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Sie sind der Meinung: Das ist Doppelspitze! Daft Punk heben ab

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Nicht von dieser Welt? Daft Punk.

(Foto: David Black / Sony Music)

Da muss sich sogar unser Herz Beatrice Egli geschlagen geben. Die Elektro-Pioniere Daft Punk verdrängen mit ihrer Single "Get Lucky" die Schlager-Prinzessin von Platz 1 der Charts. Und nicht nur das: Auch das Album des französischen Duos schafft den Sprung von 0 auf 1. Von manch anderem Rekord ganz zu schweigen.

Hier und da ließen Daft Punk in den vergangenen acht Jahren der Menschheit ein Lebenszeichen von sich zukommen. Etwa in Form eines Live-Albums, einer Compilation oder des Soundtracks zu "Tron: Legacy". Ja, man wusste, es gibt sie noch - irgendwo da draußen in den unendlichen Weiten. Doch ein neues reguläres Studiowerk hatte die Formation verdammt lange acht Jahre nicht zur Erde gesandt, im schnelllebigen Musikgeschäft schon beinahe eine halbe Ewigkeit. Ihre Rückkehr aus den fremden Galaxien jenseits der schillernden Pop-Landschaften bereiteten die beiden Kreaturen mit ihren Roboter-Helmen und Space-Anzügen dafür gut vor. Geradezu überirdisch gut. Fast könnte man da schon daran zweifeln, dass sie in Wahrheit französischer Abstammung sein sollen, auf die totalen Allerweltsnamen Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo hören und schwer auf die 40 zugehen.

Nein, viele haben die zwei Musiker in der Öffentlichkeit noch nicht ohne ihre Maskerade zu Gesicht bekommen. Wenn man die Google-Bildersuche anwirft, spuckt diese aber dennoch auch ein paar Fotos der beiden in Zivil aus. Gegen das weltumspannende Netz haben am Ende dann halt auch extraterrestrische Maschinenmänner keine Chance. Auch wenn das den Jungs von Daft Punk womöglich nicht so recht ins Konzept passen mag.

Wee Waa - wo sonst?

Der Verkleidungszinnober und das Spiel mit den mysteriösen Identitäten gehört schließlich zur ausgeklügelten Vermarktungsstrategie der Franzosen. Und nicht nur das: Vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums "Random Access Memories", Nachfolger des bis dahin letzten Studiowerks der beiden namens "Human After All" von 2005, zogen Daft Punk kräftig alle nur erdenklichen Marketing-Register. Hier wurde ein ominöser Clip im US-amerikanischen Werbefernsehen platziert. Da gab es einen viel beachteten Ausflug der Roboter-Menschen zum Formel-1-Grand-Prix in Monaco. Und dort wurden erst einmal nur kleine Soundschnipsel des neuen Songmaterials im Web gestreut, auf die sich Hunderttausende dann auch nur allzu heißhungrig stürzten. Den Gipfel der Vermarktungs-Pyramide bildete schließlich die Release-Party für das Album in der australischen Kleinstadt Wee Waa - wo auch sonst? Hunderte Fans traten dazu den Weg ins karge Outback an. Und das, obwohl bis heute niemand so recht weiß, ob überhaupt die Band selbst tatsächlich anwesend war.

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Release-Party à la Daft Punk - Fans der Gruppe im australischen Wee Waa.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ist all der Rummel gerechtfertigt? Zunächst mal: Die Verdienste von Daft Punk um die  elektronische Musikkultur kann niemand ernsthaft bestreiten. Sage und schreibe 16 Jahre ist es mittlerweile her, dass das Duo mit seinem Album "Homework", dem Hit "Around The World" und den tanzenden Skeletten im zugehörigen Videoclip die Szene gehörig aufmischte. Zu einer Zeit, in der bei den meisten noch der Eurodance der Marke DJ Bobo oder der Happy Hardcore der Love-Parade-Jünger in den Ohren nachhallte. Gemeinsam mit Künstlern wie Prodigy oder Fatboy Slim sorgten Daft Punk für frischen Wind, der sich auch in kommerziellen Erfolg niederschlug. Heutige Epigonen wie die ebenfalls aus Frankreich stammenden Justice drückten da noch ihre Pickel aus.

Doch hält "Random Access Memories" auch, was es verspricht? Nun, die einen sagen so, die anderen so. Wie eh und je muss man Vocoder schon mögen, um mit Daft Punk in den Groove zu kommen. Neu erfunden hat sich das Duo während seiner Auszeit irgendwo da draußen im All jedenfalls nicht. Daran ändern auch die Gast-Auftritte von Rapper Pharrell Williams, Strokes-Sänger Julian Casablancas oder erst recht Electro-Urgestein Giorgio Moroder nichts.

Sommerhit und Hitalbum

Aber das macht ja auch nichts. Nur an der Vermarktung - da gibt es auch andere Beispiele, die nicht derart gezündet haben - wird es wohl nicht liegen, dass Daft Punk ein überaus gelungenes Comeback feiern dürfen. Ihre Single "Get Lucky" reitet derzeit auf so gut wie jeder Radiowelle, nimmt den Titel "Sommerhit 2013" ins Visier und erobert in dieser Woche auch die Spitze der deutschen Charts. Dafür müssen sogar Beatrice Egli, Gewinnerin von "Deutschland sucht den Superstar", und der deutsche Schlager die Pole Position räumen. Und nicht nur hierzulande verbreiten Daft Punk mit "Get Lucky" Glücksgefühle. Unter anderem stürmten sie damit auch in der Schweiz, Großbritannien und ihrem Heimatland an die vorderste Hitparaden-Front.

Mit dem vor eineinhalb Wochen veröffentlichten Album sieht es nun nicht anders aus. "Random Access Memories" schafft in Deutschland den Sprung von 0 auf die 1 - auch hier zum Leidwesen von Beatrice Egli, deren "Glücksgefühle" sich wiederum mit dem zweiten Rang begnügen müssen. Und als wäre das noch nicht der Ehre genug, vermeldet auch die Streaming-Plattform Spotify Rekorde für Daft Punk. Allein am Veröffentlichungstag des Albums, dem 17. Mai, hätten sich knapp 300.000 Nutzer Songs daraus angehört. Das gab es noch nie. Vielleicht ja ein Anreiz für das Duo, dem Planeten etwas häufiger als nur alle acht Jahre einen ausgiebigen Besuch abzustatten.

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Quelle: n-tv.de

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