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Leben des Jungen war ein Martyrium Alessios Stiefvater muss büßen

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Der Stiefvater auf dem Weg ins Gericht.

(Foto: dpa)

Im Januar stirbt der dreijährige Alessio an schweren inneren Verletzungen, die ihm sein Stiefvater zugefügt hat. Vor Gericht gesteht der Mann, ein Schläger will er aber nicht sein. Nun fällt das Urteil.

Der Stiefvater des dreijährigen Alessio aus Lenzkirch bei Freiburg ist zu sechs Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der 33 Jahre alte Landwirt musste sich wegen Totschlags und mehrfacher schwerer Kindesmisshandlung vor Gericht verantworten. In seiner Anklage hatte Staatsanwalt Klaus Hoffmann Lebensumstände beschrieben, die nicht nur für Alessio grauenhaft waren.

Mehr als eineinhalb Jahre lang sei der kleine Junge regelmäßig geschlagen und mehrfach schwer misshandelt worden. "Alessio war einer Vielzahl körperlicher Übergriffe ausgesetzt", sagt Hoffmann. Schon 2013 und 2014 wurde er deshalb stationär in der Uniklinik Freiburg behandelt. Der Junge habe in seinem kurzen Leben ein Martyrium ertragen müssen. Und auch die kleine Halbschwester, die Tochter des Angeklagten, sei Opfer seiner Gewalt geworden.

Der Angeklagte hatte im Prozess die tödlichen Schläge auf seinen dreijährigen Stiefsohn gestanden, jedoch alle Vorwürfe von jahrelangen Kindesmisshandlungen zurückgewiesen. Alessio sei ein "Tölpel" gewesen, seine Verletzungen seien entstanden, weil er immer wieder gestolpert und gestürzt sei. Seine eigene Tochter habe er nie geschlagen. Das Mädchen lebt seit Alessios Tod in einer Pflegefamilie.

Gestresst und überfordert

Vor Gericht sagte der Mann auch über den Tag vor Alessios Tod aus. "Ich hatte Stress im Stall." Der landwirtschaftliche Betrieb habe ihn stark in Anspruch genommen und an Grenzen gebracht. Hinzu kamen Beziehungsprobleme, finanzielle Sorgen und der seit eineinhalb Jahren bestehende Verdacht, er misshandele seinen Stiefsohn. Er habe Angst vor dem Jugendamt gehabt, sagt der Stiefvater.

An Alessios Todestag war der Landwirt mit den beiden Kindern allein auf dem Hof in Lenzkirch im Schwarzwald. Er habe dem nackt auf dem Boden liegenden Alessio zwei- bis dreimal mit der Faust in den Bauch geschlagen, gab der Stiefvater zu. Dem rechtsmedizinischen Gutachten zufolge erlitt der Dreijährige dabei schwerste innere Verletzungen: Alessio starb kurz darauf in der Praxis eines Kinderarztes, zu dem ihn der Stiefvater noch brachte.

"Als wir zum Kinderarzt gekommen sind, hat er noch gelebt", sagt der 33-Jährige im Prozess. Wieso er zugeschlagen habe, wisse er nicht. "Ich frage mich jeden Tag, wie das passieren konnte. Aber ich habe bis heute keine Erklärung." Er sei wohl überfordert gewesen.

Der Fall machte auch Schlagzeilen, weil das Jugendamt informiert war, den Jungen und seine kleine Halbschwester jedoch trotz mehrfacher Warnungen in der Familie und allein beim Stiefvater ließ. Demnach war die Uniklinik Freiburg bei früheren Krankenhausaufenthalten sicher, dass Alessio misshandelt wurde. Die Klinik stellte sogar Strafanzeige gegen unbekannt und warnte davor, den Jungen zurück in die Familie zu bringen. Doch dem Stiefvater konnte nichts bewiesen werden. Bis sich im Januar der tödliche Zwischenfall ereignete.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa

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