Kino

Von "The Hoff" und anderen Monstern Sex, Crime, Comedy, Fantasy, Filmfest

Wenn Aliens keinen Alkohol vertragen und Vampire zu den Anonymen Blutsaugern gehen; wenn bereits vor der Heirat das Leben zur Hölle wird und das eigene Haus zur Todesfalle; wenn das Militär Zombie-Mutanten erschafft und David Hasselhoff in seine rote Badehose schlüpft - dann ist Fantasy Filmfest und n-tv.de stellt die besten Filme vor.

4.jpg

(Foto: www.fanfatsy-filmfest.de)

Endlich. Geschafft. Im Kino. Vorletzte Reihe. Ziemlich mittig. Perfekt. Das Licht geht aus. Die Dunkelheit bahnt sich unheilvoll ihren Weg durch den vollen Kinosaal. Eine kurze Werbung: Fear Good Movies. Das Fantasy Filmfest 2012 (FFF) beginnt. Deutschlands bekanntestes und größtes Filmfestival nach der Berlinale geht in sein bereits 26. Jahr. Und nach dem Erfolg der Jubiläumsausgabe mussten sich die Macher anstrengen, ein noch besseres Programm auf die Beine zu stellen. Sie haben es geschafft - mit einem enormen Aufwand. Die einzelnen Mitglieder des Festivalkomitees haben sich zum Teil mehr als 500 Filme angeschaut, aus denen am Ende die knapp 70 Festivalbeiträge aus fast 20 Ländern ausgewählt wurden.

Das Spektrum der Hauptdarsteller ist dabei so breit wie das Horrorgenre vielschichtig: Vampire, Zombies, Werewölfe, Monster, Killer-Piranhas, Massenmörder, Menschenhändler, Aliens, Dämonen, Geister, Mutanten - teilweise auch in 3D. Es gibt trampelige US-Amerikaner und alkoholsüchtige Iren. Leicht reizbare Australier und bei Vollmond stark behaarte Spanier. Liebestolle US-Teenies treffen auf leichtsinnige Südamerika-Touristen. Britische Camper mischen das Landleben auf, Cockneys eine Zombieplage im Londoner East End. Hollywood-Stars wie Jessica Biel, Matthew McConaughey, Jeffrey Dean Morgan ("Texas Killing Fields") und Sean Bean ("Soldiers Of Fortune") präsentieren ganz neue Seiten von sich. Nicole LaLiberte ("Kaboom"), Danielle Panabaker, Natasha Calis oder Quvenzhane Wallis zeigen ihr enormes Talent. David Hasselhoff und Dolph Lundgren ("The Expendables") kehren zu ihren Wurzeln zurück.

All das ist das FFF. Es ist viel mehr als nur simpler Slasher-Horror mit Kunstblutfontänen. Es ist Sex, Crime, Comedy, Horror, Fantasy. Und das Beste: Es liefert Lebenstipps und Überlebenstipps gleichermaßen. 30 Filme in 9 Tagen standen auf dem Programm. Und wie im Vorjahr gilt: Diese Filme müssen Sie sehen!

Sex

1.jpg

(Foto: Tiberius Film)

"Hurra, endlich werden wieder unkeusche Teenies verstümmelt! Nacktes Fleisch, böse Fische, abgebissene Schwänze und David Hasselhoff!" Treffender kann eine Filmvorstellung nicht ausfallen. Es geht um "Piranha 3DD" (sprich: Piranja 3 Doppel-DD). Die Story ist schnell erzählt: In die Wiedereröffnung eines überdimensionierten US-Wasserparks, das noch größere Äquivalent zum deutschen Spaßbad, platzen einige kleine beißwütige Fischchen. Warnungen werden in den Wind geschlagen, es steht schließlich jede Menge Geld auf dem Spiel. Deshalb hat man sich aus Werbezwecken auch den bekanntesten Rettungsschwimmer der Welt gesichert, samt seiner roten Badehose. Und cool wie Bolle, also wie in seinen besten "Baywatch"-Zeiten, thront David Hasselhoff auf seinem Lebensretter-Hochsitz. Die Sonnenbrille lässig im Gesicht, schwadroniert er mit einem kleinen Namensvetter, der von irgendetwas gebissen wurde - und "Baywatch" nicht kennt. Ein absolutes Unding für "The Hoff".

2.jpg

(Foto: Tiberius Film)

Als die Kacke dann sprichwörtlich am Dampfen ist und die Fischchen sich wütend durch ihr neues Revier beißen, nimmt die "Baywatch"-Parodie weiter Fahrt auf: Die spärlich bekleideten Doppel-D-Frauen werden in Super-Slomo bei ihrer Flucht vor den Piranhas gefilmt. Eines sei verraten: "The Hoff" überlebt. Vielleicht auch, weil er sich selbst genüsslich auf die Schippe nimmt und all seine Fehler, seien sie musikalischer oder alkoholischer Natur, ironisch durch den Kakao zieht. Und: Wie in den vorherigen "Piranha"-Teilen spielt auch der verrückte "Zurück in die Zukunft"-Professor Christopher Lloyd wieder mit. "Piranha 3DD": sehenswert, weil urkomisch.  

Crime

Was bekommt man, wenn man "Hangover" mit Guy Ritchies "Snatch" kreuzt? Den niederländischen FFF-Beitrag "Black Out". Der Kleinkriminelle Jos, der vor Jahren aus der Szene ausgestiegen ist, wacht am Tag vor seiner Heirat mit einer bildhübschen Frau verkatert in einem Hotelzimmer auf. Das Gedächtnis ist weg, dafür hat er eine Leiche mit einem Loch im Gesicht am Hals, die friedlich im Bett neben ihm liegt. Wie sich herausstellt, ist es der Freund des schwulen russischen Drogenbosses Vlad, der einst als Balletttänzer im Bolschoi seine Beine geschwungen hat. Der darf zwar nichts von der Leiche erfahren, will seinerseits aber von Jos aus seinem Besitz verschwundene 20 Kilo Kokain wiederhaben. In 24 Stunden, sonst stirbt Jos Ehefrau in spe.

5.jpg

(Foto: Tiberius Film)

Jos macht sich auf die Suche und immer mehr Leute zeigen Interesse an dem Koks, das er nicht hat, oder sich zumindest nicht daran erinnert, es zu haben: Da wäre etwa Jos alter Boss Charles, genannt Opa, weil er in die Jahre gekommen ist und sich ständig Frischluft aus einer Sauerstoffflasche holen muss. Da wären aber auch Jos Ex-Geliebte Koka-Inez, die beiden wunderschönen Racheengel Charity und Petra, sein Rolls Royce fahrender Schwiegervater, zwei schwarze Hundefriseure, deren größtes Hobby ein aufgemotzter grellbunter PS-Bolide ist, direkt aus der "Fast and Furious"-Reihe entsprungen. Wie bei "Hangover" kehrt Jos Gedächtnis am Ende zurück. Und wie bei "Snatch" sterben eine Menge Menschen auf unschöne Weise. "Black Out" beweist, dass niederländische Filme um Längen besser sind als der dortige Fußball.

Comedy

13.jpg

(Foto: Ascot Elite)

Humor ist ja, wenn man trotzdem lacht. Oder gerade deswegen. Es gibt den Schenkelklopfer-Humor a la "Piranha 3DD" und den feinsinnigen schwarzen, vornehmlich aus Großbritannien. Und dann gibt es den Humor der Iren. Das i-Tüpfelchen gewissermaßen, schwärzer als schwarz. Das hat bereits "A Film With Me In It" bewiesen. Und auch beim FFF 2012 gibt es ihn, den irischen Humor - in "Grabbers": Ciaran O’Shea ist Dorfpolizist auf Erin Island. Einer irischen Insel, wie man sie aus der Butter-Werbung kennt. Grüne Weiden, schnuckelige Steinhäuser und eigenwillige Bewohner. Hier wird der Schnaps noch selbst gebrannt und konsumiert wie das täglich Brot. Ciarans Durst nach Hochprozentigem übertrifft nur Paddy, der Dorfalki.

Als dann plötzlich die Insel von überdimensionierten mehrbeinigen Außerirdischen heimgesucht wird, ist die Alkoholsucht der Dorfbewohner die einzige Rettung, denn die Viecher aus dem All, die ihre Opfer kopflos hinterlassen und sich von deren Blut ernähren, können eines gar nicht ab: Alkohol. Des einen Leid ist des anderen Freud - und so trinkt sich die Dorfgemeinschaft im ortsansässigen Pub um ihr Leben und sich gleichzeitig Mut an, um die Dinger aus dem All wieder dahin zu schicken, wo sie herkommen. Wer bei "Grabbers" nicht lacht, sollte schleunigst den Alkoholdealer seines Vertrauens aufsuchen! Die Hauptrolle in "Grabbers" hat übrigens Lockenkopf Richard Coyle inne, bekannt vor allem aus der britischen Sitcom "Coupling - Wer mit wem".  

Horror

7.jpg

(Foto: Anolis Entertainment)

Jawoll! Es gibt sie noch, die klassischen Horrorfilme. Geister, Zombies, Werwölfe, Haunted House, Found Footage, Slasher - alles ist auf dem FFF vertreten. Nur sollte man sich auf eines gefasst machen: Die klassischen Gesetze des Horrorgenres werden außer Kraft gesetzt. Knoblauch hilft gegen Blutsauger und Silberkugeln gegen Werwölfe? Das war einmal. Zombies bewegen sich schleichend langsam? Vergiss es, renne um dein Leben! In "13 Eerie" begeben sich sechs Forensik-Studenten in einer Art FBI-Assessmentcenter auf eine menschenleere Insel, die einst vom Militär genutzt wurde. Dort sollen sie an noch vorhandenen und herumliegenden Leichen ihr Wissen und Können unter Beweis stellen. Dumm nur, dass das Militär den mitgereisten Professor nicht in alle Details eingeweiht hat. Denn das öde Eiland ist zwar menschenleer, aber nicht unbewohnt.

Und so segnet nach und nach ein Student nach dem anderen das Zeitliche. Hier wird einem ein Stück Gesicht abgebissen, dort kommt einem anderen gleich kiloweise Fleisch abhanden. Dabei hätte man es doch wissen müssen: Eine abgelegene Insel, militärische Tests, kein Vogelgezwitscher und dann verschwinden auch noch die Grillhähnchen fürs Abendessen spurlos … Die Lösung heißt: biogenetische Experimente. Das Ergebnis: hungrige Zombies, übermenschlich stark und dazu auch noch schnell. Yippie-Ya-Yei, Schweinebacke! Wem die Wartezeit bis zum neuen "Resident Evil: Retribution" zu lang ist, dem sei die Slasher-Hommage "13 Eerie" ans blutige Herz gelegt!

Fantasy: Fear Good Movies

10.jpg

(Foto: Wild Bunch)

Bei jedem Filmfest gibt es diesen einen, ganz besonderen Film. Der Film, der für immer im Gedächtnis bleibt. Im vergangenen Jahr war das "Perfect Sense". 2012 ist die Auswahl größer: "Vamps", "Sightseers", "Girls Against Boys" oder "Cockneys vs. Zombies" beispielsweise. Am Ende ist es "God Bless America": Frank ist geschieden. Seine kleine Tochter will ihn nur sehen, wenn er Geschenke mitbringt. Seine Wohnung ist schäbig, die Wände sind dünn und nebenan lebt ein "extrovertiertes" Pärchen mit einem Baby, das die ganze Nacht schreit - und dabei nur vom Gezeter der Eltern übertönt wird. Frank dreht den Fernseher daher extra laut, aber welchen Sender er auch einschaltet, überall nur verdummender, menschenverachtender Schwachsinn. Hier die Reality-Show einer verzogenen superreichen Göre, die ihren Daddy so lange anschreit, bis er ihr statt des bereits vor dem Haus als Geschenk stehenden Cabrios einen SUV kauft. Dort die x-beliebige Castingshow "American Superstarz", bei der die Juroren gerade einen Kandidaten, der weder gut aussieht noch singen kann, bloßstellen und ans Messer der öffentlichen Zurschaustellung liefern.

8.jpg

(Foto: Kino Kontrovers)

Als Frank dann auch noch arbeitslos wird, weil er einer Kollegin im Büro Blumen geschenkt hat und das gegen die Vorschriften des Unternehmens verstößt, die besagen, dass man nicht "intim im Team" werden darf, und bei Frank auch noch ein tödlicher Hirntumor festgestellt wird, ist das Maß voll. Frank greift seelenruhig zur Waffe, schwingt sich in seinen neuen Camaro und macht sich daran, seiner wahren Bestimmung zu folgen: Er sagt den heuchlerischen und schamlosen USA den Kampf an.

Zuerst ist der schreiende Blondschopf aus der Reality-Show an der Reihe. Ein Kopfschuss und das ewige Rumgeschreie hat ein Ende - und Frank einen Fan: die Augenzeugin Roxy. Der Teenie findet Franks Vorgehen fantastisch und so machen sich die beiden gemeinsam auf den Weg, wieder etwas mehr Niveau ins US-Fernsehen zu bringen, indem sie etwa radikale Prediger aus dem Verkehr ziehen. Auch Falschparker und Ruhestörer im Kino müssen dran glauben. Und am Ende kommt es zum Showdown vor einem Millionenpublikum im Fernsehen. Bewaffnet mit einer AK-47 schießt sich Frank seinen Medienfrust direkt in "American Superstarz" von der Seele.

"God Bless America": Selten traf ein Film dermaßen den Nerv der Zeit. Selten bekam ein Film so dermaßen viel Szenen-Applaus. Selten gab es einen Film, den man dermaßen "gesehen haben muss"! Sie werden wissen, was ich meine, wenn sie das nächste Mal im Kino sitzen, in Ruhe einen Film sehen wollen und ihr direkter Sitznachbar den Inhalt seiner selbst mitgebrachten Kilo-Tüte Popcorn laut und genüsslich knirschend mit offenem Mund kaut und nebenbei auch noch telefonieren und simsen muss. Die schnelle und unkomplizierte Lösung dieses alltäglichen Problems liefert "God Bless America". Viel Spaß!

Das Filmprogramm des Fantasy Filmfests 2012

Quelle: n-tv.de