Machen Led Zeppelin weiter?Jimmy Page präsentiert Remasters-Alben

LedZep-Fans stocken jetzt fiebrig ihre Sammlung auf. Die ersten drei Alben der Supergroup werden frisch remastered veröffentlicht. Jimmy Page hatte das Projekt unter seiner Ägide und so hielt der Gitarrengott persönlich Hof, um die Werke vorzustellen.
Berlin, irgendwann 1961. Flieger um Flieger landet in Tempelhof, an Bord eines der Passagierflugzeuge ist ein junger Musiker namens Jimmy Page. Die Maschine schaukelt, fliegt beunruhigend dicht an den Häusern vorbei. Menschen an Bord kreischen, auch das gerade einmal 17 Jahre alte Wunderkind drückt sich mit nassen Händen und Schweiß auf der Stirn in seinen Sitz. "Das war wirklich nicht cool", erinnert sich Page mehr als ein halbes Jahrhundert danach. "Das war mein erster Flug. Ich hatte vorher schon Bammel, und dann so ein Ritt. Nicht schön!" Seine Auftrag damals in Berlin? Gitarre spielen natürlich.
Page zählt Anfang der Sixties zu den aufstrebenden Talenten in der britischen Studioszene. Bevor er schließlich mit Led Zeppelin für Furore sorgt, veredelt the Wunderkind so legendäre Songs wie "I Can't Explain" von den Who, "Baby Please Don‘t Go" von Them, Petula Clarks "Downtown" und "It‘s not Unusual" von Tom Jones mit seinem Gitarrenspiel. Auch in Deutschland erwartet man seinen Saitensupport. Die Künstlerin, um die es geht, hört auf den Namen Caterina Valente. Der Gitarrengott und die "Tschau, Tschau, Bambina ..."-Sängerin? Ein heutzutage etwas skurriler Gedanke - aber why not?
Über fünf Dekaden später kaum noch vorstellbar. Die Welt ist eine andere. Aus dem Teenager Page ist ein 70-jähriger Gentleman mit weißem Zopf geworden, in schwarzem Anzug und Chelsea Boots. Berlin hat sich zur Hauptstadt aufgeschwungen, Tempelhof ist ein Naherholungsgebiet. Pages Band eigentlich auch, aber genau die erweist sich als Legende mit einer Halbwertszeit jenseits gängiger Popkoordinaten. Das zeigt sich spätestens, als einige der LedZep-Songs im Berliner Meistersaal durch die Boxen geschickt werden. Der Ort ist vortrefflich gewählt. Dort, wo Bowie damals "Heroes" einsang, Depeche Mode ihren Sound industrialisierten und U2 ihre Eindrücke der einstigen Inselstadt unmittelbar nach dem Mauerfall qua "Achtung Baby" in Klang gossen, sitzt nun Page und plaudert aus dem Nähkästchen.
Original Led Zeppelin
Im Gepäck hat er die ersten drei Alben von Led Zeppelin, die jetzt in neu remasterter Version auf den Markt kommen. Page persönlich hat das Ganze produziert und dafür einiges an Zeitaufwand geleistet. "Ich habe Hunderte von Tapes mit nach Hause genommen, Karton um Karton. Und dann wirklich alles durchgehört, um die besten alternativen Takes zu finden", erzählt er lächelnd. Er hat Archive durchforstet, mit alten Weggefährten zusammen Bänder aus dem Keller hervorgeholt, selbst in Asien wurde er fündig. Wenn auch eher unfreiwillig. "In Japan komme ich in einen Plattenladen und was läuft da? Led Zeppelin. Aber nicht etwa ein Song, dessen Version ich kenne, sondern ein mir völlig unbekanntes Bootleg", erzählt Page schmunzelnd.
Die Japaner, so der Gitarrist, haben ihre eigenen Vorstellungen von Musik-Copyrights: "Wenn du in deinem Plattenladen die Originale verkaufst, dann darfst du auch Bootlegs verhökern", erklärt er. "Ich habe dann einen ganzen Stapel mitgenommen." Ob er denn dafür auch bezahlt habe, fragt Interview-Moderator Alan Bangs. "Natürlich nicht," erwidert Page und grinst dieses Grinsen, das auch mit 70 immer noch dasselbe ist wie vor 50 Jahren. Dabei waren doch schon zu Beginn der 90er die Klassiker in remasterter Version erschienen: "Aber das ist 20 Jahre her und in dieser Zeit hat sich soundtechnisch so viel getan," erläutert Page. "Dabei wollte ich nicht einfach nur neu digitalisieren, sondern etwas Eigenes daraus machen. Ich bin ein Analog-Typ. Vinyl, das ist es immer noch. Wenn ich zuweilen MP3s von uns hören, denke ich, hat das irgendjemand anders produziert?"
Und die Arbeit, die Page in dieses Projekt gesteckt hat - sie hat sich gelohnt. Die opulenten Album-Boxen sind randvoll mit Demos, Outtakes, Live-Aufnahmen und eben den alternativen Takes der bekannten Originale. Und die Jahresringe im großen Rock'n'Roll-Baum verkommen zur Fußnote, wenn die Musik schließlich zu spielen beginnt. Unglaublich, wie dickhosig etwa Bonhams Beats bei "Good Times, Bad Times" und "Communication Breakdown" bollern. Bei "Gallow's Pole" meint man, Page förmlich in die Gitarre greifen zu können, "Whole Lotta Love" schwingt und schwitzt, drängt sich nach vorn, als würde man mit den vieren in einem Raum stehen.
It's A Kind Of Magic
Seinen eigenen Anteil an diesem immer noch so aktuellen Erbe sieht Page mit britischem Understatement: "Ich hielt mich nie für besonders talentiert. Led Zeppelin sind nur deshalb so big geworden, weil wir im Kollektiv so Großes leisten konnten". Und weiter: "Klar hatte jeder sein Ding drauf, auch unabhängig von der Band. Aber egal, ob Jones, Bonham, Page oder Plant - am allerbesten waren wir zusammen. Wir vier als Led Zeppelin in einem Raum, das hatte etwas Magisches."
Wenig überraschend, dass hier dann schließlich die unvermeidlichen Fragen nach Livekonzerten aufploppen. Page reagiert alles andere als ausweichend: "Das liegt nicht in meiner Hand, jedenfalls nicht, wer letztlich am Start ist", antwortet er. Schon nach dem Konzert für Ahmet Ertegun vor sieben Jahren hatte er direkt mit LedZep-Shows weitermachen wollen. Andere Bandmitglieder, besser gesagt Robert Plant, hatten andere Projekte in der Pipeline.
Und sieht das jetzt möglicherweise anders aus? "Ich kann nur soviel sagen", resümiert Page schließlich und macht etwas Hoffnung, "ich will mit diesen Songs auf Tour gehen. Im nächsten Jahr will ich live Led-Zeppelin-Songs wie etwa "Dazed & Confused" spielen. Wer dann allerdings noch mit dabei ist, das liegt nicht in meiner Macht!"
"Led Zeppelin I", "Led Zeppelin II" und "Led Zeppelin III" erscheinen in verschiedenen Formaten am 30. Mai 2014 bei Atlantic Records / Swan Songs Records / Warner Music Entertainment