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"Leonessa" mit Lena Odenthal Der Ludwigshafener "Tatort" im Schnellcheck

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Leons Mutter Katja (Karoline Eichhorn, r) will es keinesfalls zugeben, aber Johanna Stern (Lisa Bitter) und Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, M) sind überzeugt davon, dass ihr Sohn gefährdet ist.

(Foto: dpa)

In Oggersheim-West macht man sich kaum Illusionen: Keine Arbeit, keine Perspektiven, kein Geld - nur Schnaps, schneller Sex und ein Saloon. Als der Wirt ermordet wird, fällt der Verdacht auf ein junges Trio infernale.

Das Szenario

Kneipenwirte haben zumeist ein offenes Ohr für ihre Stammgäste, das ist auch im Saloon von Hanne und Hans nicht anders. Vor allem Hans sorgt sich um die Probleme rund um seine Schankwirtschaft, und davon gibt es reichlich, der Laden liegt mitten in Oggersheim-West, einem Problemviertel von Ludwigshafen. Dieses Pflaster erweist sich für den Wirt schließlich als tödlich, eines Morgens verpasst ihm ein Gast eine Kugel in die Stirn.

Den Kommissarinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) bietet sich Samir (Mohamed Issa) als erster Verdächtiger an. Der junge Mann hat den Toten unmittelbar nach dem Mord entdeckt, zwischen Schuss und Anruf bei der Polizei vergeht jedoch verdächtig viel Zeit. Auch seine Freunde Leon (Michelangelo Fortuzzi) und Vanessa (Lena Urzendowsky) rücken bald in den Fokus der Ermittlungen - die beiden sind für einen illegalen Escort-Service tätig und bessern mit Oralsex auf Parkplätzen und Rückbänken ihr Taschengeld auf. Der Ermordete war diesem Prostitutionsring auf der Spur, so scheint es zunächst. Oder hatte Hans Schilling selbst etwas mit dem Geschäftlichen zu tun?

Die eigentliche Botschaft

Mick Jagger muss Shows absagen, Sting ist k.o., Elton John und Ozzy laufen auf Reserve, Madonna schleppt sich so durch. Auch Lena Odenthal könnte eine Pause vertragen. Keinen normal gesprochenen Satz gibt es von ihr in diesem Fall, nur Motzen und Geschimpfe, da kann kein Bier trösten, keine Entspannung in Sicht, die Kollegin wird gar mit Äpfeln beworfen - wo ist Kopper mit einer tröstenden Flasche Rotwein, wenn man ihn braucht? Oder wenigstens eine Katze, die sich ein wenig kraulen lässt. Überhaupt: Hat die Odenthal eigentlich noch eine eigene Wohnung?

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Vielleicht darüber, mit welcher Berufsauffassung die Ludwigshafener an den Start gehen. Da soll "undercover" ermittelt werden - was genau, wird an keiner Stelle so ganz klar - und Edith Keller (Annalena Schmidt) setzt sich mit einem Glas Apfelschorle an den Tresen einer klassischen Säuferpinte? Und wie lange dauert es eigentlich, bis das Team auf die Idee kommt, auf der Suche nach einer Tatwaffe doch mal ins Außenklo zu schauen?

Der Plausibilitätsfaktor

Die Koordinaten der Story wirken durchweg realitätsnah: Desillusionierte Kids, Eltern auf Abwegen, Kneipenwirte und ihre Gäste in einer kruden Parallelwelt zwischen Handfeuerwaffen und trauriger Countrymusik aus der Jukebox - durchweg suburbane Realitäten, deren Zusammenwirken jedoch kaum fesselt, und wo sich einiges an Drama-Potential als konturlos und symbolisch überfrachtet erweist. Zudem fehlt es dem gedrechselten Titel "Leonessa" an inhaltlichem Leben, da kann auch der nicht minder konstruierte "Brangelina"-Verweis nur wenig retten.

Die Bewertung

5 von 10 Punkten. Toll besetzt, stimmungsvoll-düstere Szenerie, dramaturgisch jedoch schief und spannungsarm.

Quelle: ntv.de