Kino

Geldprobleme sind 'ne ernste Sache "The Counselor" macht ratlos

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Schneeweißchen und Rosenrot? So ähnlich ...

(Foto: dpa)

Ein Wahnsinns-Cast: Cameron Diaz, Javier Bardem, Michael Fassbender, Penelope Cruz und Brad Pitt. Was will man mehr? Eine stringente Handlung wär' nicht schlecht. Oder ein Sinn. Oder ein Sitznachbar, der einem den ganzen Quatsch erklären kann.

Cameron Diaz: passt perfekt. Ihre kühle Blondheit, ihr glasklarer Blick in der flirrenden Hitze des Ödlands zwischen Mexiko und den USA, ihr unergründliches Lächeln, ihre Selbstzufriedenheit beim Beobachten ihrer jagenden Raubkatzen - stimmig. Einzig fragwürdig für ihr Portfolio: die doch sehr "gynäkologische" Masturbationsszene auf einer Ferrari-Windschutzscheibe - die hätte sie sich vielleicht sparen sollen, vor allem, weil man sich eh bloß die ganze Zeit fragt, ob sie diesen Spagat selbst macht oder ein Double. 

Javier Bardem: ganz lustig in seinen quietschbunten Versace-Sale-Outfits, gepaart mit der irren Frisur und dem noch irreren Blick hinter der Bono-Brille. Man kann nur hoffen, dass er in Zukunft auch mal wieder jemanden spielen darf, der nicht durchgeknallt ist.

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Ein heftiges Paar: Cameron Diaz und Javier Bardem.

(Foto: dpa)

Michael Fassbender: elegant, gut gekleidet, egoistisch,undurchschaubar, bis zum Anschlag verknallt, aber leider zu doof, um die Konsequenzen seines Handels abzusehen, die seine große Liebe in Gefahr bringen. Der "Berater" ist besonders gut unter der Bettdecke.

Penelope Cruz: liegt da unter der Bettdecke. Nackt und doch irgendwie langweilig. Sie wirkt so muttimäßig. Das kann sie besser. Warum der "Counselor" so verrückt nach ihr ist? Man weiß es nicht.

Brad Pitt: irgendwie durchsichtig, dabei sieht er ganz gut aus. Irgendwie beliebig, mittelmäßig, aber das ist ja auch sein Job: Mittelsmann.

Viele gute Zutaten machen noch lange keinen guten Kuchen

Sämtliche Figuren sind leider nicht wirklich nachzuvollziehen. Dabei hat der Film alles, was man braucht, um einen echt guten Film zu drehen. Neben dem Cast hat der Film diesen Regisseur, Ridley Scott ("Blade Runner", "Alien") und den Romanautor ("No Country For Old Men"), der zum ersten Mal Drehbuchautor ist, Cormack McCarthy, und der steht für eine ganz besondere Sorte Film: er denkt sich immer aufs Neue eine ganz besonders widerwärtige Tötungsmethode aus (wir wollen an dieser Stelle nicht näher drauf eingehen, dann ist der ganze Spaß ja schon verraten, aber - es wird eklig), und natürlich darf man ihn nicht darauf reduzieren, aber man darf schon mal nachfragen, ob es denn reichen soll, eine Lebensphilosophie an die nächste zu reihen, ohne näher auf die Personen einzugehen, die durchaus das Potenzial dafür hätten.

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Zwei Hotties aus Hollywood: Brad Pitt und Michael Fassbender - seltsam, wie wenig sie einen berühren.

Cormac McCarthy, Pulitzer-Preisträger und eine Literatur-Ikone, lässt vollkommen offen, warum der "Counselor", dieser Berater, dieser Anwalt, jemand sein soll, dessen Rat man einholen sollte. Man möchte sogar dringend davon abraten und sagen, dass dieser Typ der Letzte ist, bei dem man sich einen Rat holen würde. Und auch wenn es McCarthy gelingt, seinen Figuren ab und an ganz klug Klingendes in den Mund zu legen (Brad Pitt hat ein paar Poesie-Album Sprüche drauf, Javier Bardem dreht die Sätze seines Vorredners einfach immer anders herum), wird doch viel geredet, aber nichts gesagt.

Und die Handlung - 20-Millionen-schwerer Drogendeal geht in die Hose, die üblichen Verdächtigen tauchen auf, um Drogen, Geld und Ansehen zu retten - ist normalerweise ein Garant für volle Kinosäle und gute Kritiken in den einschlägigen Publikationen. Warum wirkt der Film, trotz einiger blutrünstiger Szenen, dennoch so blutleer? Warum widert einen die Gier, das Stupide am Reichtum nur so an? Wollen wir nicht alle reich sein, schöne Häuser, schicke Schlitten und scharfe Frauen haben? Ja, schon, aber vielleicht nicht um jeden Preis.

Pass auf, was du dir wünschst

Um jeden Preis jedoch, denkt man in "The Counselor", hat Ridley Scott versucht, aus einem nicht nachvollziehbaren Drehbuch, das an einigen Stellen so verwirrend ist und den Zuschauer ins Leere laufen lässt, einen stimmigen Film zu drehen und dabei übersehen, dass er viel zu viel hineingeklatscht hat. Zu viel Klischee, zu viel "Mechiko"-Getue, zu viel Moralapostelei, zu viele Nahaufnahmen von unechten Tränen, zu viel Bettgeflüster, das versucht, dirty talk zu sein und sich jedoch anhört wie ein Schulmädchenreport von 1976. Ob es daran lag, dass Javier Bardem im Raum war, als Michael Fassender versucht hat, Penelope Cruz ein paar heiße, feuchte Worte und mehr zu entlocken?

Eindeutig: Der Regisseur wollte zu viel, dabei ist die komplette Logik auf der Strecke geblieben. Da trifft die sogenannte erste Welt auf den ganzen Kladderadatsch, den so ein Land wie Mexiko zu bieten hat: Armut, Korruption, Hitze, bunte Farben, Lebensfreude, Dekadenz, aber ganz anders als beim Nachbarn hinterm Hochsicherheitszaun. In besonderem Kontrast zu diesem "Zuviel" steht die Leere der Wüste und die Leere in den einzelnen Menschen, die nicht zueinander finden können, die, auch wenn sie miteinander im Bett liegen, noch immer allein sind, und die vielleicht so tun, als hätten sie Gefühle, weil man das eben so hat, aber die an nichts anderes denken als an ihren nächsten Deal. Diese Menschen, die erst dann kapieren, wenn alles zu spät ist, sind grausame Menschen.

Einzig der Strippenzieherin Malkina im Hintergrund, Cameron Diaz, gelingt es, mit Anstand und vollständig unversehrtem Körper - sieht man einmal von ihren körperbedeckenden Tattoos ab - den Film zu überstehen. Für den Zuschauer ist das nicht ganz so leicht - wer nach einer halben Stunde den Drang verspüren sollte, den Kinosaal zu verlassen, der sollte das tun, es wird nicht besser.

Quelle: n-tv.de

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