Kino

Wim Wenders' Meisterstück Pina!

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"Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren!"

Die meisten können es kaum erwarten, dass "Pina" endlich in die Kinos kommt, und trotzdem haben viele ihre Zweifel an der 3D-Fassung des Films über die wohl bedeutendste Tänzerin der letzten Jahrzehnte. Ihnen sei gesagt: Vollkommen unbegründet, diese Zweifel! Denn Tanz plus 3D ist ein wahres Geschenk!

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Wenders und die Tänzer auf der Berlinale.

Man muss es einfach mal so hervorheben: 3D ist in diesem Fall das einzig Wahre, das einzig Richtige! Und anders hätte er den Film auch gar nicht machen können! Wim Wenders spricht sehr ruhig, er ist sehr erkältet, die Berlinale ist nicht unbedingt das Pflaster, auf dem man so eine Infektion oder einen Virus auskuriert, aber er ist dabei, immer. Denn es geht um "Pina!", und "Pina!" ist eben nicht nur ein Film, sondern war eine Freundin, deren plötzlicher Tod den Regisseur in große Not gestürzt hat, nicht nur persönlich: "Immer wieder hat sie gefragt: 'Wim, wann machen wir denn nun endlich diesen Film?'. Und ich habe geantwortet: 'Ich weiß noch nicht, wie, Pina!'" Dann überlegt Wim Wenders und trinkt einen Schluck Tee und sagt Sätze, die zum Niederknien sind, denn er spricht druckreif. Im Film und im Gespräch merkt man dem 65-Jährigen an, was ihm dieser Film und diese Frau bedeuten.

Und auch dem tanzunerfahrenen Zuschauer wird bei der Kino-Vorführung klar, dass hier - in Wuppertal - etwas ganz Besonderes passiert ist. Das Projekt haben die Freunde, die großen Respekt füreinander hegten, ursprünglich gemeinsam geplant. Kurz vor Beginn der Dreharbeiten 2009 starb die einzigartige Choreographin jedoch innerhalb weniger Tage an Krebs. Der Film sei deshalb auch Trauerarbeit gewesen, "auch wenn es keine traurige Arbeit war", sagt Wenders. Pina Bausch habe ihm die ganze Zeit über die Schulter geschaut. "Es ist ein Film mit Pina für Pina", so Wenders. "Ich durfte sie sogar Pinchen nennen", fügt er noch hinzu, jetzt, wo jeder ihren Vornamen im Mund zu führen scheint.

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Die Kanzlerin und der Bundespräsident spendeten Standing Ovations.

"Zuerst dachte ich natürlich, dass ich das Projekt abbrechen muss, dass es ohne Pina nicht gehen wird, aber dann merkte ich, dass ich das unbedingt möchte, dass auch die Tänzer ihr auf diese Art Lebewohl sagen wollten, jeder auf seine Art. Sie hätte das genau so gemacht", erzählt der fast heisere Wenders im Berliner Hotel Adlon. "Als ihr Mann starb, hat sie auch weitergemacht, und aus dieser Arbeit sind ihre fröhlichsten Stücke entstanden", weiß er zu berichten.

Pina war dabei

Und so verabschieden sich die Tänzer in "Pina: Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren!" von ihrer Meisterin, ihrer Choreographin, ihrer Freundin. Sehr still, sehr poetisch, sehr leidenschaftlich, aber auch fröhlich - denn sie haben ihr viel zu verdanken. In kurzen Statements erklärt die internationale Compagnie, die in Wuppertal ihr Hauptquartier hat, was ihre persönliche Verbindung zu Pina Bausch war. Das rührt, das ist interessant, das ist mit einer Musik untermalt, die man sofort kaufen möchte, und das sind Bilder, die Wim Wenders mit den Tänzern an ungewöhnlichen Orten inszeniert hat, die man sich immer wieder ansehen möchte. Wir sehen also einen Film, der Pina Bausch, soweit man das beurteilen mag, wohl gerecht wird in ihrer Suche nach Wahrhaftigkeit, nach Ehrlichkeit, in ihrem unablässig fragenden Stil, in der Einzigartigkeit der Körpersprache, die die Tänzer in dem Film zeigen.

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Wenders' Frau Donata hat die Stand-Fotos zum Film gemacht.

(Foto: REUTERS)

Es hat den Anschein, dass Pina Bausch während des Drehs dabei war, man sieht sie nur in einigen kurzen Szenen, wie zum Beispiel in einem Ausschnitt von "Café Müller", aber "ich hatte das Gefühl, dass Pina mir immer ganz nahe war, mir quasi über die Schulter geguckt hat", resümiert Wim Wenders.

Wenders schöpft mit seinem 3D-Film die Grenzen der Technik aus und sagt selbst, er habe sich wie bei "Jugend forscht" gefühlt: "Es war ein ganz anderes Drehen", so Wenders, Bewegungen, die für 3D bisher zu schnell waren und unscharf wirkten, sind bei "Pina" überaus kontrastreich. Am besten ist der Film, wenn die Kameras ganz nah an die Tänzer herangehen, wenn man jede Pore erkennt, jeden Muskel bei der Arbeit sieht, wenn die Tiefe des Raumes, der Bühne, wirklich sichtbar wird und die Leinwand fast grenzenlos erscheint - wie gleich in der Anfangsszene, in der man das Gefühl hat, man könne den Lufthauch des Vorhangs auf der Theaterbühne im Kino an seiner Wange spüren.

Also: Seht, seht, sonst seid ihr verloren! Der Film startet am 24. Februar 2011 in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de