Kino

Unter der Gürtellinie des "Jackass" Wie geht es Ihrem Penis, Herr Knoxville?

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Vom Großvateralter ist der "Bad Grandpa" in Wahrheit noch etwas entfernt: Johnny Knoxville.

(Foto: imago stock&people)

Er hat seinem Körper schon so einiges zugemutet. Und auch beim Dreh zu "Jackass: Bad Grandpa" lief Johnny Knoxville Gefahr, ordentlich Dresche zu beziehen. n-tv.de fühlt ihm im Interview nicht nur auf den Zahn, sondern erkundigt sich auch nach dem Wohlbefinden anderer Körperteile.

n-tv.de: Ist es für Sie ein Kompliment oder eine Beleidigung, wenn man Ihnen bescheinigt, dass Sie mit "Bad Grandpa" in "Borats" Fußstapfen treten?

Johnny Knoxville: Als Beleidigung sehe ich das auf gar keinen Fall. Ich finde das, was Sacha Baron Cohen macht, großartig. Ich bin ein Fan von ihm! Ich liebe "Borat" und auch all seine anderen Rollen. Was wir machen, ist tatsächlich ähnlich. Wir beide spielen öffentlich Streiche. Ich denke, er hat einen etwas sozialkritischeren Ansatz als wir - zum Beispiel in bestimmten Interview-Situationen. Bei uns steht dagegen im Vordergrund, die Öffentlichkeit an der Nase herumzuführen.

Ohnehin haben Sie den Charakter des Großvaters Irving Zisman ja schon lange vor "Borat"

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So richtig coole Typen: Irving Zisman (Knoxville) und Billy (Jackson Nicoll).

(Foto: Sean Cliver)

erfunden …

Ja, wir haben damit, glaube ich, schon 2000 angefangen.

In "Bad Grandpa" gibt es nicht nur einen, sondern zwei coole Typen …

Oh, es gibt eigentlich doch nur einen. Und sein Name ist Jackson Nicoll.

Auf ihn wollte ich natürlich hinaus. Wurde da ein neuer "Jackass"-Star geboren?

Auf jeden Fall wurde ein Star geboren. Ich habe ihm gesagt: Falls wir einen neuen "Jackass"-Film drehen sollten, will ich ihn auf jeden Fall dabeihaben. Ich finde ihn echt unglaublich.

Wird es denn einen neuen "Jackass"-Film geben?

Das weiß ich derzeit noch nicht.

Wie alt ist Jackson eigentlich?

Als ich ihn das erste Mal beim Dreh zum Film "Fun Size" getroffen habe, war er sieben. Beim Drehbeginn von "Bad Grandpa" war er acht, jetzt ist er neun. Aber intellektuell ist er seiner Zeit weit voraus. Er hat einen sehr scharfen Verstand.

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Zur Deutschland-Premiere von "Bad Grandpa" rückte das Duo in Berlin an.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wird er psychologisch betreut?

(lacht) Wegen dem, was wir von ihm für den Film verlangt haben? Also, Irving ist ja ein alter Lüstling. Und natürlich war klar, dass ich in dem Film schmutzige Sachen sagen würde, auch wenn ein Achtjähriger bei mir ist. Irving kann in Anwesenheit des Kindes nicht eindeutig reden. Aber er kann wirres Zeug reden, von dem noch nicht einmal ich genau weiß, was es bedeutet. Und Jackson hat definitiv überhaupt keine Ahnung, was es bedeuten soll. Wir haben schon sehr darauf geachtet, was wir ihm zumuten.

Johnny Knoxville ist 42, Irving Zisman 86. Stellen Sie sich so mit 86 vor?

(lacht) Wenn ich so ein Großvater wie Irving sein sollte, werde ich wohl verhaftet. Aber ich hoffe, ich werde dann so rüstig wie er sein. Und ich wäre begeistert, wenn ich noch so sexgeil und auf die Frauen scharf sein sollte wie Irving. Das wären wohl die meisten Männer.

Bei Filmen wie "Bad Grandpa" fragt man sich immer eins: Wie viel an den Reaktionen der Menschen ist echt und was ist Fake?

An unseren Streichen ist alles echt. Sollte die Reaktion nicht natürlich sein, benutzen wir sie nicht im Film.

Aber Sie müssen doch Leute einweihen. Wenn Sie etwa durch das Schaufenster eines

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Die Maske hört nicht im Gesicht auf.

(Foto: Sean Cliver)

Geschäfts fliegen, weiß doch zumindest der Ladenbesitzer davon …

Ja, klar, wir haben immer Eingeweihte. Man kann natürlich auch das Setup nicht auf dem Bürgersteig oder Grundstück von irgendjemandem einrichten, ohne dessen Okay zu haben. Das heißt: Wir gehen zum Eigentümer, fragen um Erlaubnis und bitten darum, nichts den Angestellten zu sagen. Sollte ein Angestellter doch eingeweiht worden sein, merkt man das an den Reaktionen sofort. Und wenn es darauf auch nur den kleinsten Hinweis gibt, benutzen wir das nicht. Wir arbeiten zu hart dafür, natürliche Reaktionen einzufangen, als dass wir uns darauf einlassen würden.

Wie erwähnt, ist Irving Zisman ja kein neuer Charakter, den Sie spielen. Und Sie sind auch sonst kein Unbekannter. Wie oft werden Sie trotz der Maskerade erkannt?

Der Irving-Charakter wird tatsächlich ab und an erkannt. Bei Geschäften versuchen wir, das in den Griff zu kriegen, indem wir uns Informationen über die Angestellten vom Eigentümer holen - wer könnte Irving kennen und wer nicht? Genauso informieren wir uns darüber, wer sehr emotional ist und besonders stark reagieren könnte. Man will keine sanftmütigen Personen, sondern am liebsten welche, die richtig abgehen. Und auch wenn wir auf der Straße drehen, wo wir gar nichts über die Leute wissen, achten wir auf bestimmte Dinge. Bei einem Jungen, der ein Skateboard bei sich hat und ein DC-T-Shirt trägt (bekannte Skater-Marke, Anm. d. Red.), versuchen wir es erst gar nicht. Das wäre Zeitverschwendung.

Wie oft wird jemand Ihnen gegenüber gewalttätig oder ruft die Polizei?

Geschlagen wurde ich noch nicht, aber sehr oft bedroht. Auch die Polizei wurde nur zwei- oder dreimal gerufen. Wir haben bei den Dreharbeiten einen Polizisten bei uns. Er erklärt das dann seinen Kollegen.

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Das gehörte wohl nicht zu seinen härtesten Aufgaben: Knoxville in einer Szene aus "Jackass 3D".

(Foto: PR NEWSWIRE)

Angesichts der Szene, in der Sie sich im Getränkeautomaten verfangen, muss ich fragen: Wie geht es Ihrem Penis?

Oh, wow, Mann, wenn das mein echter Penis gewesen wäre, hätte ich eine Vorladung erhalten. Aber abgesehen davon: Meinem Penis geht es großartig.

Sie haben sich ihn ja aber schon mal schwer verletzt …

Ja, ich habe ihn mir mal gebrochen. Aber hey, ich habe seither zwei Kinder gezeugt.

Wenn Sie zurückschauen: Was war das Härteste, das Sie bisher als Darsteller gemacht haben?

Dieser Film gehört definitiv dazu. Einfach, weil der ganze Film darauf basiert, die Öffentlichkeit hereinzulegen. Stunts in "Jackass" kann man oft sehr schnell erledigen. Und auch den Kollegen Streiche zu spielen, ist nicht so schwierig. Aber das mit der Öffentlichkeit zu machen, ist die schwierigste Sache überhaupt.

Sie haben diesen Film Ihrem früheren "Jackass"-Kollegen Ryan Dunn gewidmet, der vor zwei Jahren bei einem Autounfall gestorben ist. Sie machen in Ihren Filmen häufig sehr extreme und auch gefährliche Sachen. Hat Dunns Tod Ihren Blick auf Ihre Arbeit verändert?

Nein. Ich habe einen Freund durch tragische Umstände verloren. Das hat für mich nichts mit "Jackass" zu tun. Klar, wir machen in "Jackass" gefährliche Sachen. Aber er ist nicht dabei ums Leben gekommen. Ich kann nur sagen: Ich vermisse ihn wirklich sehr.

Mit Johnny Knoxville sprach Volker Probst

"Jackass: Bad Grandpa" läuft derzeit in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de