Musik

Beatles: "The US Albums" Alles bleibt anders

Erstmals sind alle 13 in den USA veröffentlichten Alben der Beatles auch in Europa zu haben - in einer Box. Bis auf eine Ausnahme sind die der guten, alten Schallplatte nachempfundenen CDs auch einzeln erhältlich. Darunter erstmals auch die vollständigen Soundtracks der Filme "A Hard Day’s Night" und "Help!".

37497051.jpg

(Foto: picture alliance / dpa)

Wie? Neues von den Beatles? Ja! Nun sind alle in den USA veröffentlichten Langspielplatten der berühmtesten Liverpooler in Europa erhältlich. Jeweils als Mono- und Stereo-Mix. Zumindest jene, die damals in beiden Abmischungen auf den Markt gekommen waren. Die Ausnahmen sind "Hey Jude (The Beatles Again)" und "The Beatles' Story", die nur in Stereo erschienen sind. Acht der Alben waren bereits vor Jahren auf CD erschienen. Neu in der Prachtbox sind der Soundtrack von "A Hard Day's Night", "The Beatles' Story", "Yesterday And Today" und "Hey Jude (The Beatles Again)", die auch jenseits des Atlantik erstmals auf CD veröffentlicht werden.

Der Reiz der Edition besteht zunächst darin, dass die Scheiben so weit wie möglich einer Schallplatte nachempfunden wurden: Außenhülle, Plastikinnenhülle und Papierinnenhülle. Darauf finden sich - wie damals üblich - Hinweise auf andere Veröffentlichungen des Labels. Wenn man da einen Schnulzensänger wie Al Martino und andere findet, begreift man, dass die Beatles damals so einen durchschlagenden Erfolg hatten. Dann die zum Teil von den im heimischen Vereinigten Königreich unterschiedliche grafische Gestaltung der "Platten"-Umschläge: So wird die Band auf der ersten, beim US-EMI-Ableger "Capitol" erschienenen, LP "Meet The Beatles!" mit dem Hinweis angekündigt, es handele sich um "England's Phenomenal Pop Combo". Combo! Und Pop erst! Der Begriff zeigt, dass die "Capitol"-Bosse nicht begriffen, dass die Engländer den US-Amerikanern den Rock and Roll - sicher, in neuem Gewand - zurückgebracht hatten, den sie an der Wende zu den 60ern unter musikalischer Buttercreme begraben hatten.

Cover zum Überkleben

"The Beatles - Yesterday And Today" ziert das etwas fragwürdige "Butcher Cover", auf dem die in weiße Arztkittel gekleideten vier Puppenköpfe und  -körper ohne Kopf sowie Tierknochen mit Fleisch dran in den Händen halten. Weiß Gott, warum sich die Jungs darauf eingelassen haben. Die LP wurde damals von Kritik, DJs und Publikum wegen des Plattenumschlags abgelehnt, gleichwohl aber aus Kostengründen nicht vom Markt genommen. Weitere Auflagen erschienen dann mit einem Aufkleber, der John, Paul, George und Ringo mit einem Schrankkoffer zeigt. Wem der ursprüngliche Plattenumschlag nicht zusagt, der kann jetzt einen beiliegenden Aufkleber darüber kleistern.

Neue Songs gibt es nicht. Die gab es auch nicht auf der erwähnten ersten Ausgabe der "Capitol"-Alben nicht. Aber die enthielt Raritäten, welche auf der vorliegenden Edition so nicht mehr enthalten sind. "Thank You Girl" ist im Mono-Mix von "The Second Album" nicht mehr mit den gelungenen "harmonica fills" vertreten, die bis dato nur auf der (west-)deutschen "Odeon"-Ausgabe und in beiden Mixen besagter Erstausgabe der "Capitol"-Alben zu hören war. Der legendäre "false start" von "I'm Looking Through You" wiederum ist auf der vorliegenden Edition nicht im Mono-Mix enthalten, wohl aber im Stereo-Mix. Auf der bereits zitierten Erstausgabe war es genau umgekehrt.

Durchbruch in den USA

Warum die US-Veröffentlichungen von den europäischen oder den australischen respektive neuseeländischen Ausgaben verschieden sind, erschließt sich nicht richtig. Es hat wohl damit zu tun, dass "Capitol" sich erst weigerte, die Musik der Liverpudlians zu vertreiben. Die ersten Beatlesplatten erschienen dort auf dem Independentlabel "VeeJay" respektive bei der kleinen Firma "Swan Records".

Beatles - The US-Albums.jpg

(Foto: Universal)

"Meet The Beatles", das erste "Capitol"-Album, war ein Gemisch aus UK-Originalen, dem das zunächst nur als Single enthaltene "I Want To Hold Your Hand" beigefügt war. Mit dem Song hatten die Beatles ihren Durchbruch beim US-Publikum. Als die Beatles der Anruf erreichte, dass die Single "I Want To Hold Your Hand" am 1. Februar 1964 Nummer eins der Billboard Charts war, soll John Lennon gesagt haben: "So, jetzt haben wir’s geschafft!" Es stimmt also nicht, wie gern kolportiert, dass der Auftritt der Band in der "Ed-Sullivan-Show" acht Tage später der Schlüssel zum Erfolg auf dem größten Musikmarkt der Welt war. Sullivan hatte die Band eingeladen, eben weil sie Nummer eins waren.

Aus dem britischen "Rubber Soul"-Album wollte man ein Folk-Album machen, wohl, weil 1965 die Folkrockband The Byrds die Herzen von Alaska bis zum Río Grande eroberte. Drum ist auf der US-Scheibe auch nicht das rockige "Drive My Car" zu finden. Stattdessen gibt es das freundliche "It's Only Love" aus dem Film "Help!", das auf der US-Version des Soundtracks fehlt. Lobenswert, dass damals in Nordamerika die gesamte Filmmusik der beiden ersten Beatles-Filme veröffentlicht wurden. Da hat's bei "Help!" unter anderem den James-Bond-liken Opener, bei "A Hard Day's Night" eine als "Ringo's Theme" betitelte Instrumentalversion von "This Boy", der UK-B-Seite der Durchbruchssingle "I Want To Hold Your Hand. Auf der US-Ausgabe war es die Lennon/McCartney-Komposition "I Saw Her Standing There".

Beatles-Hörbuch

"The Beatles' Story", eine Art frühes Hörbuch mit viel Musik und O-Tönen der Fab Four ist eine - leider wenig gelungene - Darstellung der Geschichte der Band bis zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung im November 1964. Da stellt sich "Capitol" als Retter der Beatles dar, deren bisherige Labels nicht in der Lage gewesen wären, die Truppe "nationwide" bekannt zu machen. Richtig ist vielmehr, wie bereits angedeutet, dass "Capitol" sich zunächst geweigert hatte, die Platten in U.S. und Kanada zu vertreiben. Schlampert die Redaktion des Werks: Da darf George Harrison erklären, dass er auch hin und wieder ein Lied schreibt, singt und einspielt, worauf Minuten später ein etwas bräsig daherkommender Sprecher erklärt, dass alle Songs des Beatles aus der Feder von John Lennon und Paul McCartney stammen.

Bis zum 66er-Album "Revolver" waren alle, für den nordamerikanischen Markt bestimmten, Alben völlig verschieden von den U.K.-Erstveröffentlichungen. Aber zumindest der von Beatlesfreund Klaus Vormann entworfene Plattenumschlag zierte auch die US-amerikanische Ausgabe. Dafür war Lennons brillantes "I'm Only Sleeping" nicht vertreten

"Hey Jude (The Beatles Again)" enthält einige Tracks, die schon auf dem Soundtrack von "A Hard Day´s Night" zu hören waren. "Can't Buy Me Love" oder " I Should Have Known Better", zum Beispiel. Dafür hat's die sicher schönste B-Seite einer Beatles-Single: "Rain", das "Paperback Writer" nachgeordnet war. Und George Harrisons "Old Brown Shoe", die Flipside der Lennon-Komposition "Ballad Of John And Yoko". Und natürlich Lennons in "Revolution" verewigtes Bekenntnis zum Erfordernis, die Welt besser zu machen. Apropos: Die Dame, welche die Studio-Sessions der Beatles durch ihre Besserwisserei störte, ist nicht auf den CDs dieser Ausgabe zu hören.

Warum also die "U.S. Albums"? Erstens, weil Yoko Ono nicht zu hören ist und zweitens weil alles so wunderschön anders bleibt. Und drittens, weil das anspruchsvoll gestaltete Begleitbüchlein bislang wenig bekannte Fotos und vieles mehr enthält. Nach "Revolver" erschienen die darauffolgenden Alben - "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", "Magical Mystery Tour", "Abbey Road" und "Let It Be" - in den Vereinigten Staaten in denselben Versionen wie in Britannien. War's das? Noch lange nicht. Man könnte noch eine CD mit dem Album "Rock And Roll Music" hinzufügen. Oder die "Collection Of Beatles Oldies". Oder "The Beatles Live At The Hollywood Bowl".

The Beatles: "The U.S. Albums", 13CD-Box, Universal

Quelle: n-tv.de