Panorama

RKI meldet fast 7000 neue Fälle 129 Regionen sind Virus-Brennpunkte

Das Coronavirus breitet sich immer stärker in Deutschland aus. Mittlerweile überschreitet fast jede dritte Region die Obergrenze, einen Brennpunkt ereilt nun der Lockdown. Zudem melden die Behörden eine hohe Zahl an Neuinfektionen.

Den siebten Tag in Folge verzeichnet Deutschland so viele Coronavirus-Problemzonen wie nie zuvor. Dem jüngsten Datenstand (20. Oktober, 0 Uhr) des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge überschreiten 129 Regionen die zwischen Bund und Ländern vereinbarte Obergrenze von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Das entspricht einem Zuwachs von 21 Regionen im Vergleich zum Vortag. Zu Wochenbeginn hatte die Zahl der problematischen Gebiete erstmals seit Beginn der Pandemie die 100er-Marke überschritten.

Damit gilt fast jede dritte Region unter den 400 Städten und Landkreisen sowie den vom RKI separat ausgewiesenen zwölf Berliner Bezirken als Corona-Hotspot. Am stärksten betroffen bleibt der bayerische Landkreis Berchtesgadener Land mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 236,0 (Vortag: 252,1) Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Ab diesem Dienstag gelten in dem Hotspot verschärfte Maßnahmen, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen. Am zweitstärksten ist aktuell die niedersächsische Stadt Delmenhorst mit einem Wert von 211,5 (Vortag: 127,6) betroffen.

Unter den Problemregionen befinden sich auch neun Berliner Bezirke, wobei Neukölln die bundesweit dritthöchste Sieben-Tage-Inzidenz von 156,6 (Vortag: 193,1) aufweist. Die Hauptstadt selbst hatte gestern Abend eine Gesamt-Sieben-Tage-Inzidenz von 89,2 (Vortag: 86,9) angegeben. Die Zahl der schwer getroffenen Virus-Brennpunkte in Deutschland könnte in den kommenden Tagen noch steigen: Mit einem Wert von oder über 40 liegen nun 49 Regionen nahe der kritischen Marke, allen voran der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 49,7.

Die Auswertung der aktuellen Fallzahlen auf Kreisebene zeigt, dass sich das Coronavirus weiter im Land ausbreitet. Die Anzahl der Regionen, die bei der Sieben-Tage-Inzidenz die erste Warnschwelle von 35 Neuinfektionen aus den vergangenen sieben Tagen je 100.000 Einwohner überschreiten und unter dem Wert von 50 liegen, beträgt 77.

Die Gesamtzahl der deutschen Regionen, die in den vergangenen sieben Tagen keine neuen Fälle gemeldet haben, verharrt den RKI-Angaben zufolge auf dem niedrigen Stand von eins. Demnach verzeichnet bundesweit nur noch der niedersächsische Landkreis Lüchow-Dannenberg null Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Die thüringische Stadt Weimar, die gestern als einzige deutsche Region eine Sieben-Tage-Inzidenz von Null verzeichnet hatte, weist nun den bundesweit zweitniedrigsten Wert von 1,5 auf.

RKI meldet fast 7000 Neuinfektionen

Im Lauf des Montags waren nach Angaben des RKI innerhalb eines Tages mehr als 6868 neue Corona-Infektionsfälle gemeldet worden. Der Wert liegt damit deutlich über den 4122 gemeldeten Fällen vom Dienstag vergangener Woche. Die Zahl der Neuinfektionen hatte am Samstag mit 7830 zum dritten Mal in Folge einen Höchstwert seit Beginn der Pandemie in Deutschland erreicht. Die jetzigen Werte sind allerdings nur bedingt mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar, weil mittlerweile wesentlich mehr getestet wird - und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden. Experten zufolge sind die neu gemeldeten Infektionen wegen der Zeit zwischen Ansteckung, Test, Ergebnis und Meldung ein Hinweis darauf, wie stark das Virus vor etwa einer Woche in der Gesellschaft unterwegs war. Deshalb dauere es auch, bis sich politische Maßnahmen in den Meldezahlen niederschlagen könnten.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 373.167 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Stand: 20. Oktober, 0 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lag demnach bei 9836. Das waren 47 mehr als am Vortag. Nach Schätzungen des RKI gibt es etwa 298.300 Genesene.

Hinweis: Die Zahlen des RKI weichen in der Regel leicht von jenen Falldaten ab, die ntv.de täglich am Abend meldet. Das ntv.de-Datenteam greift direkt auf die Meldezahlen aus den Bundesländern zu, wie sie von den Ministerien und Behörden vor Ort veröffentlicht werden. Das RKI hingegen ist an die gesetzlich vorgeschriebenen Meldewege gebunden, was zu einem zeitlichen Verzug führen kann.

Zudem bilden die jeweiligen Tageswerte unterschiedliche Erfassungszeiträume ab: Die ntv-Auswertung sammelt die jeweils bis zum Abend veröffentlichten Länderangaben und errechnet daraus einen täglichen Stand der gemeldeten Fallzahlen, der in der Regel ab 20.00 Uhr veröffentlicht wird. Das Erfassungssystem des RKI dagegen berücksichtigt eingehende Meldungen bis Mitternacht, wobei der aktuelle Datenstand dann am nachfolgenden Morgen bekannt gegeben wird.

R-Wert gibt nach

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht vom Montag bei 1,35 (Vortag: 1,44). Das bedeutet, dass zehn Infizierte im Mittel 13 bis 14 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI in seinem Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen liegt dieser Wert nun bei 1,25 (Vortag: 1,35). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Quelle: ntv.de, cri/dpa

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