Lufthansa und Tui bluten Dax rutscht ab, Ölpreis legt zu, Gaspreis explodiert

Die Straße von Hormus ist eine wichtige Transportroute der internationalen Schifffahrt. Der amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran verbreitet unter Rohstoffhändlern Schrecken: Die Öl- und Gaspreise steigen stark. Im Dax büßen die Lufthansa, Tui und die Deutsche Bank deutlich ein.
Der Angriff der USA und Israels auf den Iran und dessen Vergeltungsschläge schicken den deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt auf Talfahrt. Der Dax büßte in den ersten Handelsminuten 2,3 Prozent auf 24.697 Punkte ein. Am Freitag hatte der deutsche Leitindex noch an seinem Rekordhoch von Mitte Januar gekratzt.
Speziell die Aktien von Fluggesellschaften, Banken und konsumabhängige Aktien leiden unter dem amerikanisch-israelischen Angriff. Airlines mussten durch den Beschuss ihre Flüge in die Region vorerst komplett streichen. Wichtige Luftfahrt-Drehkreuze wie Dubai sind betroffen. Die Kurse von Energiefirmen dagegen steigen: Der Konflikt befeuert Öl- und Gaspreise.
Der MDax der mittelgroßen Werte verlor zum Wochenauftakt 2,7 Prozent auf 30.706 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 2,3 Prozent. Die spanischen und italienischen Indizes - in denen Banken stark gewichtet sind - geben am stärksten nach. Der IBEX 35 in Madrid verliert 3 Prozent, während der FTSE MIB um 2,4 Prozent fällt.
"Sehr moderate Kursverluste"
Analysten sehen die Lage an den Märkten bisher jedoch weitgehend entspannt. "Risikoassets wie Aktien werden nicht panikartig abgestoßen", konstatierte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. "Angesichts der möglichen Tragweite dieser Auseinandersetzung sind die initialen Kursverluste sehr moderat." Die Reaktionen zeigten, dass Anleger mehrheitlich mit einer kurzen militärischen Auseinandersetzung rechneten. Ein chaotischer Abverkauf finde bisher nicht statt.
Bei den Einzelwerten rutschten Lufthansa-Aktien in der Spitze mehr als elf Prozent ab. Reiseveranstalter Tui büßte zeitweise knapp zehn Prozent ein. Zu den größten Dax-Verlierern gehörte auch die Deutsche Bank mit einem Minus von rund vier Prozent. Gefragt waren dagegen Rüstungswerte wie Rheinmetall und Hensoldt, deren Aktien sich um bis zu sechs oder sogar mehr als acht Prozent verteuerten.
Knackpunkt: Straße von Hormus
Die Preise für die Rohölsorten Brent und WTI legten in der Spitze um bis zu 10 Prozent auf knapp 80 US-Dollar je Barrel zu. Die europäischen Gaspreise stiegen sprunghaft um bis zu 25 Prozent an. Händler fürchten, dass die Kämpfe im Nahen Osten die globale Energieversorgung nachhaltig beeinträchtigen könnten.
Die entscheidende Frage für die Weltwirtschaft ist, ob die Seestraße von Hormus tatsächlich für mehr als ein paar Wochen für Öl- und Gasexporte gesperrt sein wird. Falls ja, könnte dies das globale Wachstum bremsen und die weltweite Inflation spürbar in die Höhe treiben.
Die schmale Wasserstraße ist eine wichtige Transportroute für Rohstoffe und wird vom Iran kontrolliert. Etwa ein Fünftel der weltweiten Flüssiggasexporte wird dort durchgeleitet. Am Wochenende war der Verkehr in der Wasserstraße weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Märkte sorgen sich vor allem um "deutlich höhere Ölpreise und Störungen der Lieferketten mit dem Risiko einer höheren Inflation", erläuterte Analystin Kat Hudson von Hargreaves Lansdown.
Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding geht davon aus, dass US-Präsident Donald Trump große Anstrengungen unternehmen werde, um einen anhaltenden Anstieg der Energiepreise zu verhindern: Diese könnte ihm im eigenen Land vor den US-Zwischenwahlen (Midterms) im November großen Schaden zufügen. Die US-Wähler machten ihn bereits vor den Angriffen auf den Iran für die hohen Verbraucherpreise verantwortlich.