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Verzicht auf Jesus' Spuren40 Tage Fasten, 40 Tage kein Bier oder kein Handy?

18.02.2026, 18:41 Uhr Marco-SchlichtingVon Marko Schlichting
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Die Fastenbreze - eine speziell in der Fastenzeit gebackene Breze ohne Brezenlauge. (Foto: picture alliance / SZ Photo)

Am Aschermittwoch beginnt in der Katholischen Kirche die Fastenzeit. Sie dauert bis Karsamstag. Doch Fasten ist inzwischen mehr, als wenig zu essen und zu trinken. Doch wie fastet man richtig - und warum?

"Am Aschermittwoch ist alles vorbei." So heißt ein bekanntes Karnevalslied, denn dann endet die Karnevalszeit und es geht auch erst einmal zu Ende mit der Völlerei. Es beginnt traditionell die 40-tägige Fastenzeit. Sie dauert bis Ostern.

Pater Korbinian lebt im bekanntesten Kloster Bayerns, dem Kloster Andechs in der Nähe von München. Es ist ein Benediktinerkloster, in dem aktuell zwölf Mönche wohnen. Es ist eine der ältesten Wallfahrtsstätten in Bayern und Touristen kennen es vor allem wegen seiner berühmten Klosterbrauerei, die für ein besonders leckeres Bier bekannt ist.

Im Moment haben die Mönche im Kloster viel zu tun, denn sie bereiten sich auf die Fastenzeit vor. "Vieles ist natürlich inzwischen Routine", sagt der Pater. "Wir Mönche machen vor allem einen Fastenplan. Da geht es zunächst darum, wie ich mein Gebetsleben verändere und gestalte oder mir vornehme, ein bestimmtes Buch zu lesen, das mich durch die Tage der österlichen Bußzeit begleitet. Und dann legen wir fest, worauf jeder Einzelne von uns während der Fastenzeit verzichten will. Ich zum Beispiel esse weniger und ich trinke in dieser Zeit kein Bier."

Spuren in der Bibel

Die Fastenzeit hat vor allem religiöse und spirituelle Gründe. In der christlichen Tradition dient sie zur Vorbereitung auf Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu Christi. Die Zeit soll gläubigen Christen dabei helfen, sich auf innere Einkehr, Buße und Besinnung zu konzentrieren. So sollen sie sich auf die Erneuerung des Glaubens vorbereiten. Darum verzichten sie auf vieles, was besonders viel Spaß macht. Das habe auch Jesus Christus so gemacht, kann man in der Bibel lesen. 40 Tage habe er gefastet, heißt es dort, speziell im Matthäus- und Lukas-Evangelium.

Nach seiner Taufe im Jordan hatte sich Jesus in die Judäische Wüste östlich von Jerusalem zurückgezogen, um sich auf seine öffentliche Mission vorzubereiten. Dort verzichtete er auf Nahrung und lebte in völliger Einsamkeit. Das dürfte nicht schwer gewesen sein, denn die Wüste gehört zu den trockensten Regionen der Erde, mit einer kargen Felslandschaft, tiefen Tälern und atemberaubenden Schluchten. Dort brauchte Jesus nicht zu befürchten, auf Menschen zu treffen. Nur der Teufel soll ihn heimgesucht haben, um ihn "zu versuchen", wie es heißt. Man kann davon ausgehen, dass er im Februar und März gefastet hat.

Was Jesus damals getan hat, machen sich gläubige Katholiken auch heute noch zu eigen. In die Wüste ziehen sie sich natürlich nicht zurück, aber es gibt in der Fastenzeit einiges, worauf sie freiwillig verzichten. "Vor allem essen wir weniger. Benedikt, der Gründer unseres Ordens, hat festgelegt, dass man sich einmal am Tag richtig satt essen soll", erklärt Pater Korbinian.

Doch es geht nicht nur um den Verzicht auf Essen und Trinken. Viele Menschen verzichten auch auf lieb gewordene Gewohnheiten. Sie benutzen ihr Handy seltener oder gar nicht, nutzen kein Netflix und schauen überhaupt weniger fern. Das kommt besonders bei jungen Menschen gut an, hat eine Umfrage der DAK herausgefunden. Demnach setzen rund 70 Prozent der gläubigen Katholiken zwischen 18 und 30 Jahren auf "ganzheitliches Fasten" und "Digital Detox". Pater Korbinian kann das nicht. "Ich bin auch Seelsorger", sagt er. "Ich muss mit Gläubigen sprechen, den Dienst mit Messdienern organisieren. Ich könnte nicht auf mein Handy verzichten, selbst wenn ich wollte."

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Pater Korbinian fastet auf jeden Fall. (Foto: Kloster Andechs)

Abgespeckter Essensplan

In Bayern gibt es einige traditionelle Gerichte, die zur Fastenzeit auf den Tisch kommen. Zum Beispiel die "Fastenbreze", eine Brezel aus einem dünnen Teich und ohne Salz. Ihre Form erinnert an die Überkreuzung von verschränkten Armen, ein Zeichen für Gebet und Besinnung. Darum wird sie in einigen Regionen als Symbol für die Fastenzeit angesehen.

Eine beliebte Süßspeise während der Fastenzeit ist in Bayern die "Auszogne", also die Ausgezogene. Außerhalb von Bayern ist sie besser als "Schmalznudel" bekannt. Dabei handelt es sich um einen Hefeteig. Der wird zu flachen, runden Fladen geformt. Dann backt man ihn in Schmalz aus. Beim Formen muss man darauf achten, dass der Teig in der Mitte dünn und der Rand etwas dicker ist. So ist sie in der Mitte knusprig und am Rand weich. Serviert wird sie mit Puderzucker überstreut, manchmal auch mit Marmelade oder Apfelmus.

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"Auszogne" sind ein klassisches Fastenessen. (Foto: picture alliance / dpa)

Fleisch ist in der Fastenzeit verboten. "Eigentlich ist es so, dass man in der Fastenzeit kein Fleisch von vierfüßigen Tieren essen darf", sagt Pater Korbinian. "Streng genommen dürfte man sogar Geflügel verzehren. Das tut man aber traditionell nicht." Stattdessen behelfen sich gläubige Katholiken in dieser Zeit damit, Fisch zu essen. Vor allem Hering kommt auf den Tisch, als Salat oder eingelegt. Außerhalb von Bayern isst man gerne Kabeljau, der oft als Stockfisch zubereitet wird. In Bayern gibt es zudem viel Karpfen.

Früher war das jedoch anders. Im ausgehenden Mittelalter verzehrten viele Mönche Biber, weil diese Tiere ähnlich wie Fische einen großen Teil ihres Lebens im Wasser verbringen. In einigen Regionen kamen auch schon mal Wasservögel wie Kormorane auf die Teller. Selbst Otter wurden verspeist, wenn es ganz hart kam.

Eine besondere Tradition, vor allem in Bayern, ist das Fastenbier, das auch in Andechs gebraut wird. "Beim Bierbrauen fängt man mit der Würze an", sagt Pater Korbinian. "Man kocht viel Malz aus und hat dann eine Flüssigkeit, die relativ viele Kohlenhydrate enthält. Wenn ich dann ein starkes Bier mache, lasse ich die Hefe lange arbeiten, damit viel von diesem Zucker in Alkohol umgewandelt wird. Der Alkohol wird dann konserviert, das Bier hat einen relativ hohen Kaloriengehalt." Darum wird Fastenbier von einigen Mönchen auch "flüssiges Brot" genannt.

Nicht alle Katholiken mussten fasten

Fasten war früher anstrengender als heute, wo viel Arbeit durch Technik erleichtert wird. Darum feierte man vor allem in ländlichen Gebieten Bayerns eine besondere Tradition: Am vierten Fastensonntag kamen beim "Fastenbrechen" deftige Speisen auf den Tisch des Hauses, man trank und feierte, erholte sich von den Fastenstrapazen. Im Kloster Andechs war alles viel strenger, erzählt Pater Korbinian: "Ich kann mich noch gut daran erinnern: In meiner Jugend galt der Freitag in der Fastenzeit als Schweigetag. Wir durften nur beten, lesen und in uns gehen. Aber wir durften kein Wort sagen."

Früher gab es sogar eine Berufsgattung, die grundsätzlich vom Fasten ausgenommen war: Ammen. Das waren Frauen, die neugeborene Kinder stillten und versorgten. Man befürchtete, eine zu strenge Einschränkung von Nahrung würde die Milchproduktion beeinflussen. Damit würde die Versorgung von Kindern gefährdet. Eine besonders pragmatische Auslegung der Fastenregeln.

Inzwischen nutzen viele Menschen gerade die kalten Tage im Februar und März, um über sich nachzudenken, über ihre Zukunft, über das, was sie anders und besser machen können. Das tun auch die Mönche im Kloster Andechs. Und einen Trost gibt es ja immerhin: "Am Ostersonntag ist das Fasten vorbei."

Quelle: ntv.de

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