Panorama
Dienstag, 06. Dezember 2016

Vergewaltigungen an Ruhr-Uni: 31-jähriger Mann in Bochum verhaftet

Nach zwei Vergewaltigungen im Bochumer Univiertel haben die Fahnder den mutmaßlichen Täter gefasst. Die Fälle weckten Erinnerungen an das berüchtigte "Uni-Phantom" - ein Serien-Täter, der vor über 15 Jahren Angst und Schrecken verbreitete.

In Bochum steht ein 31 Jahre alter Mann unter Verdacht, im August und November im Universitätsviertel zwei Frauen vergewaltigt zu haben. Der Mann stamme aus dem Irak und reiste 2015 mit seiner Frau und zwei Kindern nach Deutschland ein, berichtete Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann auf der Pressekonferenz.

Wochenlang fahndete die Bochumer Polizei nach einem Mann, der zwei Frauen in der Nähe der Ruhr-Uni vergewaltigt haben soll. (Phantombild des mutmaßlichen Täters)
Wochenlang fahndete die Bochumer Polizei nach einem Mann, der zwei Frauen in der Nähe der Ruhr-Uni vergewaltigt haben soll. (Phantombild des mutmaßlichen Täters)

Gegen den Asylbewerber, der in einer Flüchtlingsunterkunft wohnt, wurde Haftbefehl wegen versuchten Mordes, Körperverletzung, Vergewaltigung und Raub erlassen. Der dringend Tatverdächtige schweigt zu den Vorwürfen.

Im ersten Fall, der sich am 6. August ereignete, hatte der Täter eine 21-jährige chinesische Studentin überwältigt, vergewaltigt und mit einem "gefährlichen Werkzeug" schwer verletzt. Die Polizei hatte daraufhin eine Mordkommission eingesetzt.

Am 16. November wurde in derselben Umgebung eine 27 Jahre alte Frau am späten Nachmittag von einem Mann plötzlich von hinten umklammert und in ein Waldstück gezerrt, wo er sich an ihr verging. Mehrere Zeugen sollen vorbeigegangen sein, ohne die Tat zu bemerken. Die junge Frau, die ebenfalls aus China stammt, hatte auf chinesischen Internetseiten davon berichtet. Daraufhin hatte sich auch das Generalkonsulat in Düsseldorf eingeschaltet.

Der Fall weckte in Bochum Erinnerungen an das berüchtigte "Uni-Phantom". So wurde ein Serien-Täter genannt, der zwischen 1994 und 2002 für 21 Vergewaltigungen verantwortlich gemacht wurde. Die Gegend war dieselbe wie im Herbst 2016. Die Serie hörte seinerzeit nach acht Jahren abrupt auf, der Täter wurde nie gefasst.

Dass er auch die aktuellen Taten begangen hat, schloss die Polizei allerdings früh aus. Der mutmaßliche Täter habe nichts mit dem "Uni-Phantom" früherer Jahre zu tun, sagte ein Polizeisprecher im November.

Keine erhöhte Gefahr durch Zuwanderer

Die Festnahmen in Freiburg und Bochum befeuern alte Ängste. Diese sind jedoch unbegründet. Der Kriminologe Christian Pfeiffer sieht bei Flüchtlingen keine erhöhte Gefahr von Sexualstraftaten, nur weil viele von ihnen aus Macho-Kulturen stammen. Wer einen Sexualmord begehe, befinde sich auch in Ländern wie Afghanistan außerhalb gesellschaftlicher Normen, sagte Pfeiffer der "Heilbronner Stimme" mit Blick auf den Mord an einer Freiburger Studentin.

Pfeiffer wies darauf hin, dass die Zahl der Sexualmorde in Deutschland seit Mitte der 80er Jahre von 55 auf heute fünf Fälle pro Jahr zurückgegangen sei. Dies sei der Fall, obwohl die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland immer mehr zugenommen habe. Deswegen gebe es auch keinen Zusammenhang zwischen der Zahl der Zuwanderer und der Entwicklung von Sexualstraftaten.

Auch Regierungssprecher Steffen Seibert warnte vor fremdenfeindlicher Stimmungsmache. "Wir reden von der möglichen Tat eines afghanischen Flüchtlings, nicht von einer ganzen Gruppe von Menschen, die, wie er, Afghanen oder Flüchtlinge sind", sagte Seibert.

Quelle: n-tv.de