat er auf jeden Fall versagt. Aber wenn man sich berührt fühlt, die Message versteht und in dem Moment an den denkt, den man am liebsten bei sich hätte und mit dem man dieses Gefühl teilen möchte, dann haben wir alles erreicht.

Kommen wir mal von eurer Musik zu der anderer Künstler und Künstlerinnen: Alina saß in diesem Jahr in der deutschen Jury beim Eurovision Song Contest (ESC). Wie kam es dazu?

Alina Süggeler: Ich wurde tatsächlich gefragt. Das war auf der einen Seite natürlich eine Riesenehre für mich. Auf der anderen Seite hatte ich großen Respekt vor der Aufgabe, da ich nicht genau wusste, was auf mich zukommt und wir ja noch am Anfang unserer Karriere stehen. Letztendlich war das aber wirklich ein tolles Team und ich habe mich in der Jury sehr wohlgefühlt, auch in meinem Part als "Küken". Ich habe gemerkt, dass ich zum Teil auf andere Dinge geachtet habe als die anderen, was am Ende zu einem guten Querschnitt beigetragen hat. Das war in jedem Fall eine großartige Erfahrung.

Was war denn dein persönlicher Favorit beim ESC?

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Im Oktober und November tourt die Band erneut durch zahlreiche Städte.

(Foto: http://rosaundgerlinde.com / Warner Music Group)

Alina Süggeler: Ich bin so ein bisschen getingelt. Also, ich fand die dänischen Jungs mit ihrer Rockballade super. Und den Italiener fand ich grandios. Und die Österreicherin - sich da hinzustellen und a cappella so einen Song zu beginnen, an dem sie ja auch noch mitgeschrieben hatte, fand ich auf jeden Fall beeindruckend.

Andi Weizel: Das war lustig, weil Alina mich nach dem Halbfinale angerufen und gemeint hat: Ahh, irgendwie … ahh … Aserbaidschan … das könnte was sein. Da hatte sie schon so ein Gefühl für den Song.

Alina Süggeler: Ja, das war ganz komisch. Der Song ist einfach super. Und ich habe das irgendwie geahnt. Aber ich fand die Performance echt nicht überzeugend. Ich habe zwar wirklich versucht, mich auf die Songs zu fokussieren, aber in dem Fall ging das nicht so ganz.

Wie fandest du Lena?

Alina Süggeler: Sehr speziell, aber auch toll. Sie hat mich damit auf jeden Fall erreicht und berührt. Und ich hätte ihr … Na ja, nein: Für sie als Künstlerin hätte ich ihr eigentlich keine bessere Platzierung gewünscht, weil ich denke, dass sie sich jetzt erst einmal auf die Suche begeben sollte, was sie überhaupt machen möchte. Ich will ihr gar nicht absprechen, dass der Strudel, in den sie hineingeraten ist, auch ihr Wille war. Aber ich glaube, dass so einem Mädel jetzt sicher einfach auch ein bisschen Zeit und Durchschnaufen guttut. Also ein Sieg wäre für sie als Person sicher nicht gut gewesen. Aber für den Song hätte ich mir schon eine etwas höhere Platzierung gewünscht.

Der Song Contest fand in Düsseldorf statt - nicht allzu weit entfernt von eurem Heimatort Hattingen. Ich habe mal gegoogelt: Hattingen hat 55.000 Einwohner. Was ist das Schönste daran?

Alina Süggeler: Wir sind alle Kinder des Potts, kommen aber nicht alle spezifisch aus Hattingen. Julian und ich sind da aufgewachsen, aber Tommi kommt aus Bochum und Andi aus Essen.

Tommi Holtgreve: Alle drei zusammen kriegen wir also schon die Million voll.

Alina Süggeler: Außerdem verwischen im Ruhrgebiet ja die Grenzen, weil man nie weit in eine andere Stadt fahren muss. So wie man in Berlin in einen anderen Bezirk fährt, fährt man da eben von Hattingen nach Bochum oder von Bochum nach Essen. Das Schöne am gesamten Ruhrgebiet ist, dass da das, was wir tun, vielleicht noch nicht so ganz zu Hause ist. Zugleich gibt es aber kreative Strömungen und man kann sich Inspirationen holen, ohne irgendwie "beschattet" und überprüft zu werden. Es gibt keinen, der einem reinredet und Dich auf der Straße anspricht, um schnell dann doch nochmal etwas anderes aus Dir zu machen, als Du es eigentlich möchtest, so wie ich es in Hamburg erlebt habe. Da sind unsere Familien und unsere Wurzeln. Wir fühlen uns da wohl und verstanden. Ich glaube, dass wir da unheimlich gut zu uns selbst gefunden haben.

Du hast Hamburg angesprochen. Dort lebt ja auch Axel Bosse. Auf einen Song von ihm geht ein Teil Eures Bandnamens zurück - nämlich Frida. Was verbindet euch mit Bosse?

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Das aktuelle Album von Frida Gold heißt "Juwel".

(Foto: Warner Music Group)

Alina Süggeler: Julian und ich haben ihn in Hamburg kennengelernt, als wir für ungefähr ein Jahr dort gelebt haben.

Julian Cassel: Ich war da tatsächlich schon Fan von ihm und hatte seine beiden Alben.

Alina Süggeler: Er hatte von Anfang an totale Sympathie für das, was wir gemacht haben, und hat uns dann als eine Art freundschaftlicher Begleiter ab und an ein wenig an die Hand genommen - eher so in kreativen Fragen. Was wir an Bosse toll finden, ist sicher seine Authentizität. Er hat tolle, auch ganz sensible und feine Texte und ist trotzdem so ein rougher Kerl. Diese Kombination ist einfach unschlagbar.

Wir haben Axel Bosse zur Veröffentlichung seines Albums "Wartesaal" ebenfalls interviewt. Die letzte Frage an ihn war, was er zum Glücklichsein braucht. Die stelle ich euch jetzt auch mal. Was fehlt euch angesichts eurer Karriere noch zum Glücklichsein?

Alina Süggeler: Wir haben uns gestern noch darüber unterhalten, wie schwierig es ist, anzukommen, im Moment zu leben und vielleicht auch den Weg zum Glück zu finden, wenn man sich immer wieder nach etwas Neuem sehnt und nach etwas Neuem strebt. Wenn ich für mich persönlich spreche, würde ich sagen, dass ich im Moment dazu noch viel zu sehr auf der Reise und auf dem Weg bin. Ich erhoffe mir sehr, dass ich irgendwann in meinem großen Garten vor meinem schönen Häuschen mit ganz vielen Hunden aus Spanien, mindestens drei Kindern, einem tollen Mann und ganz vielen netten Freunden sitzen und mein Leben genießen kann. Das ist sicher eine Vorstellung, die in mir schlummert und nach der ich mich auch total sehne.

Andi Weizel: Ich glaube, die Frage nach dem finalen Glücklichsein haben wir noch nicht beantwortet. Die werden wir auf den nächsten oder übernächsten Alben vielleicht besingen.

Mit Frida Gold sprach Volker Probst

Das Album "Juwel" von Frida Gold im n-tv Shop bestellen

Quelle: ntv.de