Hörbücher

Die Stimme des Kopfkinos "Hörbücher sind für viele ein Stück Kindheit"

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Peter Lontzek liest die Hörbuch-Reihen "Will Robie" von David Baldacci und "Berger und Blom" von Arne Dahl.

(Foto: Surej Kalathil)

Seine Stimme geht unter die Haut: Peter Lontzek erweckt die Krimis und Thriller von Arne Dahl und David Baldacci zum Leben, er spricht die erfolgreichen Hörbuchreihen "Berger und Blom" und "Will Robie". n-tv.de verrät er deren und sein Erfolgsgeheimnis.

n-tv.de: Herr Lontzek, Sie waren gerade in Deutschland mit dem Bestsellerautoren Arne Dahl auf Lesetour unterwegs. Hat es Spaß gemacht? Wie kam es dazu?

Peter Lontzek: Ich habe in der TV-Krimireihe "Arne Dahl" um die "A-Gruppe" Paul Hjelm gesprochen. Davon gibt es zwei Staffeln, damit ist die Serie abgeschlossen. Daraufhin hat mich der Osterwold Audio Verlag gefragt, ob ich Lust hätte, die neue "Berger und Blom"-Reihe von Dahl zu lesen. Ohne sie zu kennen, habe ich dann zugesagt (lacht). Sie läuft sehr erfolgreich, sowohl in der Buch- als auch in der Hörbuchfassung - und da kam die Idee vom Verlag zu gemeinsamen Lesungen. Seitdem kenne ich Jan Lennart Arnald alias "Arne Dahl" auch persönlich. Und: Natürlich hat es Spaß gemacht! (lacht)

Wie ist Arne Dahl so?

Intelligent. Introvertiert. Humorvoll. Das sind die ersten drei Wörter, die mir zu ihm einfallen.

Spannend für Fans: Geht die Reihe weiter?

(lacht) Sie geht weiter wie bisher: ein neuer Fall im Jahr.

Bekannt sind Sie auch als Sprecher der "Will Robie"-Hörbuchreihe des amerikanischen Bestsellerautoren David Baldacci ...

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Richtig. Auch hier gab es eine Anfrage des Hörbuchverlags. Ich kannte Baldacci auch schon, denn ich bin ein großer Fan von Clint Eastwood, hatte vor vielen Jahren "Absolute Power" im Kino gesehen und wusste, dass Baldacci den Roman geschrieben hatte. Das war auch der Startschuss für den kommerziellen Erfolg von Baldacci. Für mich schloss sich bei der Verlagsanfrage daher ein Kreis und ich musste nicht lange überlegen. Und da Baldacci wie Dahl ein fleißiger Autor ist und pro Jahr einen neuen "Will Robie"-Krimi herausbringt, bin ich mittlerweile seit fünf Jahren dabei.

Worum geht es allgemein in dieser Serie?

Im Mittelpunkt steht der für die CIA arbeitende Profikiller Will Robie, der verdeckte Aufträge erhält, um Schlimmes zu verhindern - wie etwa Terroranschläge auf internationaler Ebene. Die Komplexität nimmt im Verlauf der Reihe zu, es fließt beispielsweise auch Robies Familiengeschichte mit ein, Freundschaften werden geschlossen. Dadurch wird er natürlich auch verwundbarer. Mehr will ich nicht verraten. (lacht)

Ein CIA-Killer als Hauptprotagonist: Passt das in die heutige Zeit?

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"Der Feind im Dunkeln" ist bei Bastei Luebbe als Hardcover erschienen.

(Foto: Bastei Lübbe)

Ich persönlich bin ein Fan der Filme aus den 1980ern und 1990ern. Für mich sind die Robie-Bücher in ihrem Aufbau stark an die Krimis aus dieser Zeit angelehnt. Das macht sie unterhaltsam. Klar ist Robie auch irgendwo Hollywood, Pathos, Actionthriller. Ich würde deshalb nicht unbedingt die Realitätsschablone anlegen wollen für die Robie-Stories. Sie sind Unterhaltung im besten Stil und garantieren spannende Momente für Fans des Krimi-Genres. Ich glaube, mehr will Baldacci mit der "Will Robie"-Reihe nicht.

Liegt darin ein Unterschied zur Dahlschen "Berger und Blom"-Reihe?

Auf jeden Fall! "Berger und Blom" ist eine psychologische Krimireihe, die auch zeitgemäße Themen aus dem politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen aufgreift. Robie ist für mich eher ein Actionthriller, ein Pageturner, dessen Figuren teils stereotypisch überzeichnet sind. Auf so was sollte man stehen. Baldacci schreibt ganz direkt und zieht den Hörer durch diese Unmittelbarkeit immer weiter ins Geschehen rein.

Nun erscheint der mittlerweile fünfte Robie-Roman "Der Feind im Dunkeln". Wen nimmt er diesmal aufs Korn, worum geht es?

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So viel kann ich verraten: Es ist wieder eine persönliche Geschichte. Ein wichtiger Vorgesetzter von Will Robie und dessen Partnerin Jessica Reel verschwindet urplötzlich bei einem Besuch in seiner Heimat und die beiden Profikiller machen sich auf den Weg, um aufzuklären, was da nun wirklich passiert ist. Sie landen in Colorado und treffen dort auf eine Sekte, auf Neonazis, klassische Rednecks ... und am Ende tut sich dann Großes auf. Mehr sage ich nicht" (lacht)

Das reicht schon als Appetizer. Wie muss man sich denn die Arbeit eines Hörbuchsprechers vorstellen? Gibt es wiederkehrende Rituale?

(lacht) Ich bekomme zuerst das Script. Es wird davon ausgegangen, dass ich dann circa 100 Seiten am Tag lese. Das heißt beim aktuellen Robie: 600 Seiten, die in sechs Tagen aufgenommen werden. Ich lese das Buch einmal komplett in der Vorbereitung durch, mache mir darin Notizen, welche Figur ich wann wie spreche und wo wichtige Spannungsbögen sind. Das ist in meinen Augen sehr wichtig. Dann geht's ins Studio zur Aufnahme. Den Tagesrhythmus dabei kann ich selbst bestimmen: zum Beispiel mal zwei Stunden am Stück durchziehen, dann Pause, danach weiter. So in etwa läuft das ab. Danach wird das Ganze noch geschnitten,  gemastered und abgehört, aber damit habe ich nichts mehr zu tun.

Sie lesen aber nicht nur Hörbücher, Sie sind auch Schauspieler und Synchronsprecher. Was liegt Ihnen am meisten, wofür verspüren Sie die größte Leidenschaft?

Während meiner Zeit auf der Schauspielschule habe ich schon als Hörspiel- und Synchronsprecher gearbeitet. Und da die Aufträge immer mehr wurden, zum Teil auch Angebote für Serienrollen im Synchronbereich, habe ich das dann fortgesetzt und mich darauf konzentriert. Die Schauspielerei für TV und Theater habe ich daher nicht mehr konsequent verfolgt.

Sie sagten, Sie seien ein großer Clint-Eastwood-Fan im Speziellen und ein Filmfan im Allgemeinen ...

Peter Lontzek

Peter Lontzek, 1980 geboren, ist Schauspieler, Hörbuch- und Synchronsprecher. Er studierte an der Schauspielschule Charlottenburg und begann parallel zum Studium 2003 mit Synchronsprechen für Filme und Serien und der Arbeit an Hörspielen. Zu seinen bekannten Synchronrollen zählen etwa die Schauspieler Tom Hiddleston ("Thor"-Reihe), Mahershala Ali ("House of Cards") und Josh Charles ("Good Wife"). Außerdem hört man Lontzek in zahlreichen Dokumentationen sowie in mehr als 100 Hörspielen und Hörbüchern. Neben Fantasy und deutschen Klassikern ist er vor allem im Krimi- und Thriller-Genre zu Hause. Er liest Reihen von Bestsellerautoren wie David Baldacci, Adrian McKinty oder Arne Dahl. Sie können Peter Lontzek auf Facebook folgen.

Absolut, ich liebe Filme, vor allem, wie gesagt, der 80er und 90er. Meine Kindheit und Jugend. Clint Eastwood, Kevin Costner, Kiefer Sutherland, das sind meine Stars!  Aber ich bin auch ein Hörbuch-Fan, lese zudem gern und viel. Das war schon immer so. Beim Hörbuch genieße ich die absolute Freiheit: Das betrifft die Gestaltung, also, dass ich sagen kann, die Figur spricht so, die so. Ich kann bei der Arbeit den Rhythmus des Hörbuchlesens selbst bestimmen. Das ist beim Synchronsprechen beispielsweise anders.

Kann man "Sprecher" lernen?

Technisch gesehen denke ich schon. Schauspiel ist dabei die Voraussetzung aus meiner Sicht. Dazu noch viel Learning by doing und Intuition für Menschen, für Stimmen, ein Rhythmusgefühl. Wobei letzteres wiederum nicht erlernbar ist.

Welche Rolle spielt dabei die Stimme an sich?

Ich denke, eine dem Hörer angenehme Stimme ist von Vorteil. Wobei man es aber auch nicht allen gleichzeitig recht machen kann: Für die einen ist eine reine Erzählstimme wichtig. Andere wiederum sagen: Stimmvielfalt ist ein Qualitätsmerkmal. Ich bin der Meinung, es kommt auf das Genre an. Bei Will Robie beispielsweise ist da eine Menge möglich, bei ernsten Titeln ist eher Zurückhaltung angesagt. Im Vorfeld stimme ich mich mit der Regie darüber ab und wir treffen eine Grundsatzentscheidung für Figuren in einem Hörbuch.

Apropos Zurückhaltung: Welche Bücher oder Hörbücher liegen derzeit auf Ihrem Nachtisch?

(lacht) Da muss ich mal schauen ... Als Hörbuch: "Der Todeskäfig", das Debüt von Ellison Cooper. Da fand ich das Buch schon stark geschrieben und in der Auflösung am Ende mal etwas völlig anderes. Die Reihe wird auch weitergehen. Und dann liegt hier: Edgar Allan Poes "Die Grube und das Pendel", ein Hörspiel aus den 2000ern, mit Ulrich Pleitgen kongenial besetzt. Und als Buch, sehr interessant: "Die geheime Macht der Düfte". Etwas ganz anderes.

Weshalb erleben Hörbücher derzeit so einen Boom?

Ich glaube, das liegt zum einen daran, dass Menschen gern Geschichten erzählt bekommen. Das habe ich ganz persönlich als Kind schon geliebt. Für mich, und ich glaube, da bin ich auch nicht allein, sind Hörbücher und Hörspiele deshalb auch ein Stück Kindheit. Zum anderen passen Hörbücher perfekt in die heutige Zeit, weil man sie überallhin mitnehmen kann: zum Joggen, beim Auto- oder Bahnfahren. Das sind oft mehrere Stunden, die man mit Hörbüchern sinnvoll füllen und überbrücken kann.

Mit Peter Lontzek sprach Thomas Badtke

Quelle: n-tv.de

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