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Wolfgang Niedecken ist das einzig verbleibende Ur-Mitglied von BAP.
Wolfgang Niedecken ist das einzig verbleibende Ur-Mitglied von BAP.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 11. November 2014

"Ne schöne Jrooß" von BAP: Die Band, die Deutschland Kölsch lehrte

Von Anja Kleinelanghorst

Vor 35 Jahren erscheint die erste Platte von BAP - auf Kölsch. Doch Dank der Rocker um Sänger Wolfgang Niedecken geht bald schon der ganzen Nation die Mundart flüssig über die Lippen. "Verdamp lang her" wird sogar kräftig mitgegröhlt.

BAP und The Fall haben nicht viel gemeinsam, aber eines schon: Die Frontmänner beider Bands halten seit Jahrzehnten wacker die Stellung. Wie Mark E. Smith mal betonte: "Auch wenn es nur deine Oma an den Bongos und ich sind, bleibt es The Fall". Ebenso scheint es Wolfgang Niedecken mit BAP zu halten: Außer ihm ist keiner von der Ur-Besetzung übrig geblieben und so erweist sich der erste Name der Band als prophetisch: Wolfgang Niedeckens BAP.

Niedecken 1996 mit den BAP-Mitstreitern Klaus Heuser (l.), dahinter Jens Streifling und Axel Büchel (r.).
Niedecken 1996 mit den BAP-Mitstreitern Klaus Heuser (l.), dahinter Jens Streifling und Axel Büchel (r.).(Foto: picture-alliance / dpa)

Die (nach eigener Aussage) "Freizeitcombo" liefert im November 1979 mit "Wolfgang Niedecken's BAP rockt andere kölsche Leeder" ihr erstes Album ab, das im Kölner Raum freundlich aufgenommen wird. Man erkennt die Vorbilder: Bob Dylan und die Kinks. Die Texte sind politisch, teilweise satirisch, man merkt: Da ist jemand, der erzählen kann, wenn auch im Dialekt. Es sind "andere kölsche Leeder" als der kölsche Karneval-Kram, den man sonst in der Mundart kennt. Mit "Hang on Sloopy / Wahnsinn" gibt es eine andere Schunkelnummer, eine Coverversion von "Wild Thing".

Die Nation ist verzückt

Das nächste Album "affjetaut", das 1980 erscheint, trägt schon die Handschrift des neuen Gitarristen Klaus "Major" Heuser, der bis 1999 bei BAP musikalisch den Ton angibt. Mit dem Gassenhauer "Ne schöne Jrooß" (Einen schönen Gruß) und der Ballade "Helfe kann Dir keiner" finden sich zwei Stücke, die exemplarisch für die Band, aber vor allem für Niedeckens Poesie stehen: Gesellschaftskritik und klare Worte für die tiefsten Tiefen, in die man fällt, wenn ein geliebter Mensch stirbt.

Wolfgang Niedecken hat sich von seinem Schlaganfall erholt und macht wieder Musik.
Wolfgang Niedecken hat sich von seinem Schlaganfall erholt und macht wieder Musik.(Foto: dpa)

Der Sänger trifft den richtigen Ton, auch für die wachsende Opposition im Land, die sich Anfang der 80er Jahre gegen Ausländerfeindlichkeit, Aufrüstung und Atomkraft ausspricht. Mit Niedecken steht ein Mann auf der Bühne, der sich nicht schämt, über Gefühle und Ängste zu sprechen, gleichzeitig aber die Sau rauslassen kann. Das kommt an und als 1981 "für usszeschnigge!" erscheint, hat auch das restliche Deutschland die Rheinländer ins Herz geschlossen und kann zumindest bei "Verdamp lang her" den Refrain stolperfrei mitsingen. Aus der "Freizeitcombo" ist eine veritable Rockband geworden, die die Nation verzückt.

"Vun drinne noh drusse", das 1982 erscheint, verdrängt "für usszeschnigge!" von Platz 1 der Charts und ist bis dato mit einer Million verkaufter Exemplare das erfolgreichste BAP-Album. Das pulsierende "Kristallnaach" nimmt die damalige Sorge über wachsende Intoleranz auf und wird zu einem der wichtigsten Songs der Band, wenn nicht sogar der deutschen Rockgeschichte. Auf "Zwesche Salzjebäck un Bier" von 1984 findet sich "Deshalv spill' mer he", das die Teilung Deutschlands thematisiert. Die Musiker wollen im selben Jahr den Song auch bei ihrer ersten DDR-Tour singen. Doch das wird nicht erlaubt und so findet die Tour nicht statt. BAP-Geschichte ist auch immer deutsche Geschichte, die Lieder sind eine Art Chronik der Gesellschaftspolitik.

Feste Größe im kollektiven Bewusstsein

Niedecken und BAP sind im Laufe der Jahrzehnte immer wieder Musiker abhanden gekommen - mittlerweile heißt es die Band wieder Niedeckens BAP. Der riesige Erfolg der 80er Jahre ist vorbei, aber trotzdem bleibt der Künstler eine feste Größe im kollektiven deutschen Bewusstsein. Die Platten landen weiterhin allesamt in den Top Ten der Charts und die deutsche Öffentlichkeit reagiert geschockt, als es im November 2011 heißt, Niedecken habe einen Schlaganfall erlitten. Zum Glück erholt er sich wieder und stimmt mit den aktuellen Alben "Zosamme Alt" und "Das Märchen vom gezogenen Stecker" leisere, akustische Töne an. Der Blick geht nach vorn. 2016, zum 40. Bandjubiläum, soll schließlich entsprechend gefeiert werden.

Zugabe:

Wolfgang Niedecken: "Für 'ne Moment". Seine Autobiografie, in der sich der Sänger wenig freundlich über einige alte Bandgefährten äußert. Klaus "Major" Heuser kommt eher schlecht weg und zwar als jemand, der unbedingt den kommerziellen Erfolg über die Grenzen von Deutschland will, während Niedecken sich eher dem regionalen Kölschrock verpflichtet fühlt.

"Viel passiert - Der BAP-Film": Ein atmosphärischer Konzertfilm von Wim Wenders, der allerdings nicht so viel Informationen über die eigentliche Bandgeschichte liefert, die von vielen Ausstiegen geprägt ist.

Quelle: n-tv.de