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Karl Logan, Joey DeMaio, Eric Adams und Donnie Hamzik sind MANOWAR.
Karl Logan, Joey DeMaio, Eric Adams und Donnie Hamzik sind MANOWAR.
Dienstag, 19. Juni 2012

"Die Deutschen sind sehr intelligent": Manowar über Wagner, Wodka, Wahnsinn

Hier kommt der Autor hin

Seit mehr als 30 Jahre beschallen Manowar weltweit die Konzerthallen und spielen wie wohl keine andere Band nach Spinal Tap mit den Klischees des Heavy Metal. Vor wenigen Tagen veröffentlichen die Amis ihr zwölftes Studio-Album "The Lord Of Steel". Bandkopf Joey DeMaio äußert sich im Interview außerdem zu der Kritik, dass seine Band über die Jahre immer schlechter geworden sei, seine Leidenschaft für Wagner und Deutschland sowie seine Erfahrungen mit Stefan Raab.

n-tv.de: Herr DeMaio, können Sie uns erklären, wie es dazu kommen konnte, dass Sie Stefan Raab zum "True Brother Of Metal" ernannt haben?

Joey DeMaio: Einen Monat lang haben mir ständig irgendwelche Leute erzählt, was für ein verdammtes Arschloch er sei. Er würde uns nur verarschen wollen und er würde nur Leute in seine Show einladen, um sie lächerlich zu machen. Doch was ist passiert? Ich erzähle nur die Wahrheit, denn ich bin kein Arschkriecher: Er war höflich und zurückhaltend. Er hat an unsere Tür geklopft, hat gefragt, ob er reinkommen darf und sich dafür bedankt, dass wir zu seiner Show gekommen sind. Ich dachte mir: Das soll das große Arschloch sein? Vielleicht hält er sich nur zurück, um es uns in der Show umso härter zu geben, wenn wir nicht mehr abhauen können. Doch dann haben wir den Spieß umgedreht: Wir haben "Big Dick" auf seine Schuhe geschrieben und unsere Beine auf den Tisch gelegt. Stefan hat den Spaß mitgemacht und sich anschließend noch mal bedankt. Später kam er sogar noch zu uns auf die Bühne, als wir ein Konzert in Köln gespielt haben und hat mit uns gejammt.

Anschließend haben sich einige Metal-Puristen darüber aufgeregt, dass Manowar zu Raab in die Show gekommen sind.

Warum nicht? Das ist doch eine super TV-Show. Außerdem ist es genau das, was wir wollen: unsere Musik in die Welt hinaustragen.

Warum bringt Ihre Band das neue Album "The Lord of Steel" vorerst nur auf iTunes heraus und erst zwei Monate später auf CD und LP?

Schauen Sie, Manowar war schon immer eine Band, die sich dem technischen Fortschritt nicht verschlossen hat. Wir waren auch die erste Heavy Metal Band, die ihre Alben digital aufgenommen hat. Wir tun alles, um unseren Klang zu verbessern - wir sind Qualitätsfanatiker.

Heavy-Metal-Fans sind traditionsbewusst. Glauben Sie nicht, dass sie enttäuscht sind, dass es das neue Album erst später auf CD und Vinyl gibt?

Die iTunes-Version des neuen Albums ist eine Special-Edition. Viele Fans hören Musik nun einmal gerne über Kopfhörer und tragen einen kleinen iPod in ihrer Tasche, auf dem sich ihre gesamte Sammlung befindet. Ich habe allein auf meinem iPod 4000 Musikalben. Heutzutage ist Zweckmäßigkeit wichtig. Für einen Zehnstundenflug kann ich keine Schallplatten oder einen Stapel CDs mitnehmen.

Wie würden Sie das neue Album beschreiben?

Manowar bei der Arbeit.
Manowar bei der Arbeit.

Schnell, hart und laut. Es hat einen großartigen Bass- und Gitarrensound. Wir gehen zurück zur Basis. Es hat von allem, was Manowar ausmacht, ein bisschen. Es ist wie ein Eintopf, in dem sich alle guten Zutaten befinden, die man für ein Heavy-Metal-Album braucht. Ich bin mir sicher, dass "Lord of Steel" den Fans gefallen wird.

Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Viele Fans waren über die vorherigen zwei, drei Alben enttäuscht.

Du kannst nicht in der Vergangenheit leben. Jedes Album muss für sich selbst stehen können. Jedes Manowar-Album ist anders. Natürlich freue ich mich, wenn die Fans sagen: Ich mag "Hail to England" oder "Into Glory Ride" oder "Kings of Metal" (alles Alben aus den 1980er Jahren, Anm. d. Red.). Großartig, aber Alben haben ihre eigene Persönlichkeit, sie sind wie kleine Kinder, die erwachsen werden. Alben sind wie Menschen, sie sind alle verschieden.

Wie stehen Sie zu der Kritik, dass sich Manowar in eine falsche Richtung entwickelt hätten?

Das ist okay. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung. Einige Leute mögen unsere alten Platten lieber, andere wiederum die neuen. Das heißt nicht, dass die neuen Alben schlechter oder die alten besser sind. Jede Neuveröffentlichung ist wie ein Kapitel in einem Buch. Ein Filmemacher dreht auch nicht den vorherigen Film noch einmal, nur weil er ihm so gut gefallen hat. Oder nehmen wir Richard Wagner. Jeder Mensch hat seine Lieblings-Oper. Wagner hat allerdings sehr viele Opern geschrieben, und sie sind alle sehr gut.

Sie spielen in einer Heavy-Metal-Band. Wie kommt es, dass Sie sich so für klassische Musik und Richard Wagner begeistern?

Er war cleverer und intelligenter als seine Zeitgenossen. Musikalisch war er brillant. Er hatte mehr auf dem Kasten als all die Leute, die Theater und Opern gebaut haben. Wagner hat sich hingestellt und gesagt: Der Klang und das Licht in euren Konzertsälen ist scheiße, der Architekt und der Opernbetreiber sind verdammte Loser, die Bühne ist fürchterlich und die Sänger sind grausam. Darauf haben die Leute gesagt: "Es gibt aber nichts Besseres." "Doch", hat Wagner gesagt, "es existiert in meinem Kopf".

Wie sind Sie zu Wagner gekommen?

Die Fans bei der Arbeit.
Die Fans bei der Arbeit.

Durch Zufall. Ich habe in einem Orchester eines Broadway-Musicals gespielt. Ich wollte nicht mehr in heruntergekommenen Bars spielen, sondern ernsthaft Musik studieren. Dort bin ich mit der klassischen Musik in Kontakt gekommen. Mein Gott, was für ein schlechter Musiker ich im Vergleich zu meinen Kollegen war. Eines Tages kam der Musik-Direktor zu mir und erzählte mir, dass er eine Oper schreiben will. Ich war beeindruckt, schließlich konnte ich damals noch keine einzige Note lesen. "Wagner ist mein Held", sagte der Direktor. "Wer ist das?", fragte ich. "Ich zeige es dir", sagte er und gab mir ein Buch über Wagners Leben. Ich habe dann alles über ihn gelernt. Wagner ist die Basis für alle heroischen Mythen, er hat den Menschen Energie gegeben und mein Leben verändert. Übrigens: Richard Wagner hat den Heavy Metal erfunden!

Wirklich? Ich dachte immer, das wären Black Sabbath gewesen?

Nein, Black Sabbath haben es von ihm gelernt. Er wollte mehr Power in die klassische Musik bringen, er hat die Bässe in der Oper verdoppeln lassen und die Leute dazu gebracht, auf Ambosse einzudreschen. Was für ein geiler, dramatischer Scheiß. Er hatte diese Dinge in seinem Kopf und hat sie einfach umgesetzt. Wagners Musik war geil, seine Worte waren geil, und seine Präsentation war obergeil. Die Leute sind ausgerastet darüber, was für ein verdammter Idiot er doch ist. Aber die Leute sagen bestimmt auch keine netten Dinge über mich. Dabei bin ich gewiss kein Wagner und auch kein Genie so wie er. Es liegt allerdings in der Natur des Menschen, schlecht über andere zu reden.

Sie und Ihre Bandkollegen fühlen sich, wie ein Manowar-Album-Titel vermuten lässt, als "Kings of Metal", die sich für den wahren Heavy Metal einsetzen. Was bedeutet das für Sie?

Viele Menschen mögen Musik, und viele Menschen wollen Musik spielen. Das ist schön, doch ein echter Musiker zu sein und einfach nur Musik zu spielen, das ist ein großer Unterschied. Ein Musiker spielt das Instrument, er kontrolliert es und wird nicht von ihm kontrolliert. Ich glaube einfach, dass es zu viele Menschen da draußen gibt, die sich eine Gitarre kaufen, eine Band gründen und eine Million Dollar verdienen wollen. Sie denken, die Leute sind blöd genug, mir Millionen zu zahlen, wenn ich mich auf die Bühne stelle und wie ein Arschloch benehme. Das ärgert mich.

Wen meinen Sie konkret damit?

Bilderserie

Ich könnte viele Beispiele anführen. Doch das wäre nicht professionell, sich schlecht über andere Leute zu äußern. Es gibt genug Bands, die ich fürchterlich finde. Andere wiederum finden sie brillant. Ich finde allerdings, dass viele Bands die Einstellung haben, ihre Fans zu verarschen und so viel Geld wie möglich aus ihnen herauszupressen. Das gilt auch für Promoter und Manager im Musik-Business. Viele Fans müssen hart dafür arbeiten, um sich ein Konzertticket leisten zu können. Doch die Fans sind alles - ohne sie wären wir gar nichts.

Und was bedeutet nun "True Metal" für Sie?

Es bedeutet, dass ich in der Musik etwas Wahres oder Wahrhaftiges kreiere. Du musst hart an deiner Musik, deinen Songs und deinen Texten arbeiten. Du musst sehr viel proben, damit du ein hervorragendes Album veröffentlichen kannst. Du musst auch Geld für Technik und dergleichen ausgeben, um die möglichst beste Qualität zu erreichen. Erst dann kannst du es den Leuten zum Verkauf anbieten, so dass sie sagen: "Wow! Das ist etwas ganz Besonderes!"

Können Sie wenigstens andere Bands außer Manowar nennen, die für den wahren Metal stehen?

Um ehrlich zu sein, kümmere ich mich nicht um andere Bands. Sie sind mir egal. Es gibt nur eine Band, die mir wichtig ist - und das ist Manowar. Ich habe eine Gruppe von Fans, die an uns glaubt. Mein gesamtes Leben ist darauf ausgerichtet, morgens aufzustehen und sicherzustellen, dass diese Menschen das Bestmögliche von uns bekommen. Ich habe die Verantwortung, diesen Menschen alles zu geben, was ich habe.

Warum haben Manowar eigentlich so viele Fans in Deutschland?

Die beste Erfindung der Deutschen? "Red Bull mit Wodka - unter anderem", findet Joey DeMaio.
Die beste Erfindung der Deutschen? "Red Bull mit Wodka - unter anderem", findet Joey DeMaio.

Die Deutschen sind sehr intelligent, sie verstehen etwas von Qualität. Wer hat die besten Autos und die besten Straßen? Die Deutschen. Die Deutschen stehen auf Rock, sie trinken und feiern gerne. Doch sie arbeiten auch gerne, und das sehr hart. Die Deutschen haben die Technik erfunden, Red Bull mit Wodka zu trinken. Durch das eine wirst du besoffen, und das andere hält dich fit. Doch Manowar ist nicht die einzige Band, die sich auf ihre deutschen Fans verlassen kann. Die Beatles, David Bowie, Black Sabbath, Led Zeppelin, Uriah Heep: All diese Bands haben es erst in Deutschland geschafft, bevor sie auch in der restlichen Welt Erfolg hatten. Deutschland ist einfach ein fantastisches Land, um harten Rock zu spielen und Spaß zu haben. Heavy Metal ist hier geboren – durch Wagner.

Mit Joey DeMaio sprach Matthias Bossaller

Das neue MANOWAR Studioalbum "The Lord Of Steel" ist zuerst weltweit exklusiv auf iTunes und im bandeigenen Online-Shop, The Kingdom Of Steel, digital veröffentlicht worden. Die CD Veröffentlichung im weltweiten Handel ist für den 7. September terminiert.

Quelle: n-tv.de

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