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Die "Lindenstraße" hat fertig Mutter Beimer macht das Licht aus

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Marie-Luise Marjan war schon vor Angela Merkel die Mutter der Nation.

(Foto: dpa)

Deutschlands TV-Soap-Community trägt Trauer. Nun ist der Tag gekommen. Die "Lindenstraße" sagt Adieu. In der letzten Folge gibt es aber nochmal einen Grund zum Feiern.

"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher": Jahrzehntelang wehrten sich "Lindenstraße"-Jünger mit Erfolg gegen Einsteins berühmtes Zitat. Schließlich hatte sich auch Deutschlands Mutter aller Vorabend-Soaps auf die Fahnen geschrieben, Generationen zu überdauern und ihre Fans und Anhänger bis zum Ende aller Tage mit So-ist-das-wahre-Leben-Dramen zu versorgen.

Nun ist aber auch in Deutschlands berühmtester TV-Straße Schluss. Nach knapp 35 Jahren, über 7000 Drehtagen und genau 1757 Folgen summt sich die melancholische Mundharmonika-Titelmelodie ein letztes Mal in die Wohnzimmer der Republik.

Aufwühlende Erinnerungen kochen hoch

Selbst unbekehrbare Soap-Allergiker halten kurz inne und stapeln Fragezeichen. Ist es tatsächlich wahr? Ja, es ist bittere Realität. Mutter Beimer und Co haben fertig. Bevor die letzten 33 Minuten und 28 Sekunden das finale Serien-Ausrufezeichen markieren, kochen auf den Sofas zwischen Kiel und München nochmal aufwühlende Erinnerungen hoch.

Angefangen von der lieblichen Vorweihnachts-Kammerpopvorstellung aus Folge eins, über den innigen ersten schwulen Kuss im deutschen TV und jugendliche Abstürze in politische Abgründe, bis hin zum transparenten Ausreizen von gesellschaftlichen Brennpunktthemen wie Arbeitslosigkeit, Fremdenhass und Untreue: Die "Lindenstraße" legte stets den Zeigefinger in die Wunden der Nation.

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Erfinder Hans W. Geißendörfer wirft einen Blick auf seine "Lindenstraße".

(Foto: dpa)

Von der ersten Folge im Dezember 1985 an hat Serien-Chef Hans W. Geißendörfer ein Gespür für die emotionalen Grauzonen der Deutschen, an dem sich TV-Soap-Nachahmer bis heute die Zähne ausbeißen. Statt mit prolliger Copypaste-Action aus dem Hollywood-Archiv gepaart mit drittklassigen Fremdschäm-Dialogen beeindruckt das "Lindenstraße"-Drehbuch mit Authentizität, Feingefühl und Hier-und-jetzt-Nähe.

Nun sitzen selbst Leute nochmal am Sonntagabend vor der Glotze, die irgendwann abgesprungen sind als Hausmeisterin Else Kling (Annemarie Wendl) noch mit Handfeger und Schüppe durchs "Lindenstraße"-Treppenhaus sauste. Und die bekommen in den finalen Formatminuten nochmal so ziemlich alles auf dem Silbertablett serviert, was die Serie in den vergangenen vier Jahrzehnten so groß und erfolgreich gemacht hat.

Am Ende soll und muss das Gute siegen

Anna Ziegler (Irene Fischer) ist mal wieder in einen mysteriösen Todesfall verwickelt. Helga Beimer (Marie-Luise Marjan) weiß nicht wohin mit ihren überfordernden Emotionen. Und dann steht auch noch ein zwielichtiges Hotel-Projekt zwischen Gut und Böse. Viele alte Gesichter huschen noch einmal um die Ecke. Am Ende soll und muss schließlich das Gute siegen. Und das tut es auch. Pünktlich zum 80. Geburtstag von Helga präsentiert sich das "Akropolis" noch einmal als Gute-Laune-Speisekammer für Alt und Jung.

Die Zenkers (Andrea Spatzek, Jo Bolling) kommen. Psycho-Lisa (Sontje Peplow), Tanja Schildknecht (Sybille Waury) und Carsten Flöter (Georg Ücker) sind auch am Start. Und sogar Dressler-Butler Gung (Amorn Surangkanjanajai) flüstert Klausi Beimer zur letzten Serien-Sause noch eine Konfuzius-Weisheit ins Ohr: "Ein Frosch fühlt sich nur in seinem Tümpel wohl", haucht es über den Bordstein in Richtung Astor-Kino. Der Frosch heißt heute Helga. Und Helga lässt sich im "Akropolis-Tümpel" ein letztes Mal hochleben. Happy Birthday, Mutter Beimer! Und Tschüß, liebe "Lindenstraße"! Schnief…

Quelle: ntv.de