Unterhaltung
In "Project X" geht's nur um eins: Feiern bis zum Umfallen.
In "Project X" geht's nur um eins: Feiern bis zum Umfallen.(Foto: Warner Bros. Pictures)
Donnerstag, 03. Mai 2012

Totalabsturz statt Hangover: "Project X" - das war nix

von Volker Probst

Mit "Hangover" landete Regisseur Todd Phillips einen Überraschungserfolg. Kein Wunder also, dass sein Name nun auch für "Project X" herhalten muss. Schließlich hat er den Streifen produziert. Fragt sich nur, ob der gar nicht mal so unrealistische Party-Film die geschürten Erwartungen auch erfüllen kann.

Wer kennt das nicht? Wenn auf der Leinwand zum Beispiel die "Titanic" mitsamt Leonardo DiCaprio absäuft, die Freundin Sturzbäche flennt und man die Situation zu retten versucht: "Schatz, das ist doch nur ein Film." Das ist "Project X" natürlich auch. Und deswegen übertreibt der Streifen im Dienste der Unterhaltung selbstredend. Aber völlig an den Haaren herbeigezogen ist die Geschichte in Zeiten von Facebook, Twitter & Co ganz und gar nicht. Erst am vergangenen Wochenende geriet die Geburtstagsfeier eines Jugendlichen in Lüneburg außer Kontrolle, nachdem Unbekannte seine Feier im Netz gepostet hatten. Statt der eingeladenen 15 Freunde standen auf einmal rund 100 Gäste auf der Matte - und zerlegten das Elternhaus des Jungen nach Strich und Faden.

Let's party - die Gastgeber und ihre ein, zwei Gäste.
Let's party - die Gastgeber und ihre ein, zwei Gäste.(Foto: -)

Im Prinzip beschreibt dieser Fall aus der Realität bereits hinreichend die Handlung von "Project X". Holen wir dennoch ein wenig weiter aus: Da sind also die drei hochpubertären Jungs Thomas (Thomas Mann), Costa (Oliver Cooper) und J.B. (Jonathan Daniel Brown) der Marke "Loser". Um ihr Image aufzupolieren, kommt der 17. Geburtstag von Thomas gerade recht. "Wir inszenieren eine Party, von der wir noch unseren Enkeln erzählen werden!", lautet der verwegene Plan. Doch dass sie damit SO erfolgreich sein würden, wäre den Schülern nicht im Traum eingefallen. Scharenweise fallen die Feierwütigen in das Vorstadt-Idyll ein, in dem Thomas mit seinen Eltern wohnt - Mami und Papi sind selbstverständlich und dem Party-Gott sei Dank über das Geburtstags-Wochenende verreist. 

Weil der Film ja im Teenie-Milieu spielt, strotzt er nur so vor Witzen und Anspielungen unterhalb der Gürtellinie. Schließlich lautet das Party-Ziel Nummer 1 der Buben, ein paar "High-School-Muschis" flachzulegen. Für das Geburtstagskind zur Auswahl stünden da zum Beispiel seine Sandkasten-Freundin Kirby (Kirby Bliss Blanton) oder aber Schul-Feger Alexis (Alexis Knapp). Für wen wird sich Thomas am Ende bloß entscheiden? Egal, denn die Antwort auf diese Frage ist angesichts des Verlaufs, den die Feier nimmt, nun wahrlich zweitrangig. Die Dinge geraten da doch ein klitzekleines bisschen aus dem Ruder - wer hätte das gedacht?

Nicht noch ein Teenie-Film!

Das Ensemble des Streifens besteht nahezu ausschließlich aus Jungschauspielern, die bis dato komplett unbekannt waren und ihre echten Vornamen überwiegend auch im Film tragen. Weitere zentrale Rollen in "Project X" nehmen ein: Papis geliebter Mercedes, der erlebnishungrige Familienhund, ein Gartenzwerg, der es in sich hat, und ein echter Kleinwüchsiger, der es rauslässt. Auch Regisseur Nima Nourizadeh, bislang vor allem im Metier der Musikvideos beheimatet, ist ein Newcomer im Spielfilm-Geschäft. Nur den Produzenten des Streifens, den kennt man: Todd Phillips - seines Zeichens wiederum Regisseur der zwei "Hangover"-Filme. Und weil die beiden Erfolgskomödien durchaus eine passable Visitenkarte abgeben, wird in der Werbung für "Project X" nur allzu gern auf sie verwiesen.

Welches Mädel hätten's denn gern?
Welches Mädel hätten's denn gern?(Foto: -)

Allerdings: Wer so offensiv den Vergleich sucht, dem sollte klar sein, dass er am Ende dem auch standhalten muss. Das jedoch kann "Project X" sicher nicht. Okay, bei manchem Spruch, mancher Szene und mancher Wendung kann man - oder besser: Mann - sich auch jenseits des Teenager-Alters ein Schmunzeln nicht verkneifen. Nicht zuletzt ist das dem vierbeinigen Darsteller namens Milo und seinen nicht immer freiwilligen Ausflügen ins Party-Geschehen - zu Lande wie in der Luft - zu verdanken. Über weite Strecken des Streifens jedoch beschleicht einen der Wunsch: "Ach bitte, nicht noch ein Teenie-Film." Der exzessiv zelebrierte Vulgär- und Fäkal-Humor mag bei Jugendlichen gut verfangen. Aus Sicht etwas älterer Semester indes wirkt er schon ziemlich stumpf und abgenutzt.

Das Hauptproblem von "Project X" ist jedoch ein anderes: das Fehlen jedweden Spannungsmoments. Es war zuvorderst die Dramaturgie, die "Hangover" seinerzeit zu einem riesigen Überraschungserfolg werden ließ. Das Chaos war vorgegeben. Der Reiz für den Zuschauer bestand darin, nach und nach an der Entwirrung der Hintergründe teilzuhaben. "Project X" indes verläuft ganz einfach linear - vom ruhigen Beginn bis zum Desaster. Vorhersehbarer kann ein Film kaum sein. Und mag der Soundtrack (mit Songs von Eminem über The Kills bis hin zu Metallica) dazu auch noch so knackig sein - eine Handlung, die sich mit vier Worten ("Party gerät außer Kontrolle") erschöpfend beschreiben lässt, reicht schlicht nicht aus, um einen guten Film zu etablieren.

Bitte nicht nachmachen!

So spricht der hochtrabende Kritiker. Viele seiner Geschlechtsgenossen, insbesondere wenn sie unter 25 sind, scheinen das jedoch ganz und gar anders zu sehen. Das ergaben Umfragen in den USA, wo der Film bereits Anfang März 2012 in die Kinos kam. Demnach gaben junge Männer dem Streifen gar Bestnoten. Und siehe da: Schon binnen kürzester Zeit spielte "Project X" ein Vielfaches seines Budgets von lediglich 12 Millionen Dollar ein.

Und nicht nur das: Manchen Teenagern diente der Film gar als Blaupause, um unter Namen wie "Project M" oder "Project Kris" ähnliche Party-Pläne in Angriff zu nehmen. So gesehen, wirkt ein Satz im Presseheft zu dem Film gleich doppelt lächerlich: "'Project X' sollte Eltern und Ordnungshütern auf der ganzen Welt als Warnung dienen." Ja, klar. Und Hunde können fliegen.

"Project X" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de