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Flightright-Gründer prangert an "Airlines benutzen Kunden als Kreditgeber"

Die Passagierzahlen an den Berliner Flughäfen haben sich innerhalb der vergangenen sieben Tage mehr als verdoppelt. Foto: Soeren Stache/dpa/Archivbild

Easyjet zahlt am besten.

(Foto: Soeren Stache/dpa/Archivbild)

Wegen der Corona-Krise fallen Tausende Flüge aus. Zwar haben Passagiere ein Recht auf ihr Geld. Es einzutreiben, ist wegen der sinkenden Zahlungsmoral aber gar nicht so leicht. Selbst hochpreisige Airlines seien das Geld für viele Tickets noch schuldig, sagt Flightright-Gründer Kadelbach im Podcast "Die Stunde Null".

Als auf einen Schlag Tausende Flüge ausfallen und die Tickets der Passagiere bedeutungslos werden, schlägt ihre große Stunde: Fluggastportale wie Flightright werden überrannt von Kunden, die ihr Geld von den Fluggesellschaften wiederhaben wollten.

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Flightright-Gründer Philipp Kadelbach.

(Foto: Flightright)

Denn deren Zahlungsmoral hat in der Krise massiv abgenommen. Innerhalb von zehn Wochen laufen annähernd 50.000 Fälle bei dem vor zehn Jahren gegründeten Portal Flightright auf - viele werden zügig vor Gericht gebracht. Das Geschäftsmodell - auch anderer vergleichbarer Anbieter - ist denkbar simpel: Wer sein Ticket erstattet haben möchte, sich aber nicht selbst darum kümmern will, kann seine Daten auf der jeweiligen Website eingeben. Besteht ein Anspruch, kümmert sich das Portal darum und streicht im Erfolgsfall eine Provision ein.

"Die haben die Fluggäste als eine Art Zwangskreditgeber benutzt", sagt Philipp Kadelbach, Gründer von Flightright, im Podcast "Die Stunde Null" über die Airlines. Obwohl der Anspruch der Kunden rechtlich unstrittig ist, wurden viele Tickets immer noch nicht erstattet. Erstaunlich ist aus Sicht des Rechtsanwalts, dass die Fluggesellschaften dabei sehr unterschiedlich vorgehen. "Die am besten zahlende Airline ist Easyjet", sagt Kadelbach. Große hochpreisige Anbieter wie Lufthansa, Air France oder KLM hätten hingegen "bis heute die Forderungen nicht bedient".

Auch der Einstieg des Staats bei der Lufthansa habe an dieser Lage wenig geändert, Druck von der Politik gab es nicht. "Aus Sicht der Verbraucherplattform habe ich kein Verständnis dafür", sagt Kadelbach.

Sein eigenes Geschäft dürfte aus Kadelbachs Sicht in Zukunft eher schwieriger werden. Der Flightright-Gründer rechnet mit einem dauerhaften Rückgang des Flugverkehrs und damit auch mit einem kleineren Markt für Fluggastportale. Allerdings sei auch damit zu rechnen, dass die Fluggesellschaften künftig weniger kulant auftreten und sich stärker darum drücken, Tickets zu erstatten oder gar Entschädigungen zu zahlen - was wiederum gut für sein Geschäftsmodell wäre.

Ob Philipp Kadelbach selbst seine Ticketkosten zurückbekommen hat und in welche Bereiche sein Unternehmen expandieren möchte, hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null", direkt bei Audio Now, Apple, Spotify oder Google.

Quelle: ntv.de, ddi