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Hygiene ist das kleinste Problem Auf Tattoostudios wartet viel Arbeit

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Viele Kunden sehnen den Tattoo-Termin herbei, um Großprojekte auf der Haut zu vollenden.

(Foto: imago images/Rene Traut)

Tattoostudios gehören zu den letzten Dienstleistern, die jetzt ihre Arbeit wieder aufnehmen dürfen. An Nachfrage dürfte es nicht mangeln, viele Kunden sehnen ihre Termine herbei - vor allem solche, die seit Wochen mit unvollendeten Projekten auf der Haut herumlaufen. Manche brauchen aber noch mehr Geduld.

Nach wochenlanger Pause dürfen in der Mehrzahl der Bundesländer wieder Tattoos gestochen werden - und die Tätowierer haben viel zu tun. Der Kundenandrang sei so hoch wie vor den Beschränkungen, sagt Jörn Elsenbruch vom Verband Deutsche Organisierte Tätowierer (DOT). Jetzt müssten aber erstmal Termine von sieben Wochen nachgeholt werden - das sei eine Mammutaufgabe und die derzeit größte Herausforderung für die Tattoostudios.

Angaben des Verbands zufolge dürfen die Studios derzeit in 13 von 16 Bundesländern wieder öffnen. "Die Stimmung bei den Kunden ist glänzend", sagte Elsenbruch. "Die Freude, ihrer Kunst am eigenen Körper wieder nachgehen zu können, ist sehr groß." Viele Menschen seien durch das Tätowier-Verbot bei Großprojekten auf ihrer Haut unterbrochen worden und machten nun weiter, sagte Elsenbruch. Er könne sich auch vorstellen, dass bei einigen Menschen in der Corona-Krise der Wunsch nach neuen Tattoos gereift sei. "Da Tattookunden teilweise gerne Erinnerungen auf ihrer Haut verewigen, könnten da in Zukunft doch einige Projekte entstehen, die mit Corona und dem Lockdown zu tun haben." Denn "richtige Tattoofans" wollten tatsächlich diese für alle geschichtsträchtige Zeit in einer bleibenden Erinnerung festhalten.

Nur das Plexiglas ist neu

Die erforderlichen Hygienemaßnahmen und die Auflagen stellten die Tattoostudios nicht vor besondere Schwierigkeiten, sagte Elsenbruch: "Wir arbeiten schon lange auf diesem Niveau und die Veränderungen sind für uns eher kleinere." So seien nun zusätzlich zu den normalen Vorkehrungen etwa Plexiglas-Scheiben als Spuckschutz an den Tresen angebracht, außerdem dürften Kunden in der Regel nur mit Termin und alleine, ohne Begleitperson, in das Studio. Unter den Kunden gebe es ein großes Verständnis für die Maßnahmen.

Elsenbruch kritisierte, dass Tätowierer noch nicht in allen Bundesländern wieder arbeiten dürfen - etwa in Nordrhein-Westfalen. Diese Ungleichbehandlung im Vergleich zu Friseursalons, Kosmetikstudios oder Massagepraxen sei Wettbewerbsverzerrung. Die Tattoobranche arbeite als einzige mit einer europaweit geltenden Hygienenorm. Die Nicht-Öffnung von Tattoostudios müsse "andere Gründe haben als das scheinbare Hygieneproblem", vermutet der Verband. "Das ist nicht akzeptabel und kommt einem Berufsverbot gleich."

Quelle: ntv.de, ino/dpa