Panorama

"Brutale Entscheidung" Anbieter der Strecke Dover - Calais sorgt weiter für Frust

Die drei P&O-Fähren

Drei P&O-Fähren liegen im Hafen von Dover.

(Foto: Gareth Fuller/PA Wire/dpa)

Ende vergangener Woche kündigt der wichtigste Fähranbieter zwischen Dover und Calais an, die Route "in den kommenden Tagen" nicht mehr zu bedienen. Nun ist klar: Touristen und Logistiker müssen sich weiter in Geduld üben.

Nach der Massenentlassung seiner Crews setzt der britische Fähranbieter P&O Ferries weiter alle Verbindungen aus, darunter die Strecken von Calais nach Dover und von Rotterdam nach Hull. Die Dienste würden "in den nächsten Tagen" nicht durchgeführt, twitterte der Marktführer. Reisende sollten selbst Alternativen suchen. "Die Änderungen, die wir an unserem Crew-Modell vornehmen, werden unsere Crew-Kosten um 50 Prozent senken", zitierte der "Daily Mirror" aus einem Schreiben von Unternehmenschef Peter Hebblethwaite.

P&O hatte am Freitag alle 800 Besatzungsmitglieder seiner Schiffe gefeuert. Als Begründung verwies das Unternehmen auf die schwierige finanzielle Lage und den Schutz der übrigen 2200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seitdem liegen die Fähren in den Häfen. Manche Crews weigerten sich, ihr Schiff zu verlassen, wie die BBC berichtete. Die Nachrichtenagentur PA meldete, Sicherheitskräfte mit Handschellen seien eingesetzt worden, um Crew-Mitglieder zu entfernen.

"Unsensibel und brutal"

Verkehrsminister Grant Shapps sprach von einer "unsensiblen und brutalen Entscheidung" und erinnerte gekränkt daran, dass P&O Kurzarbeitergeld erhalten habe. Die Regierung kündigte an, ihre Verträge mit dem Unternehmen zu überprüfen. Doch sie musste auch einräumen, dass ihr die Hände gebunden seien. Es gehe nun darum, die zu unterstützen, die ihre Jobs verloren haben. Das Auswärtige Amt hatte auf den überraschenden Schritt reagiert und deutsche Reisende vorgewarnt: "Der Fährverkehr mit P&O Ferries zwischen Dover und Calais ist aktuell ausgesetzt. Sowohl im Vereinigten Königreich als auch in Frankreich ist mit sehr langen Wartezeiten und Nichtbeförderung zu rechnen."

An die Stelle der bisherigen Crews sollen Zeit- und Hilfsarbeiter rücken, die deutlich schlechter bezahlt werden. Sie müssen aber erst an den Schiffen ausgebildet werden. Parlamentsabgeordnete der betroffenen Städte teilten mit, die Neuen hätten schon bereitgestanden, als die Fähren am Donnerstag überraschend in die Häfen beordert wurden. Der Schifffahrtsverband UK Chamber of Shipping zeigte sich zuversichtlich, dass die Ersatzkräfte die Arbeit problemlos bewältigen können.

"Sechsspurige Autobahn zur Rushhour"

Doch Gewerkschaften warnen, die neuen Crews hätten keine Erfahrung mit den Fähren und den Routen. Der Generalsekretär von Nautilus International, Mark Dickinson, sagte der BBC, Schiffe durch den Ärmelkanal zu steuern, sei "wie eine sechsspurige Autobahn zur Rushhour zu überqueren".

Der nordirische Verbraucherrat teilte mit, Betroffene könnten auf einen anderen Anbieter umbuchen und zusätzliche Kosten bei P&O in Rechnung stellen. Das Unternehmen betreibt auch eine Verbindung vom nordirischen Larne ins schottische Cairnryan. Prompt warnte der nordirische Wirtschaftsminister Gordon Lyons, mehr als die Hälfte der Frachtlieferungen nach Nordirland laufe über den Hafen Larne. Geschäfte und Unternehmen könnten Nachschubprobleme bekommen. Als vierte Strecke ist üblicherweise Dublin-Liverpool im Angebot.

Vor der Pandemie beförderte P&O mehr als zehn Millionen Passagiere im Jahr und rund 15 Prozent der Frachtgüter in und aus Großbritannien. Wegen der Folgen der Corona-Pandemie machte das Unternehmen zuletzt Verluste in Höhe von 100 Millionen Pfund im Jahr.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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