Musik

Sasha macht wieder Pop"Wünsche mir extrem, dass es funktioniert"

11.12.2014, 13:11 Uhr

Ist schon eine Weile her, dass von Sasha was zu hören war. Jetzt ist er 42 und probiert es noch mal. Auf "The One" bleibt er beim Pop, hat ihn aber zeitgemäß aufpoliert. Beim Treffen mit n-tv.de hat Sasha nun erzählt, was er in der Liebe und in der Musik jetzt so alles vorhat.

Sasha? Verdammt lange her, oder? 1998 - es gab noch keine Castingshows und ins Internet kam man mit einem fiepsenden Modem - feierte der aus dem westfälischen Soest stammende Wahl-Hamburger seinen Durchbruch mit dem Reggae-Pop-Song "If you Believe". Sascha Schmitz, so sein bürgerlicher Name, war eine Mischung aus One-Man-Boyband und Robbie Williams, es folgten weitere Hits und eine ebenfalls fulminante Alter-Ego-Karriere als Rockabilly-Kanadier Dick Brave. In den letzten Jahren jedoch dünnten die Erfolge ähnlich aus wie das Haupthaar auf seinem Hinterkopf. Jetzt, mit 42, probiert es Schmitz noch mal. Auf "The One" bleibt er beim Pop, hat ihn aber zeitgemäß aufpoliert und dem international gängigen, leicht austauschbaren, computergenerierten Sound angepasst. Wir unterhielten uns mit Sasha in einem Münchner Hotel, seine Freundin Julia Röntgen, die zugleich seine PR-Managerin ist, leistet uns Gesellschaft.

n-tv.de: Sasha, im Titelsong "The One" geht es doch bestimmt um deine Freundin Julia, oder?

Sasha: Nein, da geht es eher ums Songschreiben an sich und um die Suche nach dem einen, dem perfekten Song.

Konntest du ihn finden?

Man hofft bei jedem Lied, dass man das Optimale rausholt. Als ich mich mit meinen Produzenten und Co-Komponisten in Los Angeles traf, um ernsthaft an dieser Platte zu arbeiten, da fragten sie "Was hast du denn so?" Und meine Antwort war: "Ich habe schon viele Songs, aber noch nicht den einen, noch nicht The One." Das war ein Moment, als wenn sich ein Schalter umlegt, sozusagen der offizielle Startschuss für dieses Album. Deshalb musste es der Titel werden. Aber was Julia angeht: Sie hat mich bei vielen der neuen Songs sehr inspiriert.

Wie lange seid ihr schon zusammen?

Seit drei Jahren. Mit Julia habe ich das Gefühl, dass ich endlich angekommen bin und dass ich jetzt die Frau gefunden habe – fürs Leben. Letztlich kann man ja auch "The One" nicht nur so interpretieren, dass ich den perfekten Song, sondern den perfekten Menschen gefunden habe.

Ihr habt euch kennengelernt in deinem Stammlokal, der "Bullerei" deines Freundes Tim Mälzer im Hamburger Schanzenviertel. Hat es gleich gefunkt?

Nee, es gab erst ein ziemliches Hin- und Hergeeiere. Am Anfang wollten wir es uns beide nicht so richtig eingestehen. Aber dann war es klar und seitdem ist alles wirklich toll. Wir sind immer noch verliebt.

Glückwunsch.

Ja, das ist so, was soll ich sagen (lacht). Es ist kitschig, aber es ist wirklich so. Selbst manche unserer Freunde sagen schon mal "Kann doch gar nicht sein, dass es bei euch nie Streit gibt", die finden die Harmonie zwischen uns seltsam und glauben uns das nicht. Wir diskutieren halt eher, als dass wir mit Tellern werfen.

Davor warst du ziemlich lange Single, oder?

Ja, drei Jahre etwa. Wir beide waren so weit zufrieden mit unseren Situationen, ich habe mir auch nie Druck gemacht. Ich war als Single nicht unbedingt glücklich, aber nach drei Jahren Alleinsein mit allen Phasen, die man so durchläuft, habe ich mir gesagt: "Weißt du was, jetzt muss es auch nicht mehr passieren." Wenn man es laufen lässt und einfach abwartet, was passiert, dann kommt man besser und schneller ans Ziel, als wenn man sich verrückt macht.

Seid ihr euch ähnlich?

In vielen Punkten sind wir uns ähnlich, in anderen Punkten ergänzen wir uns sehr gut. Julia ist zum Beispiel gerne mal spontaner und lebt nach dem Motto: "Das wird schon." Ich als typischer Westfale bin ein Mann der Planung. Ich mag Termine und ich will dann auch pünktlich sein.

Sind Hochzeit und Familiengründung die nächsten Schritte?

Das gehört für uns jetzt nicht zwangsläufig zusammen, aber über die Hochzeit sprechen wir schon. Wir wissen, wie das Fest ungefähr aussehen soll, nämlich riesig mit Familie und Freunden und gern auch irgendwo, wo das Wetter gut ist.

Hast du den Heiratsantrag schon hinter dir?

Nein, ich muss noch fragen. Den Antrag mache ich klassisch und gehe erstmal zum Vati. Wie der Antrag aussehen soll, das weiß ich allerdings noch nicht. Würde ich natürlich hier auch nicht verraten.

Und dann: Häuschen auf dem Lande?

Wenn Häuschen, dann lieber eins in der Sonne. Wir haben uns in Hamburg jetzt eine Wohnung gekauft, in einem knappen halben Jahr werden wir hoffentlich einziehen können.

Wo denn?

Eine Straße von unserer aktuellen Wohnung entfernt, am Rand des Schanzenviertels. Ich lebe seit zehn Jahren dort und finde die Mischung aus Ruhe und Trubel genau richtig.

Deine Freundin ist gleichzeitig deine PR-Managerin. Ist das ein Vorteil, auch zusammen zu arbeiten?

Ja, ich finde das total schön. Ich bin wegen des Jobs oft nicht zu Hause und so kann Julia häufiger mit dabei sein. Wir erleben vieles gemeinsam.

Du sagst, es sei wichtig, den Druck rauszunehmen. Wie viel Druck machst du dir mit deinem neuen Album?

Ich spüre jetzt nicht unbedingt Druck, aber ich wünsche mir schon extrem, dass das funktioniert. Nicht zwingend in Verkaufszahlen, sondern dass die Leute mitkriegen: "Hier ist der neue Sasha".

Fünfeinhalb Jahre seit dem letzten Sasha-Album sind eine lange Zeit. Ist das ein Comeback?

Man redet ja immer schnell von Comeback, wenn einer ein paar Jahre nicht da war und es ist ja auch richtig so. Für mich bildet "The One" eine Art Neuanfang. Zwar ist es wie jedes Album eine Momentaufnahme, doch ich weiß: Von hier aus möchte ich weitermachen.

Gab es einen Grund, warum du so lange nichts hast von dir hören lassen?

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Sasha als Sänger der Band Dick Brave and The Backbeats bei "Rock am Ring" auf dem Nürburgring im Juni 2012. (Foto: dapd)

Ich war ein paar Jahre lang ziemlich fokussiert auf Dick Brave.

Dein Rockabilly-Alter-Ego.

Genau. 2011 haben wir ein Dick-Brave-Album gemacht und sind viel getourt, danach wollte ich ein Brave-Album mit eigenen Songs hinterherschieben, diese Figur ein bisschen modernisieren. Mit der zweiten Platte von Dick Brave war ich nicht so ganz zufrieden, ich hatte Bock, es allen zu zeigen, dass ich das besser kann. Während des Schreibens und nach bestimmt einem Jahr Arbeit merkte ich allerdings, dass es mich wieder in Richtung Sasha zieht. Also fing ich nochmal von vorne an.

Deine Single "Good Days" ist unbeschwerter, optimistischer, sorgenfreier Pop. Mit Absicht?

Klar. Das ganze Album ist optimistisch und in "Good Days" geht es so um diese Situation, alles, was hinter mir liegt, zurückzulassen und mit Vollgas reinzufahren ins Leben.

Der Song klingt etwas untypisch, vielleicht sogar ein wenig nach One Republic oder so.

Viele Leute sagen: "Ich fand die Nummer geil und habe erst dann gemerkt, dass es Sasha ist". Solche Reaktionen wollte ich bekommen. Wir haben ein paar Dinge anders gemacht auf dieser Platte, wir haben uns von manchen Schranken, Scheuklappen und Dogmen befreit.

Zum Beispiel von welchen?

Auf dem vorherigen Album hatte ich das Dogma: Alles muss akustisch klingen. Aber das hat überhaupt nicht funktioniert, weil das Konzept nicht zu den Songs passte. Das hätte man nochmal stoppen und neu machen sollen. Ich habe für "The One" das meiste zusammen mit meinem guten Freund Robin Grubert, der jetzt dort lebt, in LA aufgenommen. Wir haben diesmal echt alles auf dem Rechner gemacht. Statt mit Band zu arbeiten, haben wir intensiv an den einzelnen Sounds getüftelt. Ich habe versucht, für mich etwas Neues zu entwickeln. Es ist nach wie vor Popmusik und auch nicht die Neuerfindung der Currywurst, aber einige werden überrascht sein von der Platte.

Apropos: Bekommst du eine anständige Currywurst hin?

Ja, Ich kann einerseits tricksen und aus den vorhandenen Ketchups im Kühlschrank eine Soße zusammenrühren. Aber ich habe auch schon eine gute eigene Soße entworfen. Die Köche machen das ja alle etwas unterschiedlich – manche nehmen Ingwer, manche Orangensaft, manche Cola. Ich habe aus allen Ideen was übernommen. Schmeckt echt gut.

Es heißt immer, positive Liebeslieder zu schreiben, sei besonders schwer.

Kann ich bestätigen. In sich reinzuhorchen und etwas Ehrliches rauszuholen, das ist nicht so einfach. Man will das ja auch gut machen. Für uns war wichtig, dass wir uns total freimachen von allem. Dass wir keine Angst haben, ob irgendwas zu kitschig klingt. Aber wir übertreiben es auch nicht mit den Klischees. "Silver Linings" zum Beispiel ist ein Duett mit der Nichte meiner Freundin, der Song hat eine schöne, melancholische Melodie. Hätten wir da noch ein Orchester draufgesetzt, wäre es zu süß geworden.

Bist du eigentlich auch selbst "The One"?

Wie meinst du das?

Du bist 42, also nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht alt, und du machst kommerziellen Pop mit englischen Texten. Stehst du mit deiner Musik in Deutschland nicht ziemlich allein auf weiter Flur?

Es gab immer schon Deutsche, die englischen Pop machen. Und deshalb hat man mich immer verglichen: Ich war die One-Man-Boyband, der deutsche Ricky Martin, der deutsche George Michael, der deutsche Robbie Williams. Natürlich werde ich auch ständig gefragt, warum ich keine deutschsprachige Platte mache.

Und warum nicht?

Weil meine musikalische Identität nicht in der deutschen Sprache liegt. Würde ich das probieren, käme Quatsch raus. Ich kann mir allerdings vorstellen, mal so ein Hommage-Album an die deutschen Künstler aufzunehmen, die mich geprägt haben. Durch meine Oma und meine Mutter habe ich den deutschen Schlager früher extrem viel gehört. Im guten, alten Schlager gibt es viele Lieder, die ich toll finde. Vielleicht werde ich mal eine Platte machen, die sich damit beschäftigt.

Als Sasha?

Weiß ich noch nicht. Vielleicht nehme ich meinen Nachnamen. Schmitz.

Was sagt denn der BVB-Fan Sascha Schmitz zum bisherigen Saison-Verlauf?

Ach, das wird schon wieder. Die werden sich fangen. Wenn so viele wichtige Spieler verletzt sind, ist schnell der Wurm drin.

Wir sollten noch kurz deine Haar-Operation ansprechen. Jürgen Klopp hat die Behandlung gemacht, Benedikt Höwedes auch. Dachte der alte Hobbykicker Sasha, da kann er nicht hinten anstehen?

Haha. Ich wollte das eigentlich verheimlichen und nicht überall herumposaunen. Aber dann kam das irgendwie raus. Ich schäme mich nicht dafür, im Gegenteil.

Wird das Haar denn schon so licht?

Das geht jetzt los. Ich habe das vorsorglich machen lassen, meine Onkel mütterlicherseits wurden mit 45, 50 alle recht schnell kahl. Und Glatze sieht bei mir scheiße aus, ich habe einen unfassbaren Bummskopf. Also dachte ich, wenn das jetzt geht mit den eigenen Haaren, probiere ich es doch aus.

Ist die Prozedur schmerzlos?

Nein. Das war die Hölle. Tat weh und das Gesicht schwoll an wie bei einem Preisboxer.

Das Gespräch führte Steffen Rüth

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Quelle: ntv.de