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Kostenlose FFP2-Abgabe Apotheken verdienten sich "dumm und dämlich"

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Besonders gefährdete Gruppen konnten sich im Dezember erstmals kostenlose FFP2-Masken in Apotheken abholen.

(Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Die Verteilung von kostenlosen FFP2-Masken ist für die Apotheker in Deutschland ein Geldsegen. An der Aktion von Gesundheitsminister Spahn, die den Steuerzahler rund zwei Milliarden Euro kostet, verdienen sie sich "dumm und dämlich".

Die kostenlose Abgabe von FFP2-Masken dürfte den Steuerzahler mehr als zwei Milliarden Euro kosten. Nach Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" haben Apotheken mit der Aktion große Gewinne gemacht. Pro Maske, die im Einkauf teils zwischen ein und zwei Euro kosteten, bekamen sie demnach sechs Euro erstattet. "Wir haben uns dumm und dämlich verdient", wird ein Apotheker zitiert. Dem Bericht zufolge hatten sich Fachabteilungen im Gesundheitsministerium mit Verweis auf "gravierende Finanzwirkungen" gegen die Aktion ausgesprochen. Jedoch habe Gesundheitsminister Jens Spahn die Aktion gegen das Votum persönlich durchgesetzt. Das zeigten interne Unterlagen, auf die das Recherche-Netzwerk verweist.

Vor Weihnachten begann die kostenlose Verteilung der FFP2-Masken an Corona-Risikogruppen. In Apotheken konnten sich Berechtigte den Mund-Nasen-Schutz durch Vorlage ihres Personalausweises "oder nach nachvollziehbarer Darlegung des Anspruchs durch Eigenauskunft" abholen, wie es in Spahns Verordnungsentwurf heißt. Im Januar und Februar gab es gegen Vorlage von Coupons weitere Gratis-Masken.

Bereits Anfang November hatte laut WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" das Fachreferat Bedenken geäußert und darauf hingewiesen, dass viele Anspruchsberechtigte "durchaus in der Lage sind", die Masken "selber zu finanzieren". Am 16. November wurde beim Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel schließlich beschlossen, dass der Bund die Abgabe von insgesamt 15 FFP2-Masken pro Person für besonders gefährdete Gruppen finanziert.

Apotheken wollen Einnahmen spenden

Warum der Preis pro Maske auf sechs Euro festgelegt wurde, ist dem Bericht zufolge nicht ganz klar. Jedoch habe es eine "Preisprobenstichanalyse" von den Wirtschaftsprüfern EY gegeben. Unterlagen zufolge seien die Berater auf durchschnittlich 4,29 Euro Anfang Oktober gekommen und auf 1,22 Euro im Großhandel in einer weiteren Preisermittlung vom 25. November. Das Gesundheitsministerium erklärte, dass man die 4,29 Euro zugrunde gelegt und noch Arbeitskosten der Apotheker pauschal hinzugefügt habe.

Dem Bericht zufolge ging der Bund beim Start der Abgabe im Dezember davon aus, dass 27,3 Millionen Menschen in Deutschland anspruchsberechtigt seien. Der Bund habe an den Apothekerverband 491,4 Millionen Euro überwiesen, der das Geld wiederum an die Apotheken verteilte. Diese erhielten einen festen Anteil aus Bundesmitteln, egal wie viele Masken sie verteilten. Im Schnitt gab es mehr als 25.000 Euro für jede Apotheke in Deutschland.

Danach folgten weitere Abgabe-Phasen. Masken wurden etwa gegen Vorlage von Gutscheinen der Krankenkasse ausgegeben. Die Apotheker erhielten damit weitere Summen, mit denen sich dem Bericht zufolge viele nicht wohlfühlten. Einige hätten angekündigt, die Einnahmen oder Masken zu spenden.

Quelle: ntv.de, chf

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