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Jan Weiler: mehr als einfach nur ein Bestsellerautor.
Jan Weiler: mehr als einfach nur ein Bestsellerautor.(Foto: imago/Sven Simon)
Montag, 21. Mai 2018

"Pubertiere", Fortuna, Bayern: Jan Weiler wollte "nie Fußballer werden"

Zu "Maria, ihm schmeckt's nicht" ist Jan Weiler "überredet" worden. Aktuell ist er mit "Kühn hat Ärger" in den Bestsellerlisten - auch bei den Hörbüchern, denn Weiler liest selbst. Mit n-tv.de spricht er über Erfolgsrezepte, Macken und Espresso.

Zu "Maria, ihm schmeckt's nicht" ist Jan Weiler "überredet" worden. Aktuell ist er mit "Kühn hat Ärger" in den Bestsellerlisten - auch bei den Hörbüchern, denn Weiler liest selbst. Mit n-tv.de spricht er über Erfolgsrezepte, Macken, Midlife-Crisis und Espresso.

n-tv.de: Jan Weiler, Ihr aktuelles Buch "Kühn hat Ärger" ist ein Bestseller, wie auch alle anderen Werke davor. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Jan Weiler

Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, lebt mit seiner Familie heute in der Nähe von München. Er arbeitete als Werbetexter und später als Journalist. Er schrieb für das "SZ Magazin" und war auch mehrere Jahre dessen Chefredakteur. 2003 erschien sein erstes Buch "Maria, ihm schmeckt's nicht", ein absoluter Bestseller, später mit Christian Ulmen für das Kino verfilmt. Auch das 2014 erschienene "Das Pubertier" wurde verfilmt. Weilers aktueller Roman heißt "Kühn hat Ärger" und ist bereits das zweite Buch der "Kühn"-Reihe. Im Herbst 2019 soll ein weiterer "Kühn"-Roman erscheinen.

Jan Weiler: (lacht) Wenn es Erfolgsrezepte geben würde, dann würden alle Autoren nur Bestseller schreiben. Vielleicht sind die Geschichten erfolgreich, weil die Leser sich mitgenommen fühlen, da geht es um etwas, was sie betrifft. Gut, bei "Herr der Ringe" ist das anders ... Nein, ich denke wirklich, dass das Hineinversetzen können zum Erfolg meiner Bücher beiträgt. Meine Geschichten haben, und da lege ich auch großen Wert drauf, ein hohes Identifikationspotenzial. Und wie Kühn gibt es eben Millionen Menschen, die frühmorgens unter der Dusche stehen und sagen: Ich hab keinen Plan, wie all das funktionieren soll: Familie, Ehe, Kredit, Beruf ... Millionen Menschen, die ständig wieder rechnen müssen, ob und wie sie klarkommen mit dem, was sie haben.

Sie haben als Werbetexter gearbeitet, als Journalist, waren Leiter des "SZ Magazins", dann Schriftsteller. Was sind Sie gerade?

Aktuell bin ich Schriftsteller. Aber ich bin darauf nicht festgelegt. Es kann durchaus sein, dass ich noch einmal als Journalist Reportagen schreibe oder Interviews führe. Ich finde heutzutage derlei Festlegungen auch falsch. Früher hat man sich auf eine Sache festgelegt - und das war man dann. So gesehen, bin ich jetzt Künstler.

Ihr Erstling, "Maria, ihm schmeckt's nicht", liegt nun schon 15 Jahre zurück. Wann reifte die Idee dazu?

"Maria, ihm schmeckt's nicht" erschien erstmals 2003.
"Maria, ihm schmeckt's nicht" erschien erstmals 2003.

Zum ersten Buch bin ich schlichtweg überredet worden! Ich war damals Chefredakteur des "SZ Magazins". Ich wurde damals immer wieder von einer Verlagsfrau zum Essen eingeladen, die mich bequatscht hat, dass ich ein Buch schreibe. Das hat dann irgendwann so genervt, dass ich gesagt habe: Okay, dann mach ich's halt. Es war also gar nicht meine Idee, aber es hat Spaß gemacht und war am Ende ja auch äußerst erfolgreich. Und da hab ich das dann einfach weitergemacht.

Wie kann man sich den typischen Arbeitstag des Schriftstellers Jan Weiler vorstellen?

Wenn ich ein Buch schreibe, habe ich einen total durchstrukturierten, höchst normalen Arbeitstag. Da gibt's keine Schriftsteller-Folklore. Die finde ich auch einfach nur doof. Es ist vielmehr so: Ich frühstücke, lese die Zeitung und dann geht's ab ins Büro, wo ich das mache, was ich mir für diesen Tag vorgenommen habe. Ich schreibe ein halbes Kapitel oder ein ganzes. Oder überarbeite etwas schon Geschriebenes.

Also wirklich ein ganz klarer Arbeitsauftrag?

Genau! Der einzige Unterschied zu den meisten anderen Menschen besteht darin, dass ich mir diesen Arbeitsauftrag selbst erteilt habe. Nichtsdestotrotz muss er diszipliniert abgearbeitet werden.

Sie sagten, Sie finden "Schriftsteller-Folklore doof". Haben Sie dennoch Schreibrituale?

Ich hab meine Zigaretten am Platz und meinen Kaffee. Ich trinke beim Schreiben irre viel Espresso, was gesundheitlich sicher nicht gerade gesund ist. Wenn es ein Ritual gibt, dann das. Ansonsten bin ich da nicht festgelegt, also ich mache nicht etwa zehn Kniebeugen vorm Schreiben, oder so. (lacht)

Wie lange dauert es von der Idee in Ihrem Kopf bis zum Verkaufsstart?

Mit "Kühn hat zu tun" entführt Weiler ins Genre der Gesellschaftsromane.
Mit "Kühn hat zu tun" entführt Weiler ins Genre der Gesellschaftsromane.

Das ist unterschiedlich. Die Idee zu einem Buch kann ich schon seit Jahren mit mir herumgetragen haben. Ich sage es mal so: Wenn ich anfange zu arbeiten, bis es dann rauskommt: Das dauert meist so etwa ein Jahr. Wobei mein Teil, also das Schreiben, vielleicht fünf Monate davon in Anspruch nimmt. Der Rest sind Korrekturen und Herstellung.

Haben Sie die Idee für den dritten "Kühn"-Roman schon im Kopf?

Ich habe sogar das ganze Buch schon im Kopf. Aber Details dazu werden nicht verraten. Nur so viel: Es wird im Herbst 2019 erscheinen und es wird auch nicht das Ende sein. Ich mache damit so lange weiter, wie ich Spaß daran habe und ich das Gefühl habe: Die Geschichte ist noch nicht fertig erzählt. Vielleicht ist sie auch nie fertig erzählt, das weiß ich noch nicht so genau.

Klingt vielversprechend! Im ersten Teil, "Kühn hat zu tun", entführen Sie die Leser auf die Weberhöhe, einen neu geschaffenen Reißbrett-Wohnbezirk in München, der mit seinen dort lebenden Charakteren sehr nah an der heutigen Realität ist: Kleinfamilien mit all ihren ganz alltäglichen Problemen - und ein Serienkiller, der sich prima mit Kommissar Kühn versteht, auch weil er direkt nebenan wohnt. Wie sind Sie denn darauf gekommen?

Das Spannende an dem ist ja, dass Kühn ihm in seiner Kindheit schon einmal begegnet ist. Diese gruselige Vorstellung hatte ich schon vor irre langer Zeit. Total spannend! Da wohnt jemand neben ihnen, der kennt sie seit ihrer Kindheit, aber sie selbst haben den nicht mehr auf dem Schirm, sie haben den einfach vergessen oder verdrängt. Das finde ich eine ganz bedrohliche, merkwürdige, seltsame Vorstellung.

Nun, im zweiten Buch, hat Kühn nicht nur zu tun, jetzt hat er Ärger. Welchen?

Kühn hat diesmal nicht nur zu tun, er hat regelrecht Ärger.
Kühn hat diesmal nicht nur zu tun, er hat regelrecht Ärger.

Naja, seine Probleme aus dem ersten Buch setzen sich fort, nur verschärfter: die Eheprobleme, sein Karrieredilemma. Er weiß nicht, wo er hingehört. Und das ist ein ganz fundamentaler Ärger, den viele Menschen in der Mitte ihres Lebens haben: Habe ich alles richtig gemacht? Hätte ich nicht etwas ganz anderes machen müssen? Auf lange Sicht führt das zu einem erheblichen Verdruss.

Da stellt sich natürlich die Frage, Sie sind Jahrgang 1967, wie viel Jan Weiler steckt in Kommissar Kühn?

Na, der Kühn ist ungewöhnlich groß gewachsen, das bin ich schon einmal nicht (lacht). Er ist Beamter, ich bin Künstler ... Nein, im Ernst - ich kann sagen: Kühn ist, im Gegensatz etwa zu "Maria, ihm schmeckt's nicht" oder "Das Pubertier", keine Ich-Erzählung. Aber klar, als Schriftsteller kann man sich nie davon freimachen, dass die eigene Weltanschauung in die Figurenzeichnung mit einfließt.

Die Figur des Kühn erinnert an eine Reihe von "Tatort"-Kommissaren, denn er ist sympathisch, hat Ecken und Kanten, kleine Schwächen und einen feinen Spürsinn. Gab es ein Vorbild für Kühn?

Nein. Ich baue mir meine Figuren so, wie ich sie brauche. Wenn ich da ein Vorbild hernehmen würde, würde ich mich einschränken. Das wäre für einen Schriftsteller schon schwach.

Die "Kühn"-Reihe hat Krimi-Elemente, es gibt Tote, einen Kommissar. Sie hat auch dramatische und gesellschaftskritische Züge. Wo genau siedeln Sie die Reihe an?

Für mich sind es Gesellschaftsromane. Die Krimi-Handlung dient einfach nur dazu, die Geschichten rasanter zu machen, ihnen noch eine zusätzliche dramatische Ebene zu geben.  Aber die persönlichen Schwierigkeiten, die Kühn hat, die könnte er genauso gut als Landschaftsgärtner oder Glaser haben, diese Mittvierziger-Midlife-Krisen-Sachen.

Sie lesen Ihre Hörbücher selbst ein. Andere Schriftsteller wie Frank Schätzung lehnen das kategorisch ab ...

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Anfangs haben die Verlage das gewollt, inzwischen mache ich es, weil es mir Spaß macht. Ich habe auch ein Problem damit, wenn bestimmte Schauspieler Hörbücher einlesen, weil es klingt, als läsen sie das Buch dabei zum ersten Mal. Sie vertrauen dann oft auf ihre Filmstimme. Als Hörer kaufst du dann nicht das Buch, sondern den Sound, den jemand Bekanntes mitbringt. Wesentliche Teile des Inhalts können verloren gehen, weil der Schauspieler sein Profi-Gebrumme darüber macht. Ich finde das nicht gut. Wenn Autoren das gut können, sollten sie die Hörbücher selbst lesen.

Ihre Romane sind nicht nur Bestseller in geschriebener Form, sie werden auch mit großem Erfolg für TV und Kino verfilmt, allen voran "Maria, ihm schmeckt's nicht" oder zuletzt das "Das Pubertier". Gibt es schon Filmpläne für die "Kühn"-Reihe?

Ja! "Kühn" wird auch verfilmt. Die Dreharbeiten beginnen auch bald. Aber ich darf Ihnen nicht sagen, wer den Kühn spielt.

... das wäre die nächste Frage gewesen ...

(lacht) Ich würde schon gern, aber ich darf es nicht. Die Verträge sind noch nicht unterschrieben und solange die Produktionsfirma keine Pressemitteilung herausgibt, sage ich auch nichts. Außer: Es ist fürs TV.

Okay, wenn Sie keine Namen nennen dürfen. Gab es denn jemanden, den Sie persönlich für die Rolle im Auge hatten?

Nee, nee. Ich schreibe nicht mit Schauspielern vorm Auge und denen irgendetwas auf den Leib. Das mache ich nicht.

Wenn Sie die Bücher schreiben, denken Sie da schon daran, dass sie vielleicht einmal verfilmt werden könnten?

Och, das wiederum schon. Ich denke da oft bereits szenisch oder wie man das Ganze auf die Leinwand bringen könnte. Das liegt aber vor allem daran, dass ich ein Serienjunkie bin und mich da sehr schnell begeistern lasse. Dann denke ich mir: Ja, so könnte man das und das auch darstellen. Ich denke visuell beim Schreiben.

Apropos Schreiben: Wollten Sie das schon immer?

Ich hab mir nie etwas anderes vorstellen können! Ich habe mir das als Kind schon erträumt und wollte genau das werden, was ich schließlich geworden bin. Das ist vielleicht etwas fantasielos, aber die klassischen Berufe, die man als Kind so in Betracht zieht wie Astronaut oder Fußballer, habe ich einfach ausgelassen. Obwohl ich natürlich Fußballfan bin: Fortuna Düsseldorf und Bayern München. Diese Saison bin ich also Doppelmeister (lacht)!

Haben Sie unter Ihren Büchern ein Lieblingswerk?

Nein. Manchmal blättere ich in einem meiner Bücher herum und denke: Was, das habe ich geschrieben? Ich lese dann rein und denke: Hey, cool, ganz okay. Ich hab das Gefühl, mit meinen Büchern keinen totalen Schund verbrochen zu haben.

Mal ein Ausblick noch: Wenn Sie den dritten "Kühn"-Teil bereits im Kopf haben: Worauf können sich die Leser denn freuen?

Das verrate ich nicht! Und das liegt nicht an Ihnen. In solchen Dingen bin ich total abergläubisch. Ich verrate nie etwas vorher - wenn Sie so wollen, habe ich dann doch eine kleine Schriftsteller-Macke. Aber mit der bin ich nicht allein!

Mit Jan Weiler sprach Thomas Badtke

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Quelle: n-tv.de