Musik

Kiesza platzt vor Power"Ich mach' gern was mit Jungs"

17.06.2014, 11:45 Uhr
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Gibt alles: Newcomerin Kiesza. (Foto: AP)

Sie ist das Next Hot Thing, und bevor wir mehr Musik von ihr hören, lesen wir doch erst einmal, was das junge Ausnahmetalent noch so auf dem Kasten hat. Mit n-tv.de sprach sie übers Segeln, Scharfschießen und alles, was Spaß macht.

Es könnte sein, dass dieses Mädchen eine ganz große Karriere vor sich hat. Sie ist sexy und frech, aber nicht so lasziv-dämlich wie Miley Cyrus. Sie kann singen, aber sie kann auch noch was anderes, falls das nicht klappen sollte. Wenn das allerdings nicht klappen sollte, wäre das nicht zu verstehen. Kiesza (sprich: Kaisa) hat Talent, Charisma und die Gabe, andere um den Finger zu wickeln. Mit ihrem Debüt "Hideaway" vereint sie Deep House mit dem Sound der Neunziger und macht gleichzeitig doch ganz neuen Pop. Wir haben mit der gebürtigen Kanadierin gesprochen und denken, das war nicht das letzte Mal.

n-tv.de: Danke, dass du "What is Love?" in deiner Version neu aufgenommen hast. Wahnsinnig schönes Lied, hätte man gar nicht gedacht bei dem Original …

Kiesza: Oh, danke … (lacht)

Wie bist du denn darauf gekommen?

Ich mochte den Song schon immer. Nicht gerade ein Rock-Song, aber eindeutig aus der Spaß-Fraktion. Ich tanze gerne danach. Aber ich hatte auch immer das Gefühl, dass man da noch mehr rausholen könnte, dass die Worte irgendwie in der Melodie-Soße ertrinken. Ich wollte sie befreien (lacht)

Das ist dir gelungen!

Der Kontrast ist ja groß. Die Worte sind eigentlich so traurig, und dann diese fröhliche Musik dazu - ich fand, das könnte man mal trennen, damit man besser zuhören kann.

Ja, komisch eigentlich, das passt nicht zusammen.

Aber jetzt schon. Wobei es nicht schlecht ist, so widersprüchliche Botschaften zu senden, finde ich.

Also trauriger Text plus fröhliche Musik oder umgekehrt?

Ja, ich denke, das sorgt für Aufmerksamkeit.

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Multitalent, das momentan am liebsten singt, also performt - das klingt umfassender. (Foto: AP)

Kiesza, du bist ein neuer Stern am Musik-Himmel, aber du hast ja noch viele andere Talente. Musstest du dich entscheiden, was du jetzt am liebsten machen willst oder hat es sich ergeben?

Du meinst, ob ich lieber singe, tanze, komponiere oder schreibe (lacht)?

Ja, mal abgesehen davon, dass du bei der Navy warst, morsen kannst, fast Scharfschützin geworden wärst und auf einem großen Segel-Boot gearbeitet hast … du bist doch erst 25.

(lacht) Also mein absolut Liebstes ist es, Musik zu komponieren und zu performen. Ohne das Schreiben könnte ich nicht leben, aber jetzt ist die Zeit, um aufzutreten, das ist so ein Gefühl. Am einfachsten ist es immer, wenn ich einfach so vor mich hin schreiben kann, ohne ein bestimmtes Ziel zu haben. Ich denke, es wird so Phasen geben, wo ich mal das eine und dann wieder mal das andere mehr und ausführlicher betreibe. Verzichten könnte ich auf nichts, denn das alles ist das, was mich ausmacht.

Dann wirst du wohl von allem, was dir passiert und dich umgibt, inspiriert.

Ja, auf jeden Fall.

Die Frage, was genau dich inspiriert, kann ich dann wohl lassen.

(lacht) Ja, das Leben ist so interessant. Ich liebe es, Geschichten von Menschen zu hören. Ihre Geschichten interessieren mich. Das klingt so allgemein, aber es ist ja jedes Mal etwas besonderes.

Wie würdest du dich selbst beschreiben?

Ich habe sowohl eine sehr extro- als auch eine sehr introvertierte Seite. Manchmal kann ich gut aus mir rausgehen und alles mögliche machen, manchmal aber will ich einfach nur zu Hause bleiben und lesen.

Sind deine Eltern nicht verrückt geworden mit einem Mädchen, das so viele Ideen hat?

Ich war sehr schüchtern als Kind. Sie haben sich schon Sorgen um mich gemacht, aber als ich sieben wurde, hat sich das geändert. Als Teenager dann war es nochmal ein bisschen extremer, aber ich war ein nettes Kind, sagt meine Mutter. Und ich denke, ich hab' es meinen Eltern auch echt leicht gemacht, die mussten sich nie um mich sorgen, weil ich immer brav war (lacht). Ich glaube, sie hat sich eher gefragt, was bei mir wohl schief läuft, weil ich einfach nicht so das Party-Tier war.

So ein gutes Mädchen, da würde ich mir auch Sorgen machen als Mutter.

Meine Mom hatte eher immer Angst, da ich so draufgängerisch war, immer die gefährlichen Sachen machen wollte. Sie hatte Angst, dass ich mich umbringe.

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Ihr wird eine güldene Zukunft prognostiziert. (Foto: REUTERS)

Warst du sehr jungenhaft?

Nee, auch nicht, aber ich hab gern mit denen abgehangen. Meine Brüder, meine Stiefbrüder, mein Cousins – ich war umgeben von Jungs. Wir waren immer sehr sportiv und lebhaft. Ich hab' nicht mit Barbies gespielt, eher Nintendo, aber am liebsten draußen. Auch gerne Fußball. Aber meine Mama hat mir immer Kleider angezogen.

Was hast du dir noch vorgenommen?

Erstmal das Album und die Tour, aber ich will noch vieles lernen. Ich habe auch so eine wissenschaftliche Neugier, dass ich mein Gehirn ständig mit neuen Informationen versorgen möchte. Ich lese echt viel. Und ich arbeite gerade an einem Film, aber das kann noch ein bisschen dauern, ein Langzeitprojekt. Außerdem will ich Mode machen, ich arbeite daran. Ende des Jahres sollen die ersten Teile fertig sein.

Dein Tag hat doch auch nur 24 Stunden …

Ich versuche, noch eine Extra-Stunde reinzuquetschen. Und ich habe echt viel Energie.

Dein Album kommt erst im Oktober, oder?

Ja, ich hatte zuerst nur diesen einen Song, und dann hätten wir nicht erwartet, dass der gleich so einschlägt, das heißt, ich bin gar nicht hinterher gekommen (lacht). Und auch wenn ich gerne viele Dinge auf einmal mache, kann ich mir so ein Album dann doch nicht einfach aus den Rippen leiern. Eine Single bring' ich aber noch im Sommer raus.

Bleibst du bei deinem "Hideaway"-Neunziger-Jahre-Stil?

Das Album wird sehr soulig. Aber auch Tanzmusik und R'n'B. Ich liebe es, die verschiedenen Stile und Epochen zu einem modernen Sound zu vermischen.

Du kommst aus Kanada, hast in New York gelebt, warst lange auf einem Schiff unterwegs, in Boston studiert, und nun London. Wo fühlst du dich zu Hause?

Ich bin eine Zigeunerin, ich bin immer unterwegs. Ich liebe das Gefühl, keine Heimat zu haben. Das, könnte man sagen, ist dann mein Heimatgefühl. Wenn eine Stadt meine Heimat wäre, dann wohl New York, weil ich dort einfach länger war als erwachsener Mensch. In London bin ich noch gar nicht so richtig angekommen. Ich liebe es, zu reisen.

Dann müsste das Leben auf einem Schiff ja am meisten zu dir passen, oder?

Oh ja, das war eine tolle Zeit.

Und viele Jungs bist du ja gewöhnt.

Oh ja (lacht), es macht Spaß. Aber inzwischen gibt es auf Schiffen auch wirklich viele Frauen. Getrennte Kabinen natürlich! (lacht) Ich hab' für beide gesungen, nacheinander.

Mit Kiesza sprach Sabine Oelmann

Quelle: ntv.de